Dass man in Chile sowohl die trockenste Wüste der Welt, als auch Zonen, in denen es ganzjährig regnet und schneit, findet, beweist mal wieder, wie lang dieses Land tatsächlich ist. Die Atacama Wüste zählt zu einer der extremsten und lebensfeindlichsten Regionen der Welt. Manche Teile haben noch nie Regen gesehen. Aber wer jetzt ein Bild von Sanddünen im Kopf hat, der hat sich getäuscht. Tatsächlich sind hier nicht nur eine große Fauna und Flor vorzufinden, sondern auch Bademöglichkeiten und schneebedeckte Vulkane. Und faszinierend sind vor allem auch die weiten Landschaften. Dimensionen, die ich mir als Europäerin zuvor kaum vorstellen konnte.

Die Anreise

Wenn ihr einen Trip in die Atacama Wüste plant, ist der klassische Ausgangspunkt für die meisten Touren San Pedro de Atacama. Die kleine Stadt liegt mitten in der Wüste und von hier sind die Hauptattraktionen gut erreichbar. Eine Studienkollegin und ich haben also einen Flug nach Calama gebucht, von wo man mit dem Bus ungefähr eine Stunde nach San Pedro fährt.

Gut, ganz so einfach war es dann doch nicht, vor allem weil wir wie immer mit kleinem Budget unterwegs waren. Meine Freundin und ich sind am zweiten Haupttag der Unabhängigkeitsfeiern „Fiestas Patrias“ abends von Santiago nach Calama geflogen. Da die letzten Busse nach San Pedro jedoch ungefähr gegen sechs Uhr abfahren, mussten wir mal wieder eine Nacht am Flughafen verbringen. Mittlerweile gehörte das ja schon zur Norm. Was wir nicht gedacht hätten: Nicht einmal Flughäfen sind in Chile eine Ausnahme für die im ganzen Land stattfindenden Feierlichkeiten.

Der Flughafen in Calama ist ein superkleiner Regionalairport, an dem es original ein Restaurant und ein Café gibt. Und in diesem besagten Café wurde in jener Nacht Party gemacht. Bei lauter Musik und Stimmengewirr, und dazu kam noch die Kälte im ganzen Gebäude, konnte man sich also nicht unbedingt gut erholen. Trotzdem haben wir die Nacht irgendwie überstanden (wir haben nicht mitgefeiert) und sind frühmorgens mit dem Uber ins Stadtzentrum zur Bushaltestelle gefahren. Und dann konnte der große Trip endlich beginnen.

Am Flughafen in Calama gibt es sogar Straßenhunde

Die Touren

San Pedro de Atacama ist eher mit einem Dorf zu vergleichen und an sich nicht wirklich sehenswert. Das einzig besondere an der Stadt ist eine einzelne Straße, in der ihr einfach alles findet. In dieser Hauptstraße reiht sich Tour Anbieter and Tour Anbieter, ein Büro nach dem anderen. Insgesamt locker um die fünfzig. Dazwischen findet man ein paar Souvenir-Läden mit ganz viel Kleidung aus Alpaka-Fell, ein paar Shops und Restaurants.

Die Hauptstraße von San Pedro de Atacama

Das Gute ist, für eure Reise in die Atacama Wüste müsst ihr eigentlich gar nicht viel vorausplanen. Geht einfach in eines der Büros, lasst euch beraten und euren ganz persönlichen Trip zusammenstellen. Die Verkäufer werden euch alle Optionen aufzählen und dann könnt ihr entscheiden, was ihr wann machen wollt. Je nachdem zu wie vielt ihr unterwegs seid, kann es sich auch auszahlen ein Auto zu mieten und die Wüste auf eigene Faust zu erkunden. Allerdings hat es natürlich schon seine Vorteile, wenn man mit einem sachkundigen Guide unterwegs ist, der einem die geographischen und historischen Geheimnisse dieses Ortes offenbart.

Die Unterkunft

Ganz allein in der weiten Wüste

Tag 1:

Nachdem wir am Nachmittag dann unser Tour Package gebucht hatten, ging es am Abend auch schon los auf unser erstes Wüsten-Abenteuer. Atacama ist nicht nur bekannt für die tolle Landschaft, sondern auch bedeutende Stätte für astronomische Beobachtungen. Deshalb findet man hier zahlreiche Observatorien. Die klare Luft und die geringe Lichtverschmutzung sorgen für optimale Konditionen zum „Sterndalschaun“. Wir sind also etwas aus der Stadt hinausgefahren und haben dort eine kleine Einführung in die Welt der Himmelskörper bekommen. Und da meine Freundin und ich die einzigen Nicht-Spanisch-Muttersprachler waren, haben wir sogar eine Privattour auf Englisch bekommen. Wir konnten verschiedene Arten von Sternen beziehungsweise mit unterschiedlicher Lebenszeit beobachten, sowie Planeten. Am faszinierendsten war jedoch, dass man sogar die Milchstraße mit freiem Auge sehen konnte!

Kleiner Blick auf den Sternenhimmel

Anschließend durften wir auch noch einen etwas näheren Blick auf den Mond und den Saturn durch ein Teleskop werfen. Zuletzt wurden mit einer Spezialkamera noch coole Fotos geschossen, auf denen man sogar die Milchstraße sehen kann. Das Ergebnis seht ihr hier:

Optimale Bedingungen zum „Sterndalschaun“

Vorbereitung ist alles

Untertags kann es in der Wüste zwar ganz schön heiß werden und es ist stets auf ausreichenden Sonnenschutz zu achten, da der UV-Index sehr hoch ist. Abends kühlt es jedoch schnell ab und es kann richtig ungemütlich werden. Deshalb solltet ihr ausreichend warme Kleidung in euren Koffer packen, Haube und Handschuhe inklusive. Sexy Zwiebellook ist angesagt.

Diese enorme Kälte kommt natürlich durch die klare Luft in der Wüste, aber auch durch die extreme Höhenlage. San Pedro de Atacama liegt bereits auf 2.400 Höhenmetern und manche Attraktionen liegen auf über 4.000. Auch wenn ihr aus dem österreichischen Bergland kommen solltet, ist das nicht zu unterschätzen. Schließlich ist unser höchster Berg nur knappe 3.700 m hoch. Solltet ihr also wissen, dass ihr anfällig für die Höhenkrankheit seid, bereitet euch lieber vor und stattet euch zum Beispiel mit Tabletten aus. Ich habe nur gemerkt, dass in dieser Höhenlage alles viel anstrengender ist und ich etwas kurzatmig war. Kleine Steigungen fühlen sich an, als würde man einen steilen Berg hinaufwandern. Außerdem hatte ich leichtes Nasenbluten, mehr aber auch nicht.

Tag 2:

Am Vormittag des zweiten Tages ging es für uns in das Valle del Arcoiris, übersetzt Regenbogen-Valley. Wie der Name sagt, findet man dort unterschiedliche Gesteinsarten, die bunte Gesteinsformationen bilden und an einen Regenbogen erinnern. Vor den Führungen durch die Landschaft gab es aber immer noch ein leckeres Frühstücksbuffet im Freien, mit Avocado, Baguette, Kakao und Blick auf die Wüste.

Buntes Gesteinsarten im Valle del Arcoiris

Der erste Kontakt mit der Wüste war natürlich bereits sehr beeindruckend. Abgesehen von den interessanten Gesteinsformationen haben wir auch zahlreiche Wand- und Höhlenmalereien entdeckt. Viele davon zeigten unterschiedliche Tiere oder andere Szenen.

Auf der Jadg oder schwingt er das Tanzbein?
Erkennt ihr das Lama?

Während der Fahrt haben wir außerdem auch schon das erste Lama gesichtet.

Unser erstes Wüsten-Lama

Kurze Erklärung: Lamas gehören eigentlich zur Gattung der Kamele. In Chile gibt es insgesamt vier verschiedene Arten: Lamas, Alpakas, Vicuñas und Guanacos, wobei man Guanacos eher in Argentinien antrifft. In Südamerika ist es zudem nicht unüblich, dass die zuckersüßen Tiere auch auf der Speisekarte stehen (da blutet mein Vegetarier-Herz). In Chile landen jedoch nur Lamas am Grill. Alpakas dienen als Quelle für Wolle. Vicuñas und Guanacos sind größer, stärker und schneller als die anderen zwei. Sie sind hierzulande geschützt und werden nicht als Nutztiere verwendet.

Bevor es um die Mittagszeit zurück nach San Pedro ging, legten wir noch einen kurzen Zwischenstopp bei den drei betenden Marien ein, eine weitere interessante Gesteinsformation.

Könnt ihr die drei betenden Marien erkennen?

Am Nachmittag stand auch schon der nächste Programmpunkt an. Wir fuhren in das näher gelegene Valle de la Luna – Mond Valley. Der Namen kommt von der Ähnlichkeit zur Landschaft auf dem Mond.

Eine Mondlandschaft auf Erden

Nach dem Mondspaziergang gab es einen Nachmittagssnack mit Pisco Sour und anschließend ging es zur letzten Attraktion für den Tag.

Unser Nachmittagssnack in der Wüste
Pisco Sour darf da natürlich nicht fehlen

Von einem schönen Aussichtspunkt hatten wir einen tollen Blick auf die Wüste und einen spektakulären Sonnenuntergang. Ein perfekter Ort für ein romatisches Date und wie ihr schon seht, viele tolle Fotospots 🙂

Tag 3:

Der dritte Tag sollte nämlich sogar noch früher losgehen. Heute stand der Gêiser del Tatio am Programm. Dadurch dass man Geysire bei Tageslicht nicht besonders gut sehen kann und die Anfahrt über eine Stunde dauerte, mussten wir schon sehr zeitig vor Sonnenaufgang los. Das war mitunter auch die kälteste Tour. Wirklich eisig. Aber extrem interessant und faszinierend zum Ansehen. Außerdem gibt es ein paar warme Stellen, an denen man sich aufwärmen konnte. Mit den ersten Sonnenstrahlen konnte man sich dann aber auch schnell von seiner obersten Kleidungsschicht befreien. Anschließend folgte wieder ein reichhaltiges Frühstück.

Sonnenaufgang am Gêiser del Tatio
Warm eingepackt haben wir uns den Hintern aufgewärmt

Nach den Geysiren sind wir zur nächsten Destination weitergefahren. Mitten in der Wüste befindet sich ein Mini-Dorf namens Machuca mit nur sehr wenigen Häusern, wo früher Ureinwohner gehaust haben. Heute dient es rein als Touristen-Attraktion. Sehenswert ist vor allem eine süße, kleine Kirche.

Wenige Gebäude …
… und eine süße, schöne Kirche
Die beste Empanada der Welt 😉
Oder alternativ auch Lama vom Grill 😦

Auf der Rückfahrt nach San Pedro konnten wir das erste mal Flamingos sehen. Die Atacama-Wüste ist wahrscheinlich einer der besten Orte in Südamerika um Flamingos in freier Wildbahn zu beobachten. Man findet hier nämlich einige Salz-Oasen, wo sich die Tiere besonders wohlfühlen. Außerdem machten wir einen kurzen Stopp, da wir die zweite Kamel-Art entdeckt haben. Die Vicuñas.

Erster Kontakt mit Flamingos …
… und Vicuñas

Am Nachmittag stand noch ein richtig cooler Ausflug bevor. Und zwar ging es zur Laguna Cejar, ein Salzsee, der einen höheren Salzgehalt als das Tote Meer aufweist. Und falls ihr schonmal vom Toten Meer gehört habt, dann wisst ihr wahrscheinlich auch, dass der hohe Salzgehalt es einem ermöglicht, förmlich auf dem Wasser zu schweben. Und genau deshalb waren wir hier, um diesen Effekt am eigenen Leib zu erleben. Obwohl das Wasser ziemlich kalt war und man danach wirklich überall Salz hatte, war das schon ein sehr einzigartiges Erlebnis.

Frische Abkühlung in der heißen Wüste

Tag 4:

Auch am letzten Tag ging es wieder früh los. Mit dem selben Tour-Guide wie am Vortag machten wir uns auf in Richtung Piedras Rojas. Ein Zwischenstopp zum Frühstücken und um ein kleines Valley zu besuchen, wurde eingelegt.

Ein schönes Valley ganz abseits vom Touristen-Trubel

Wie der Name Piedras Rojas sagt, findet man an diesem Ort rote Steine. Dabei handelt es sich um Vulkangestein, dass sich durch Oxidation des dort vorhandenen Eisens rot gefärbt hat. In der Atacama Wüste befinden sich nämlich zahlreiche Vulkane. Außerdem gibt es auch hier wieder eine große Lagune, in der man jedoch nicht schwimmen darf.

Durch Oxidation haben sich die Steine rot verfärbt
Bisschen sonnen lassen
Leider nicht für eine Abkühlung geeignet

Auf unserer Weiterfahrt entlang der Ruta del Desierto, der Wüsten-Rute, haben wir Trópico de Capricornio, den südlichen Wendekreis passiert. Hier soll der trockenste Ort der Atacama-Wüste und somit auch der Welt sein.

Am trockensten Ort auf Erden

Nachdem wir dort ein paar coole Fotos geschossen haben, ging es weiter zum Salar de Atacama, wo wir eine weitere Oase, die Laguna Chaxa besucht haben. Diese Salzlagune ist Heimatort vieler Flamingos und deshalb beliebte Touristen-Attraktion. Hier erfährt ihr auch, warum Flamingos eigentlich rosa sind.

Das war dann auch schon unser letzter Wüsten-Trip. Zurück in San Pedro gab es noch ein reichhaltiges Mittagessen mit Vorspeise und Hauptgang.

Außerdem ist es auch in San Pedro wieder überaus empfehlenswert, Chilenische Eiscreme zu probieren. Das Eis hier ist nicht nur super lecker, so wie fast überall im Lande, sondern es gibt auch sehr ausgefallene Eissorten. Pisco Sour, Quinoa mit Milch, Algarrobo (Johannisbrotbaum) und Coca-Blatt sind nur einige davon.

Tag 5:

Heute mussten wir uns leider auch schon wieder von der Wüste, dieser einzigartigen Landschaft und all den Tieren, verabschieden. Ein spektakulärer Trip ging zu Ende. Wir fuhren am Vormittag mit dem Bus wieder zurück nach Calama. Da wir jedoch noch Zeit hatten, schauten wir vor Abflug noch einen Film im Kino. Das wurde irgendwie zur Tradition zwischen meiner Studienkollegin und mir. Und da unser Spanisch noch nicht so gut war, entschieden wir uns für einen Horrorfilm. In dem Fall kann man der Storyline nämlich meist folgen, auch wenn man das Gesagte nicht versteht. Oder man ließt sich im Anschluss einfach die Zusammenfassung der Handlung auf Wikipedia durch 😉 Anschließend ging es zum Flughafen und zurück „nach Hause“.

Mein Fazit

Wenn ich euch mit meinen Erzählungen und vor allem den Fotos nicht davon überzeugen konnte, dass die Atacama-Wüste auf alle Fälle sehenswert ist, dann weiß ich auch nicht.

Wer einen Trip nach Chile plant, sollte den Besuch der Atacama Wüste auf gar keinen Fall auslassen. Egal was für ein Reise-Typ ihr seid und wo eure Interessen liegen. Denn dieser Ort ist schlicht und einfach faszinierend. Ich bin mittlerweile durch halb Südamerika gereist, und habe viele beeindruckende Destinationen besucht. Aber wenn ich mir Bilder und Videos von unseren Wüsten-Exkursionen anschaue, muss ich mir jedes Mal wieder eingestehen, dass andere Erlebnisse nur schwer mit diesem mithalten können.

Natürlich spielen bei so einer persönlichen Bewertung immer viele Faktoren mit. Wie bereits erwähnt war ich mehr als zufrieden mit der Reiseagentur, mit der wir unser Package gebucht haben. Diese Pakete sind zwar nicht sehr günstig, aber ich finde es rentiert sich total. Erst einmal ist vom Transport bis hin zum Essen mit täglichem Frühstück, Nachmittagssnacks und das Mittagessen am letzten Tag alles inkludiert. Außerdem profitiert man extrem von dem sachkundigen Wissen der Guides. Und allgemein reise ich extrem gerne mit Touren, da es immer eine tolle Möglichkeit ist, um neue Leute aus den verschiedensten Ländern kennenzulernen. Auf dieser Touren konnte ich mir zum Beispiel schon Tipps für meine Reise nach Argentinien, Peru und Kolumbien holen.

Dieses Abenteuer hat sich auch insofern von anderen unterschieden, dass ich mal nicht alleine unterwegs war. Auch wenn ich, wie die meisten wissen, meine Solo-Trips liebe, war es auch mal schön zu zweit unterwegs zu sein. Vor allem wenn man so eine tolle Reisebegleitung hat 🙂

In meinem nächsten Beitrag nehme ich euch mal wieder mit auf eine Reise in ein neues Land. Seid ihr gespannt? Bis dahin,

Bussi Baba!



Eine Antwort zu „Atacama – Schwimmen und Sterne schauen in der trockensten Wüste der Welt”.

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