Während ich diesen Text überarbeite, liege ich schon wieder mit einer Sommer-Erkältung flach. Fast auf den Tag genau ein Jahr nach meiner letzten in Costa Rica.

Rückblickend kann ich sagen: Ich bin während meines Jahres in Südamerika eigentlich relativ gut davongekommen. Trotz meiner zahlreichen Abenteuer bin ich zum Glück nur selten ernsthaft krank geworden. Ausschließlich ein paar Erkältungen, ein mysteriöser Magen-Darm- Infekt und eine äußerst unangenehmen Busfahrt haben mich etwas aus der Bahn geworfen. Keine Lebensmittelvergiftung, keine krankheitsübertragenden Moskitostiche.

Was mich positiv überrascht hat: Medikamente bekommt man in vielen Teilen Südamerikas ganz unkompliziert – meist ganz ohne ärztliches Rezept.

Meine zuvor abgeschlossene Auslandskrankenversicherung habe ich deshalb kein einziges Mal in Anspruch nehmen müssen – auch wenn ich sie natürlich trotzdem jederzeit wieder abschließen würde. Denn sicher ist sicher.

Apotheke statt Hausarzt: So funktioniert das südamerikanische Gesundheitssystem

In Südamerika ersetzt oft der Apotheker den Arzt. Mit deinen Symptomen gehst du einfach in die nächstgelegene „Farmacia“, schilderst kurz, wie du dich fühlst, und bekommst direkt Medikamente empfohlen. Ob das immer so sinnvoll ist, sei dahingestellt. Bei einer einfachen Erkältung wird einem auch mal gleich ein Breitbandantibiotikum angeboten. „Hauptsache, es wirkt“ – das scheint hier das Motto zu sein.

Wenn man eine gute Beziehung zu einem Arzt im Heimatland pflegt, kann der einem notfalls auch ein Rezept ausstellen, das in Südamerika manchmal akzeptiert wird. Oder man begibt sich direkt in den Supermarkt, denn auch dort gibt es Schmerzmittel, Nasensprays und Kapseln. Diese sehen oft eher wie Bonbons aus, wirken aber ziemlich stark. Verpackung und Inhalt stehen hier oft in spannendem Kontrast.

Einmal bemuttern lassen: Krank bei der Gastmama in Chile

Natürlich wäre es fast ein Wunder gewesen, wenn ich in Chile nicht krank geworden wäre. Bei dem kalten Klima in Viña del Mar hat die nächste Erkältung jederzeit um die nächste Ecke gelauert. Statt einer klassischen Erkältung erwischte mich dann aber ein Magen-Darm-Virus. Ganz überraschend war das nicht: Am Vortag hatte sich meine Gastmama heftig übergeben – laut ihr wegen saurer Milch.

Und am nächsten Tag lag ich auch schon selbst flach, mit Übelkeit, leichtem Fieber und absolut keinem Appetit. Zum Glück war meine Gastmama wieder auf den Beinen und hat sich rührend um mich gekümmert: Es gab Tee und Reis, Fieber wurde dokumentiert, und sogar eine Waage hat sie mir ins Zimmer gestellt, damit ich ja nicht „zu viel abnehme“. Am nächsten Tag ging es mir glücklicherweise schon besser. Sonst hätte sie mich wohl auch noch zum Arzt geschleppt.

Tinder-Date und Sonnenstich

Kurz darauf, bei meinem Flug nach Buenos Aires, wurde ich erneut krank. Diesmal war es aber eher eine Mischung aus Sonnenstich und Erkältung. Einen Tag zuvor hatte ich nämlich mein erstes Tinder-Date am Strand, und dabei komplett unterschätzt, wie stark die Sonne trotz Meeresbrise sein kann. Zwei Stunden pralle Sonne später: knallroter Kopf, Schwindel und Übelkeit. Der darauffolgende Flug war alles andere als angenehm, und eine Erkältung meldete sich auch kurz darauf, ausgerechnet während der Stadterkundung.

Die schlimmste Busfahrt meines Lebens

Dieser Flug war allerdings gar nichts im Vergleich zu dem, was mich auf einer Busfahrt von La Paz (Bolivien) zurück nach Arequipa (Peru) erwartete. Schon auf der ersten Etappe von La Paz nach Copacabana merkte ich, dass etwas nicht stimmt. Mir wurde übel, dazu kamen Kopfschmerzen. Nach einer Pause in Copacabana mit Quinoa Suppe ging es weiter nach Puno, wo wir erneut eine Wartezeit überbrücken mussten. Beim gemeinsamen Abendessen konnte ich den anderen Passagieren beim Essen nur zusehen. Selbst hätte ich keinen Bissen runtergebracht. Der vorletzte Bus brachte uns dann in Richtung Arequipa. Allerdings mussten wir mitten in der Nacht und auf offener Straße den Bus wechseln. Im letzten Bus konnte ich mich zum meinem Glück noch etwas ausruhen.

Während dieser fast 24-stündigen Fahrt wurde mein Zustand nämlich immer schlimmer. Ich fieberte, war erschöpft und weiß bis heute nicht genau, was die Ursache war. Für eine Lebensmittelvergiftung wären die Symptome eher untypisch gewesen. War es die Höhe? Schließlich liegt La Paz auf über 3.600 Metern. El Alto, der höchste Stadtteil, den wir auf der Fahrt passiert haben, sogar auf 4.100.

In Arequipa angekommen habe ich dann den restlichen Tag im Hostel-Bett verbracht. Am nächsten Morgen ging es mir schon etwas besser. Interessanterweise besserte sich mein Zustand schlagartig während unserer Wanderung in den Colca Canyon – je tiefer wir kamen, desto wohler fühlte ich mich. Beim Aufstieg kehrten die Symptome jedoch zurück. Vielleicht war es also wirklich Höhenkrankheit?

Erleichterung bei der Wanderung in den Colca Canyon

Wenn Reisen kein Zuckerschlecken ist

Was mir passiert ist, war im Vergleich zu den Geschichten anderer Reisender allerdings noch harmlos. Eine Bekanntschaft aus Arequipa hatte sich in Kolumbien eine Lebensmittelvergiftung eingefangen. Trotz Antibiotika – verschrieben vom Vater ihrer Freundin, einem Arzt in Deutschland – kämpfte sie wochenlang mit Durchfall. Und das sogar noch während sie den fünftägigen Salkantay-Trek nach Machu Picchu bewältigte. Dabei muss ich hinzufügen, dass die sanitären Zustände auf diesen Wanderwegen alles andere als luxuriös sind.

Kein Flug mit verstopfter Nase

Auf meiner Weiterreise entlang der Küste Perus habe ich mich dann auch wieder ganz erholt. Während meiner Zeit in Lima bis hin zum Amazonas hatte ich dann jedoch immer wieder mit leichten Erkältungssymptomen zu kämpfen. Nichts Wildes, aber lästig.

Richtig schlimm wurde es erst in Kolumbien. Plötzlich bekam ich wieder Halsschmerzen und Schnupfen. Das hat die Fruit Tour in Medellín etwas weniger spannend für mich gestaltet, da ich Schwierigkeiten hatte überhaupt irgendetwas zu erschmecken. Blöd war es außerdem, dass wir von Medellín nach Santa Marta fliegen mussten.

Die Fruit Tour in Medellín machte mit verstopfter Nase nur halb so viel Spaß

Mit verstopfter Nase im Flugzeug? Keine gute Idee. Beim Start war noch alles gut. Aber beim Landeanflug hatte ich das Gefühl, meine Ohren würden explodieren. Ein Ohr blieb sogar fast einen Tag lang komplett zu. Erst später wurde es besser, durch die Meerluft oder doch den Nasenspray.

Dengue, Malaria & Co

Vor meiner Reise hatte ich mich natürlich brav impfen lassen: Gelbfieber, Typhus, Tollwut, Hepatitis – einmal alles, bitte. Einige Impfungen braucht man sogar für die Einreise (z. B. Gelbfieber bei der Weiterreise von Kolumbien nach Costa Rica). Auch wenn ich meinen Impfpass nie vorzeigen musste, wollte ich auf Nummer sicher gehen. Gegen Malaria gibt es keine Impfung, aber Medikamente zur Vorsorge. Gegen Dengue mittlerweile schon – damals noch nicht.

Dass auch in manchen Gebieten Südamerikas ein erhöhtes Dengue-Risiko besteht, wurde mir erst während meines Aufenthalts in Costa Rica bewusst. Eines Tages hieß es plötzlich in den Nachrichten, dass in San José – meinem Wohn- und Praktikumsort für sechs Monate – die Ansteckungsgefahr stark gestiegen sei. Auf einmal war ständig mindestens einer meiner Kollegen und Kolleginnen krank, ob mit Dengue oder etwas anderem. Als dann auch noch meine Vermieter, mit denen ich im selben Haus lebte, krank wurden, fühlte ich mich regelrecht von Viren umzingelt. Es schien nur noch eine Frage der Zeit.

Etwa eine Woche später spürte ich die ersten Symptome. Zunächst Halsschmerzen, später auch Kopfschmerzen und leichtes Fieber. Vielleicht war es ein milder Verlauf von Dengue, schließlich müssen nicht alle Erkrankten gleich ins Krankenhaus. Vielleicht war es aber auch nur eine normale Grippe. Ich schrieb meiner Chefin eine Nachricht und arbeitete für ein paar Tage von zu Hause aus. In Südamerika wird auf ärztliche Bestätigungen oft weniger Wert gelegt.

Richtig seltsam wurde es, als meine Vermieter mitbekamen, dass ich nun ebenfalls krank war. Vorher hatten sie noch gesagt, ich müsse ein starkes Immunsystem haben, obwohl ich mich vegetarisch ernähre. Nun ja, offenbar nicht stark genug. Etwas irritiert war ich, als sie mir plötzlich „una infusión“, also eine Infusion, anboten. Ich dachte zunächst, ich hätte mich verhört. Keiner von beiden ist Arzt, und ich fragte mich, wie sie überhaupt an so etwas gekommen waren. Auf Nachfrage konnten sie mir einen Inhaltsstoff nennen, mehr wussten sie selbst nicht. Ich lehnte dankend ab.

Meine Symptome waren ja nicht schlimm genug, um mir etwas Unbekanntes von quasi Fremden in den Körper spritzen zu lassen. Sie boten mir die Infusion zwar noch einige Male an, aber schon nach ein paar Tagen ging es mir deutlich besser. Meine Vermieter waren ganz überrascht über meine schnelle Genesung. Aber ich bin ja schließlich noch jung.

Nochmal Zusammengefasst: Tipps für den Krankheitsfall auf Reisen

  • Vorab gut informieren: Schon vor der Reise herausfinden, in welchen Regionen es ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie Dengue gibt.
  • Impfungen checken: Bei der Reisevorbereitung unbedingt auch den Impfstatus kontrollieren und gegebenenfalls auffrischen lassen.
  • Auslandskrankenversicherung abschließen: Ein Muss für alle, die länger unterwegs sind. Gibt Sicherheit, falls doch etwas passiert.
  • Auf Symptome achten: Auch wenn die Anzeichen anfangs harmlos wirken – lieber einen Gang runterschalten und den Körper ernst nehmen.
  • Sich selbst schonen: Nicht direkt in Panik verfallen, sondern sich ausruhen, ausreichend schlafen und viel trinken.
  • Hilfsangebote bewusst abwägen: Wenn auch gut gemeint, nicht jede angebotene Behandlung (z. B. Infusionen von Privatpersonen) sollte man annehmen. Vor allem wenn sich etwas seltsam oder unklar anfühlt, lieber dankend ablehnen.
  • Sich Unterstützung holen: In Südamerika sind die Menschen oft sehr hilfsbereit. Alleine ist man selten.
  • Apotheken sind gute erste Anlaufstellen: In Südamerika bekommt man in vielen Apotheken auch ohne Rezept gängige Medikamente und Schmerzmittel. Die Mitarbeiter sind oft sehr hilfsbereit. Einfach freundlich nachfragen und Symptome beschreiben.
  • Gelassenheit entwickeln: Krankheit auf Reisen ist nie ideal, aber man lernt, mit mehr Ruhe und Vertrauen damit umzugehen.

Reisen heilt – aber manchmal wird man doch krank

Krank zu sein auf Reisen ist nie angenehm. Erst recht nicht, wenn man weit weg von Zuhause ist, ohne vertraute Ansprechpersonen, in einem Land mit fremder Sprache und anderen Systemen. Doch genau in solchen Momenten wächst man.

Ich habe gelernt, mehr auf meinen Körper zu hören, ruhiger zu bleiben und auch, Hilfe anzunehmen, wenn sie angeboten wird.

Falls es euch in Südamerika einmal erwischen sollte, kann ich euch jedenfalls versichern: Ihr seid nicht allein. Die Menschen dort sind herzlich, hilfsbereit und meist sofort zur Stelle.

Heute gehe ich auch in Österreich deutlich entspannter mit kleineren Beschwerden um. Nicht jedes Wehwehchen braucht gleich einen Arzttermin.

Und wie ist das bei euch? Habt ihr schon mal eine Krankheit im Ausland durchgestanden? Wie seid ihr damit umgegangen? Und wie bereitet ihr euch auf solche Situationen vor? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen – schreibt sie mir gern in die Kommentare!

Bussi Baba!

2 Antworten zu „Krank in Südamerika – Zwischen Höhenkrankheit, Gastmama-Pflege und Antibiotika ohne Rezept”.

  1. Eine „infusion“ auf spanisch ist ein Kräutertee 🙂

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    1. Hallo Myriade! Da könntest du wohl recht haben. Man kann den spanischen Begriff tatsächlich sowohl mit Kräutertee als auch mit der medizinischen Infusion übersetzen. Ich war mir damals ziemlich sicher, dass es sich um eine medizinische Infusion handelt, weil mir die beiden irgendein Schmerzmittel als Inhaltsstoff aufgezählt haben. Aber vielleicht war es auch einfach ein sprachliches Missverständnis. Sowas kann schonmal vorkommen, wenn man versucht sich in anderen Sprachen zu verständigen. Danke für den Tipp 😉

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