Wenn andere denken, dass Solo-Reisen langweilig sind, dann gehen sie wahrscheinlich davon aus, dass man wirklich andauernd solo unterwegs ist. Das ist natürlich nicht der Fall. Ganz im Gegenteil. Ich bin überzeugter Solo-Traveler, gerade weil es einem die Chance gibt, viele interessante Leute zu treffen. Sind wir mit Freunden, dem Partner oder der Familie unterwegs, ist das meist viel schwieriger, weil wir ja auch gar nicht erst das Bedürfnis haben, mit anderen etwas zu unternehmen oder überhaupt zu reden.

Mit meiner Schwester und einer Freundin in Kolumbien kam ich kaum ins Gespräch mit anderen Reisenden

Nach fast einem Jahr im Ausland bin ich selbst immer noch kein Profi und finde mich selbst regelmäßig in Situationen wieder, in denen es mir schwer fällt, mit fremden Leuten in Kontakt zu treten. Trotzdem habe ich ein paar Strategien entwickelt, die mir das Kennenlernen neuer Personen und das Finden von Freunden sehr erleichtert haben und die vielleicht auch euch weiterhelfen können.

Studienkollegen

Trotzdem will ich immer ehrlich mit euch bleiben. Zu Beginn ist es mir nämlich gar nicht so leicht gefallen, Freundschaften zu knüpfen. Erstens kann ich manchmal etwas introvertiert und eher ruhig sein. Nicht immer. Manche meiner Reisebekanntschaften würden vielleicht genau das Gegenteil behaupten. Vor allem wenn man aber in eine riesige Gruppe von Leuten geworfen wird, kann ich schon mal etwas überfordert mit der Situation sein. Und zweitens war es anfangs auch mit dem Spanisch noch etwas schwierig. Die meisten Austauschstudenten waren ja selbst aus spanischsprachigen Ländern. Und wenn sich der Großteil der Leute einfach in ihrer Muttersprache unterhält, ist man natürlich auch schnell einmal etwas eingeschüchtert.

Ich war auch nicht die Studentin, die gleich von Beginn an zu allen Events gelaufen ist. Wir hatten eine gemeinsame WhatsApp Gruppe mit allen Austauschstudenten und ein paar Chilenen, in der oft Treffen in Bars oder Clubs ausgemacht wurden. Am Anfang des Semesters, als ich noch niemanden wirklich gut kannte, hatte ich aber etwas Schiss davor, allein hinzugehen. Nach meiner dritten Uni-Woche wurde ich aber auf eine Party auf der Dachterrasse von drei Kolleginnen eingeladen. Und schnell fiel mir auf, dass eigentlich alle extrem offen und nett sind und dass es gar nicht schwer ist, ins Gespräch zu kommen. Langsam fühlte ich mich auch mit meinem Spanisch immer sicherer, was natürlich eine große Hilfe war.

In Südamerika ist es nämlich leider nicht typisch, dass alle über gute Englischkenntnisse verfügen. Die meisten Austauschstudenten an meiner Uni in Chile waren beispielsweise aus Mexiko, zwei Peruaner und zwei Kolumbianer. Ganz ohne Spanisch wäre ich da nicht sehr weit gekommen. Allerdings waren alle extrem bemüht langsam zu sprechen und gaben mir Zeit, wenn ich nach einer Antwort suchte. Auch wenn ihr eine Fremdsprache nicht perfekt sprecht, dürft ihr euch wirklich nicht abschrecken lassen. Die anderen werden allein eure Bemühungen schon sehr zu schätzen wissen.

Während einem Auslandsjahr lernt man eben, auch mal aus seiner Komfortzone herauszutreten. Das ist nicht immer einfach, aber zahlt sich auf alle Fälle aus. Denkt euch einfach immer: Was ist das schlimmste, was passieren kann?

Die gemeinsamen Kochabenden und Kinobesuche vermisse ich jetzt schon

Allgemein ist es auch immer gut, wenn man im Kopf behält, dass gerade alle in der selben Situation stecken. Oft denken wir, dass wir die einzigen sind, die beispielsweise mit Heimweh zu kämpfen haben. Weil es keiner wirklich nach außen hin zeigen will. Wenn ihr aber mit jemanden darüber sprecht, werdet ihr schnell merken, dass es anderen gar nicht anders geht. Tatsächlich wissen es die meisten sogar sehr zu schätzen, wenn ihr eure Gefühle offen zeigt, weil sie sich selbst dann auch nicht mehr so allein damit fühlen. Deshalb versuche ich in den Sozialen Medien auch immer offen und ehrlich zu bleiben. Ein Jahr im Ausland zu verbringen hat nämlich nicht nur seine schönen Seiten.

Zum Ende des Semesters hatte ich einen richtigen sozialen Stress, weil ich vor meiner Abreise nochmal alle Leute sehen wollte. Fast so wie bevor ich Österreich verlassen habe. Nur mit dem Unterschied, dass man diese Menschen teilweise vielleicht nie wieder sehen wird. Außerdem habe ich, ohne jetzt angeberisch klingen zu wollen, beim Abschlussdinner mit dem Club die Premierung „Estudiante UVM 2023“ erhalten. Für den internationalen Studenten, der die Werte Toleranz und Vielfalt, Verantwortungsbewusstsein, Integrität, Respekt, Engagement und Leidenschaft für Spitzenleistungen besonders gut vertreten hat. Und eine Studienkollegin wollte sogar eine Folge für ihren eigenen Pod-Cast auf Spanisch mit mir aufnehmen.

Damit möchte ich euch nur zeigen, dass sich alle Bemühungen auszahlen werden. Und solang ihr offen bleibt und alle neuen Gelegenheiten, die sich euch ergeben, willkommen heißt, werdet ihr keine Probleme haben, richtig viele coole Leute zu treffen.

Instagram

Ich selbst bin manchmal leider oft Opfer von Suchtverhalten was Soziale Medien angeht und ich verbringe eindeutig zu viel Zeit auf Instagram. Meine Freunde erzählen mir immer stolz, wenn sie die App mal wieder von ihrem Hany gelöscht haben. Während meinem Auslandsjahr hätte ich die Plattform jedoch nicht missen wollen.

Erstens bleibe ich mit neuen Bekanntschaften lieber über Instagram in Kontakt anstatt ihnen meine Handynummer zu geben. Innerhalb von sechs Monaten habe ich nämlich vier Mal Nummer gewechselt. Außerdem schaue ich immer gerne die Storys von diesen Leuten an, um zu sehen, wo sie gerade selbst so unterwegs sind. Manchmal passieren dann auch witzige Zufälle. Beispielsweise habe ich in Peru eine Irin kennengelernt. Ein paar Wochen später hat sie ein Foto gepostet mit einem Deutschen, den ich in Bolivien getroffen haben. Ich hatte zuvor weder seine Nummer noch sein Instagram. Dann bin ich ihm gefolgt und seitdem sind wir ab und zu in Kontakt.

Nicht zuletzt ist Instagram aber auch toll, um Kontakt mit neuen Leuten zu knüpfen oder mit Personen, mit denen man bis dato vielleicht nicht so viel zu tun hatte. Zum Beispiel hatte ich einmal ein Foto von einem Café in Viña in meiner Story. Daraufhin hat mich eine mexikanische Studienkollegin gefragt, ob wir mal gemeinsam dorthin einen Kaffee trinken gehen, weil sie dieses Lokal auch liebt. Oder ein anderer mexikanischer Kollege hat auf eine meiner Story reagiert und so kamen wir ins Gespräch und später hatten wir irgendwann ein Date und haben gemeinsam Empanadas gebacken.

Von der Instagram Story zum Kaffee-Date

Eine meiner liebsten Geschichten wird aber diese bleiben: Als ich in Peru war hat mir eine Freundin meiner Schwester auf Instagram geschrieben. Sie war nämlich selbst vor einigen Jahren als Austauschstudentin in Peru. Deshalb hat sie gefragt, wo ich überall unterwegs bin, nachdem sie einige meiner Stories gesehen hatte. Da auch Lima auf meinem Programm stand, hat sie gemeint, dass sie mich mit einem ehemaligen Studienkollegen aus Peru in Kontakt setzen kann. Ich war natürlich sofort begeistert. Und tatsächlich hat er sich innerhalb der nächsten Tage noch bei mir gemeldet und wir haben ein Treffen ausgemacht. In Lima bekam ich dann gratis Stadtführungen von einem Local und tolle Gesellschaft.

Ohne einheimischer Begleitung hätte die Tour durch Lima sicher nur halb so viel Spaß gemacht.

Aber nicht nur Instagram ist eine tolle Applikation um neue Leute kennenzulernen.

Tinder

Ja liebe Eltern, eure Tochter hat ein Online-Dating-Profil. Aber Tinder eignet sich nicht nur um seinen Traummann beziehungsweise seine Traumfrau zu finden, sondern auch um einfach neue Kontakte zu knüpfen. Vielleicht ist sie für zweiteres sogar besser geeignet.

Bereits in Österreich habe ich irgendwann mal ein Profil auf besagter Dating-App angelegt. Ein Treffen hat jedoch nie stattgefunden, da ich einfach nicht genug Eier in der Hose hatte. Nachdem ich aber single und allein in Chile war, habe ich nochmal den Versuch gewagt. Die Idee hatte ich tatsächlich aus einem Buch, in dem eine Frau von ihrer Reise um die Welt berichtete.

Anfangs war ich noch etwas skeptisch. Die erste Folge der Reaktivierung meines stillgelegten Profils war nämlich, dass mir plötzlich innerhalb von kürzerster Zeit um die dreißig Männer mittleren Alters auf Instagram gefolgt sind. Gut für meine Follower-Zahl. Aber natürlich waren da nicht nur nette, junge Burschen dabei.

Auch als ich dann über Instagram einige Nachrichten von irgendwelchen Männern aus der Umgebung bekam, wurde ich nicht wirklich optimistischer, dass da wirklich jemand mit Potenzial dabei sein würde. Schließlich habe ich aber eine ganz nette Unterhaltung mit einem jungen Typen begonnen, der wirklich sehr sympathisch wirkte. Und so kam es dann auch zu einem ersten Treffen.

Ich war natürlich super nervös und habe während der ganzen Hinfahrt bereut, das Date nicht doch abgebalsen zu haben. Aber im Endeffekt hatten wir eine super schöne Zeit. Wir trafen uns am Strand und tatsächlich sind wir knappe drei Stunden beim Meer gesessen und haben die ganze Zeit einfach nur geredet, ganz ohne komischer Stille zwischendurch.

Ein ewiges Andenken an meinen Austauschsemester-Flirt

Bis dato war das auch meine einzige Tinder-Erfahrung. Manchmal schau ich wieder rein in die App, swipe ein paar mal links und rechts. Aber vielleicht habe ich einfach Angst, dass es nicht nochmal so perfekt wie beim ersten Mal laufen könnte 😊

Reisebekanntschaften

Last but not least lernt man als Solo-Reisende die meisten Leute natürlich während dem Reisen selbst kennen. Auch ganz ohne Unterstützung von Apps oder Studentenorganisationen. Die zwei größten Kontaktpunkte für mich waren dabei Hostels und Touren.

Hostels sind natürlich der perfekte Ort um nicht allein zu sein. Vor allem wenn ihr als Low-Budget-Traveler unterwegs seid, werdet ihr über die Übernachtung in Mehrbettzimmern, sogenannten Dorms, sowieso nicht drumherum kommen. Privatsphäre ist da vielleicht nicht unbedingt groß geschrieben, aber dafür lässt es sich hier super einfach neue Kontakte knüpfen. Umso weniger Privatsphäre, desto leichter. Sobald ihr Vorhänge oder ähnliches vor dem Bett habt, um euch von der restlichen Welt abzugrenzen, wird es meiner Meinung nach schwerer mit anderen ins Gespräch zu kommen.

In schicken Boutique Hostels mit Vorhängen fällt es evtl. schwerer Leute kennenzulernen

Die Website Hostelworld kann euch bei der Wahl eures Hostels auch weiterhelfen. Hier findet ihr meist gute Beschreibungen, ob die Unterkunft sehr offen und sozial ist oder eher weniger.

Hostels können nämlich sehr unterschiedlich sein. Beispielsweise habe ich auch immer geschaut, dass ich in keinen klassischen Party-Hostels übernachte, weil das nicht unbedingt meiner Interessensgruppe entspricht. Man bekommt da aber irgendwann ein Gefühl dafür, welche Unterkunft die richtige für einen ist. Und natürlich ist auch nichts falsch daran, einmal ein Einzelzimmer zu buchen, wenn man mal keinen Bock auf socializen hat. Auch das kommt vor 😉

Meine aller liebste Form, um neue Menschen kennenzulernen, sind allerdings Touren. Oft sind Low-Budget-Reisende ja eher auf eigener Faust unterwegs. Wenn man aber allein reist und spezielle Destinationen oder Aktivitäten geplant sind, hat man oft aber gar keine andere Wahl als eine geführte Tour zu buchen. Vielleicht muss man dann mal etwas mehr Geld hinblechen. Aber in meinem Bericht zur Atacama-Wüste habe ich ja bereits erwähnt, dass es natürlich ein rießen Vorteil sein kann, einen erfahrenen Guide dabei zu haben. Vor allem wenn ihr mehr Hintergrundwissen wollt.

Einige meiner Tour-Highlights waren neben Atacama klarerweise Machu Picchu und Rainbow Mountains, das Death Road Mountainbiking in Bolivien, die Colca Canyon Wanderung in Peru, eine Tour in den Amazonas und nicht zuletzt die Wanderung zum Acatenango Vulkan in Guatemala. Was all diese Touren gemeinsam haben: Ich habe super coole Leute getroffen. Gemeinsam so eine einzigartige Erfahrung zu machen, verbindet, auch wenn man sich gerade erst kennengelernt hat. Natürlich waren das noch nicht alle Highlights. Aber mehr dazu gibt es in den kommenden Beiträgen.

Unsere coole Mountainbike Truppe auf der Death Road

Eine tolle Sache sind natürlich auch Free-Walking Touren, die in den meisten größeren Städten angeboten werden. Auch hier kann man gut mit anderen ins Gespräch kommen, die vielleicht selbst gerade erst angereist sind.

Unter Reisenden fällt es natürlich auch immer super einfach ein Gespräch zu beginnen. Die klassische Eisbrecherfrage ist natürlich einmal, wo man herkommt. Und dann unterhält man sich oftmals Stunden darüber, seit wann man schon unterwegs ist, wo man überall war, wo es noch hingeht, was einem bisher am besten gefallen hat, was man danach machen möchte, … Es ist halt auch viel einfacher Konversationen zu führen, in einem Umfeld in dem alle das selbe Interesse mitbringen: Das Reisen.

Und wenn ihr im Hostel oder auf eurer Tour noch kein Glück hattet, könnt ihr es auch einfach auf der Straße probieren. In Guatemala hat mich tatsächlich eine Französin auf der Straße angeredet und dann sind wir gemeinsam in ein Café etwas trinken gegangen. Auch am Flughafen hab ich schon öfters Konversationen begonnen, im Bus, am Strand, im Restaurant. Die Möglichkeiten sind unendlich. Aber ich möchte hier natürlich nicht alles vorweg nehmen. Die detailierten Geschichten gibt es dann in den jeweiligen Beiträgen.

Irgendwer muss ja auch immer die Fotos machen – hier habe ich eine Österreicherin kennengelernt


Heute wollte ich euch nur mal einen kleinen Überblick geben und euch etwas optimistischer stimmen, dass auch ihr es schaffen werdet, im Ausland Bekanntschaften zu machen. Und das sind Tipps von einer Person, die vor ihrer ersten Solo-Reise selbst in Panik geraten ist, weil ich eigentlich nie der Mensch für Small Talk und Leute Ansprechen war. But here I am. Welche Lehre habe ich daraus gezogen: Solange wir in unserer Komfortzone verweilen, werden wir nie über uns selbst hinauswachsen. Hiermit verabschiede ich mich für heute,

Bussi Baba!



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