Ob Stadtmensch oder Naturliebhaber – das Erkunden von Großstädten gehört zum Reisen, so wie Eisessen zum Sommer. Ich würde mich selbst ja eher zu den Outdoor-Freaks zählen und würde es deshalb auch definitiv bevorzugen, einen Tag in der Pampa herumzustapfen, anstatt von hohen Gebäuden, blinkenden Lichtern und dem täglichen Straßenlärm umgeben zu sein.

Und doch habe ich schon die ein oder andere Megastadt besucht – und habe es eigentlich nie bereut. Von europäischen Hauptstädten wie Bratislava, Budapest, Madrid und London bis hin zu lateinamerikanischen Zentren wie La Paz, Santiago de Chile, Bogotá und Lima. Von ein paar habe ich ja bereits auf meinem Blog berichtet.

Auch während meiner Lateinamerika-Reise habe ich zahlreiche Großstädte besucht (hier: Bogotá)

Großstädte bieten einfach ein immenses kulturelles Erbe. Während Stadttouren, Museumsbesuchen oder einem Spaziergang durch unterschiedliche Viertel und Gassen kann man extrem viel über Geschichte und Kultur erfahren.

Eine Reise nach Madrid hat mich zu diesem Beitrag inspiriert. Ich weiß – das Internet ist bereits voll von Tausenden von Blogbeiträgen zum Thema „Wie man Stadt XY am besten erkundet“. Online findet man Tipps wie: Buchen Sie Tickets im Voraus oder nehmen Sie an free tours teil, eine kostengünstige Alternative zu Stadtführungen. Mit meinen Tipps will ich euch jedoch helfen, das Beste aus jeder Stadt herauszuholen – egal ob Stadtmensch oder Naturliebhaber.

Take your time

Meiner Meinung nach der schlechteste Weg, eine Stadt zu erkunden? In kürzester Zeit so viel wie möglich sehen wollen.

Städtetrips sind oft genau so aufgebaut: Freitagabend hin, Sonntagabend zurück. Dazwischen ein sportliches 48-Stunden-Programm. Im Extremfall: morgens in eine nahgelegene Stadt fliegen und abends wieder heim. Das soll noch einer sagen, Reisen sei Urlaub.

Ich spreche da leider aus Erfahrung. Während meiner Interrailreise vor vier Jahren habe ich insgesamt acht Städte (plus drei Orte zum Wandern und Erholen) innerhalb eines Monats besucht – also rund zwei Tage pro Ort, wenn man die Zugfahrten bereits abgezogen hat. Kein Wunder also, dass ich am Ende nur noch müde und ausgelaugt war. Fast hätte ich Rom weggelassen, weil ich keine Lust mehr auf den ständigen Informationsüberfluss hatte.

Zum Glück bin ich dann doch noch nach Rom gefahren – eines meiner Interrail Highlights

Die logische Schlussfolgerung: Nimm dir mehr Zeit an einem Ort. So kannst du alles in Ruhe und ganz ohne Stress entdecken – und nachhaltiger ist es auch noch. Ich verstehe aber auch, dass das nicht immer geht. Arbeit, Beziehung, Kinder, Verpflichtungen … nicht jeder kann einfach so ein One-Way-Ticket nach Mexiko buchen 😉. Soll man sich dann Städtereisen komplett verbieten? Nein, natürlich nicht. Wenn es gerade nicht geht, den Trip um ein paar Tage zu verlängern, dann gilt halt eben: Weniger ist mehr.

Du musst nicht alles gesehen haben

Drei Blogs gelesen, einen Reiseführer durchgeblättert – und schon bist du stark überzeugt, während deines nächsten Städtetrips 15 Sehenswürdigkeiten, 30 Museen und 10 typische Restaurants abhaken zu müssen. In drei Tagen.

Ich nenne das ganze „Bucketlist-Tourismus“. Du weißt genau, was du gesehen und gemacht haben musst, verpasst dabei aber oft das eigentliche Erlebnis. Klar, du kannst danach sagen: „Ich war in allen Museen und habe Fotos mit jedem Monument!“ Aber hast du auch wirklich die Kultur gespürt? Ein Stück Alltag der Einheimischen mitbekommen?

Gut, vielleicht sind diese Einblicke für manche Menschen nicht so wichtig – was zählt, ist, sagen zu können: „Ich habe alles gesehen, keine FOMO mehr, kein Grund zurückzukehren.“ Und wenn das für einen selbst so funktioniert, dann ist das auch völlig in Ordnung.

Aber wenn dich Städtetrips gelegentlich stressen oder dich der ganze klassische Kram eher langweilt, dann pfeif doch mal auf das „Ich muss alles gesehen haben“.

Als mir eine Freundin erzählt hat, dass sie in Florenz kein einziges Museum besucht hat, war meine erste Reaktion: „Was?! Nicht mal in die Uffizien?!“ Für mich damals fast ein Verbrechen. Aber wisst ihr was? Sie lebt noch heute guten Gewissens in Freiheit 😅.

Florenz ohne Uffizien?!

Natürlich gibt es Orte, die man gesehen haben kann – Machu Picchu in Peru oder den Louvre in Paris.  Aber wenn es dich nicht interessiert, warum dich zwingen? Lieber zwei Museen und fünf Monumente, die dich wirklich ansprechen, statt alles durchzuhetzen.

Peru ohne Machu Picchu?!

Spätestens in Mexiko City, der Stadt mit den weltweit meisten Museen, muss auch ich wohl einen Gang zurückschalten.

Eigene Interessen in den Mittelpunkt

Ganz entscheidend: Kenne deine Interessen, berücksichtige deine Interessen – dann wird jeder Trip zur positiven Erfahrung.

Bei meinem ersten Madrid-Besuch während meiner Interrailreise ließ ich mich stark von Reiseberichten und Empfehlungen leiten: free tour, halber Tag im Prado, Spaziergang im Retiro, Stadtzentrum (und natürlich Churros 😉). Im Großen und Ganzen war mein Eindruck sehr positiv und ich dachte mir, dass ich gerne nochmal zurückkommen würde.

Fotoshooting im Parque del Retiro während meinem ersten Madrid Besuch

Und tatsächlich, vor kurzem war ich wieder dort. Statt Langerweile, weil ich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten bereits alle abgeklappert hatte, hatte ich aber sehr viel Freude daran, den Ort einmal von einer etwas anderen Seite kennenzulernen. Dieses Mal mit mehr Rücksicht auf meine persönlichen Vorlieben. Ich schlenderte stundenlang durch weniger bekannte Parks und entlang leerer Straßen, fotografierte, entspannte zwischendurch mal auf einer Parkbank, ließ mich vom Stadtleben treiben und entkam so den Touristenmassen.

Im Park Casa de Campo waren kaum Leute und schon gar keine Touristen

Wenn es nach meiner Nase gehen würde, würde ich mich auf eine Entdeckungsreise nach den besten Spots für die schönsten Ausblicke und atemberaubendsten Sonnenuntergänge begeben. Und natürlich dürfen die kulinarischen Spezialitäten nicht fehlen. In Madrid schlug ich mir den Magen voll mit Tortilla, Croquetas, Huevos Rotos und natürlich jeder Menge Churros. Zu meinem Glück hatte ich einen Freund als Guide, der bereits seit drei Wochen dort lebte und mir die besten Food-Spots zeigte.

Churros dürfen in Spanien natürlich nicht fehlen (zumindest bei Kulinarik-Liebhabern wie mir)

Im Alltag tanzen wir eh viel zu oft nach der Pfeife anderer. Auf Reisen darf es ruhig mal nach deiner Nase gehen. Vor allem beim Alleinreisen. Mit Begleitung sind Kompromisse wichtig – aber auch da sollten die eigenen Interessen nicht zu kurz kommen. Suche dir einfach den passenden Travel-Buddy 😉.

Kreative Elemente einbauen

Du möchtest so richtig in eine Kultur eintauchen und auch hinter die Kulissen blicken? Dann empfiehlt es sich selbst Hand anzulegen und deiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Töpfern, Tanzen, Malen, Kochen – je nach Stadt gibt es passende Angebote. In Buenos Aires Tango lernen oder in Florenz einen Malkurs besuchen – oder wie ich damals in Florenz: einen italienischen Kochkurs.

Wir haben Tiramisu, Pasta und Ravioli selbst zubereitet. Am Ende ging ich nicht nur mit einem tollen Erlebnis nach Hause, sondern auch mit neuen Skills, die ich wieder einsetzen kann – sehr zur Freude von Familie und Freunden, die sich natürlich über original italienisches Essen freuen werden.

Unsere selbstgemachte Pasta in Florenz

Diese kreativen Kurse bieten eine der besten Möglichkeiten um eine Stadt nicht nur passiv, also als Zuseher, sondern auch aktiv kennenzulernen und gleichzeitig mit Einheimischen in Kontakt zu treten. Die haben zudem auch die besten Tipps für deine Stadterkundung.

Dein Trip, deine Regeln

Letztendlich gibt es nur noch eines zu sagen: Erkunde Städte auf deine eigene Art und Weise. Hole dir Tipps von anderen, vor allem von Locals, aber entscheide selbst.

Und wenn du in Florenz warst, aber nicht die Uffizien besucht hast – ganz ehrlich: Who cares?

Bleib offen, lass dich überraschen, geh auch mal planlos los. Oft sind es gerade die unerwarteten Momente, die einen Städtetrip unvergesslich machen.

Und wenn ihr offen gegenüber heimischen Traditionen bleibt und mit einem Lächeln an den Tag tritt, bekommt ihr vielleicht auch den ein oder anderen Geheimtipp von einem Einheimischen 😊.

Und nun darfst du mir verraten: Wie gehst du Städtereisen an – eher geplant oder spontan? Hast du schon mal eine Sehenswürdigkeit absichtlich ausgelassen, obwohl sie eigentlich „Pflicht“ ist? Und was war dein schönster unerwarteter Moment auf einem Citytrip?

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