Obwohl Bolivien immer noch zu den Hidden Gems Südamerikas zählt, zieht es immer mehr Touristen an, die Orte wie die Uyuni-Salzwüste, Sucre oder auch La Paz entdecken wollen. Ich bin am Abend des elften Dezembers 2023 (mittlerweile schon eineinhalb Jahre her) in La Paz angekommen – dem politischen Zentrum des Landes.

La Paz ist nicht nur faszinierend, sondern mit über 3.600 Metern auch die höchstgelegenste Regierungshauptstadt der Welt, um die sich viele spannende und teilweise kuriose Geschichten ranken. Doch heute möchte ich euch von einer ganz besonderen Aktivität erzählen, die mutige Reisende nur ungerne verpassen, wenn sie in dieser Gegend unterwegs sind.

Wie ich zur Death Road kam

Ein paar Wochen vor dem Start meiner zweimonatigen Südamerika-Reise habe ich mein Busticket durch Peru und Bolivien gebucht – und gleich ein paar spannende Aktivitäten dazu. Darunter: ein Bootstrip zu den Urus Inseln in Puno oder zur Isla del Sol in Copacabana. Auch für meinen nächsten Stopp in La Paz standen einige Optionen zur Auswahl.

Als ich auf der Website von Bolivia Hop das erste Mal von der „Death Road“ las, wurde ich sofort neugierig. Die Tour wurde unter anderem als “thrilling ride with incredible views”, “ultimate adrenaline rush” und “once-in-a-lifetime adventure” beschrieben. Ohne lange zu überlegen, klickte ich auf „Buchen“.

Ihr müsst wissen: Ich bin eigentlich gar kein Adrenalinjunkie und halte mich bei solchen Aktionen normalerweise eher zurück. Dementsprechend überrascht reagierten meine Freunde und Familie, als ich ihnen von meinem Vorhaben erzählte. Ein bisschen Sorge um mein Leben war vermutlich auch dabei.

Was ist eigentlich die Death Road?

Die sogenannte „Todesstraße“ war ursprünglich ein Handelsweg, der das Hochland Boliviens mit dem Tiefland verbinden sollte. Erbaut wurde sie 1930 während des Krieges mit Paraguay – von paraguayischen Häftlingen. Angeblich soll der Name der Straße auf zahlreiche Selbstmorde zurückgehen, die sich unter den unmenschlichen Arbeitsbedingungen ereigneten.

Doch auch für Fahrzeuge stellte die Route eine tödliche Gefahr dar. Enge Kurven, starke Steigungen, steile Abhänge ohne Leitplanken und eine durchschnittliche Breite von 3,2 Metern – kaum Platz für zwei Fahrzeuge. Hinzu kommen starke Regenfälle, Rutschgefahr und das Linksfahrgebot, das bergab fahrende Fahrzeuge bedrohlich nah an den Abgrund zwingt.

1995 wurde sie schließlich zur gefährlichsten Straße der Welt erklärt – mit geschätzten 200 bis 300 Todesopfern pro Jahr.

1995 wurde die Strecke zur gefährlichsten Straße der Welt erklärt

Erst 2006 wurde schließlich eine neue, sicherere Alternativroute gebaut, auf die Autos, Busse und Lkws nun ausweichen können. Doch anstatt die alte Straße ungenutzt zu lassen, wurde sie zur Pilgerstätte für abenteuerlustige Radfahrer aus aller Welt.

Adrenalin trifft auf Sicherheit

Dadurch dass die Route heute fast ausschließlich von Mountainbikern genutzt wird, ist sie bedeutend sicherer geworden. Mit wachsender internationaler Bekanntheit haben sich auch die Sicherheitsstandards verbessert: Anbieter investieren in gute Ausrüstung, erfahrene Guides und Begleitfahrzeuge. Die lokale Bevölkerung profitiert ebenfalls – durch Stopps bei kleinen Läden und Unterkünften.

Wichtig ist es vor allem, sich für einen seriösen Touranbieter zu entscheiden – lieber ein paar Euro mehr investieren als auf Kosten der Sicherheit zu sparen. Ich habe mich für Altitude Alliance entschieden: gutes Equipment, professionelle Guides und im budgetfreundlichen Preis inklusive: das ikonische „I Survived Death Road“-T-Shirt.

Der Tag beginnt – mit wenig Schlaf, aber viel Aufregung

Gegen sieben Uhr morgens stand auch schon der Tourbus vor meinem Hostel. Geschlafen habe ich kaum – die Aufregung war einfach zu groß. Zum Glück hat man während der Anreise aber genügend Zeit, um sich noch ein bisschen auszuruhen. Unsere Gruppe bestand aus zwei Frauen (inklusiver mir), einigen Männer, unserem Guide und dem Fahrer.

Auf ungefähr 4,700 Metern Seehöhe machten wir Halt neben einer asphaltierten Straße. Dort bekamen wir unsere Ausrüstung: Knie- und Ellbogenschoner, Hose, Jacke, Helm – und natürlich das Bike. Die in der Ausrüstung enthaltene Hose und Jacke sind vor allem zu Beginn sehr nützlich. Auf einer Höhe von 4,700 Metern mitten im alpinen Hochland der Anden ist es nämlich auch dementsprechend kalt.

Nach einer kurzen Einschulung und einem Frühstück (für das ich kaum Appetit hatte) ging es los.

Während dem Frühstück eine kleine Einschulung durch unseren Guide

Erster Abschnitt: Übung auf Asphalt

Die erste Teilstrecke führte über eine befahrene, asphaltierte Straße. Ich war zuvor noch nie Downhill-Mountainbike gefahren und stieg mit leichtem Herzklopfen auf das Bike. Doch nach nur wenigen Metern wurde mir klar: „Das ist ja mega geil“.

„Das ist ja mega geil“

Das starke Gefälle ersparte uns das Treten – meistens war eher Bremsen angesagt. Unser Guide schoss unterwegs erste coole Fotos von uns, während wir die Straße hinunterrauschten. Diese Strecke dient vor allem, um sich mit dem Bike und dem Gefälle anzufreunden.

Nach den ersten Kilometern

Der Moment der Wahrheit: Der Einstieg zur Death Road

Nach einer kurzen Verschnaufpause standen wir am Einstieg zur eigentlichen Todesstraße – einem schmalen Schotterweg, der sich entlang steiler Hänge, die teilweise bis zu 600 Meter in die Tiefe reichten, schlängelte. Die Aussicht war bereits hier atemberaubend. Aber ich wurde immer nervöser. Meine Handgelenke ahnten bereits, was ihnen bevorstand (alle Mountainbiker wissen, das dieser Sport nicht der optimalste für die Handgelenke ist).

Die Aussicht war bereits hier atemberaubend

Doch kaum fuhr ich los, dachte ich erneut: „Das ist ja noch viel geiler!“. Anfangs klammerte ich mich noch verkrampft an die zwei Bremsen, wurde aber mit jeder Kurve mutiger. Einige Abschnitte waren technisch anspruchsvoll – enge Kurven verlangten Konzentration, grobe Steine erschwerten zudem das Lenken. Und trotzdem war ich stets vorne mit dabei. Und so setzte ich noch während der Abfahrt „Mountainbiken in Österreich“ auf meine To-Do Liste.

Neben dem Abgrund
wo es bis zu 600m in die Tiefe ging

Gleichzeitig war es ein unglaubliches Gefühl von Freiheit. Links neben uns breitete sich im Tal der dichte Dschungel aus. Während wir Meter für Meter tiefer kamen, veränderte sich auch das Klima: Aus eisiger Andenkälte wurde feucht, warme Tropenluft. Wir befanden uns mitten im Nebelwald.

Wasserfälle, Dschungel und Abenteuergefühl

Ein Highlight der Strecke waren die Wasserfälle und kleinen Flüsse, die wir durchqueren mussten. Sie sorgten nicht nur für eine nasse Abkühlung, sondern auch für spektakuläre Fotos. Zwischendurch legten wir eine kleine Snackpause ein, bevor es weiterging.

Wasserfälle
und viele coole Fotos

Insgesamt dauert die Fahrt entlang der Death Road etwa drei Stunden – wobei es mir eher wie 30 Minuten vorkam. Am Ende erreichten wir schließlich das dampfend-heiße Tiefland. Dieser letzte Abschnitt gefiel mir definitiv am wenigsten: flach, teils sogar leicht bergauf – bei dem Klima extrem anstrengend.

Geschafft – und offiziell „Survivor“

Zuletzt wartete in einem kleinen Laden am Wegrand ein wohlverdientes Bier (obwohl ich normalerweise keine Biertrinkerin bin), sowie ein paar spannende Geschichten unseres Guides. Natürlich erzählte er uns erst jetzt von den wirklich heiklen Zwischenfällen: Etwa von einem Teilnehmer, der über den Wegrand stürzte – aber glücklicherweise in einem Gebüsch hängenblieb. Oder einer Asiatin, die zuvor noch nie auf einem Fahrrad saß – und im Endeffekt auch einen Unfall baute – kein Wunder. Für uns war es ja schon zu spät, unsere Entscheidung zu bereuen – wir hatten es zum Glück geschafft. Alle.

Wir haben überlebt!

Mit dem Bus fuhren wir weiter zu einem kleinen Resort mitten im Dschungel. Dort erwartete uns ein leckeres Mittagsbuffet, eine erfrischende Badelandschaft und endlich: unsere T-Shirts. Ich war jetzt also offiziell eine Überlebende der Death Road.

Eine Badelandschaft mitten im Dschungel

Fazit: Angst, Stolz und ein bisschen Wahnsinn

Diese Erfahrung war mehr als nur ein Adrenalinkick – sie war eine Grenzerfahrung. Ich habe meine Ängste überwunden, bin über mich hinausgewachsen und wurde mit einer der spektakulärsten Landschaften belohnt, die ich je gesehen habe. Selbst die stärksten Muskelschmerzen meines Lebens am nächsten Tag konnten daran nichts ändern.

Ich bin nicht der typische Adrenalinjunkie – im Gegenteil: Ich tue mir oft schwer, Neues auszuprobieren, besonders wenn ich nicht weiß, ob ich es gut machen werde. Dass ich manchmal ein ziemlicher Angsthase bin, passt vielleicht nicht ganz zu meiner Leidenschaft fürs Solo-Reisen. Doch genau darin liegt für mich der Reiz: Herausforderungen annehmen, obwohl sie mir Angst machen.

Natürlich muss man nicht alles mitmachen. Und doch – ab und zu braucht es ein bisschen Wahnsinn, ein kleines Risiko, um sich lebendig zu fühlen. Dann frage ich mich:

„Würde ich es morgen bereuen, es nicht getan zu haben?“

Manchmal reicht ein Klick auf „Buchen“, um sich selbst neu zu entdecken. Und genau dafür liebe ich das Reisen.

Quelle: Death Road Tours | Bolivia Hop

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5 Antworten zu „Die spektakuläre Death Road: Abenteuer in Bolivien”.

  1. Ich dachte, du hast einen alternativen Lebensentwurf gewählt, aber du bist ja als Touristin unterwegs …

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    1. Hallo Myriade! Danke für deinen Kommentar. Ich denke, dass solange man nicht auf längere Dauer an einem Ort lebt, wird man wohl immer Tourist bleiben. Und in einigen meiner besuchten Länder war ich definitiv als Touristin unterwegs. Tourist ist aber auch nicht gleich Tourist. Manche bekommen tiefere Einblicke und andere bleiben eher an der Oberfläche. Ich habe immer versucht, einen so tiefen Einblick wie möglich zu bekommen. Aufgrund von Zeitdruck war das nicht immer möglich. Allerdings konnte ich zumindest während meinem Austauschsemester in Chile und meinem 6-monatigen Praktikum in Costa Rica erfahren, wie es ist, für längere Zeit am selben Ort im Ausland zu leben und konnte so auch einen kleinen Blick hinter die Kulisse nehmen. Das hätte ich auch für meine zukünftigen Reisen und Auslandsaufenthalte so geplant. Wie siehst du das? 🙂

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  2. Naja, ich habe deinen vorigen Artikel gelesen und da ging es um große, richtungsweisende Entscheidungen über die du monatelang nachgedacht hast und dann war die große Entscheidung eine touristische Reise. Das hat mich halt gewundert.

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    1. Entschuldige für die Verwirrung. Ich versuche momentan meine Berichte über meine vergangene Reise durch Südamerika noch aufzuholen. Das hätte ich wohl besser anmerken sollen. Die Reise liegt bereits eineinhalb Jahre in der Vergangenheit. Der Beitrag zu der großen Entscheidung ist aktuell und betrifft eine Reise, die noch in der Zukunft liegt.

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      1. Aha, jetzt kenn ich mich aus 😉

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