Während des Podcasts habe ich gemerkt, dass ich nicht ohne Grund einen Blog statt eines Podcasts gestartet habe. Im schriftlichen Zusammenfassen meiner Gedanken und Erlebnisse liegt eindeutig meine Stärke. Die mündliche Wiedergabe muss ich wohl noch etwas üben (bitte zählt nicht mit, wie oft ich die Worte „offen“ oder „Offenheit“ in der Folge erwähnt habe). Auf jeden Fall würde ich euch dennoch sehr ans Herz legen, euch das interessante Gespräch zwischen Anja und mir oder eine ihrer vielen anderen Podcast-Folgen anzuhören.

Jedenfalls habe ich das ganze als Anlass genommen, mir die Frage „Was bedeutet Reisen für dich?“ nochmals in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen. Und mein Geburtstag schien mir ein guter Tag für einen Beitrag, in dem ich erzähle, was mich eigentlich zum Reisen bewegt.

Reisen als Flucht? Nein, eher als Suche.

Erholung war 2023 das häufigste Reisemotiv der österreichischen Urlauber, gefolgt von Verwandten- und Bekanntenbesuche.

Erholung würde ich meine Reisen allerdings nicht gerade nennen. Und auch Verwandte oder Bekannte hatte ich damals in Lateinamerika leider noch keine.

„Ist Reisen für dich denn eine Flucht?“ Auch das wurde ich schon mehrfach gefragt. Aber mein Leben in Österreich läuft eigentlich ganz gut – kein Grund zur Flucht.

Wenn es also keine Erholung ist, kein Familienbesuch und auch keine Flucht – was ist es dann?

„We travel not to escape life. But for life not to escape us.”

Welt entdecken heißt Klischees hinterfragen

Ein naheliegender Grund fürs Reisen: Ich will die Welt entdecken. Aber nicht, um am Ende sagen zu können: „Ich habe alle Länder der Welt bereist“ oder „Ich habe die sieben Weltwunder gesehen“. Vielmehr geht es mir darum, echte Erfahrungen zu machen: In Chile Salsa tanzen zu lernen. Von einem Kolumbianer in einer Stunde die Geschichte seines Landes erklärt zu bekommen.

Welt entdecken bedeutet für mich auch, Vorurteile zu entlarven. In ganz Südamerika ist es immer heiß, alle Latinos sind immer super lebensfroh, in Kolumbien ist es gefährlich und bitte reise schon gar nicht allein nach Mexiko. Ob wir es in der Schule lernen, in den Nachrichten lesen, in den Sozialen Medien sehen oder es von anderen erzählt bekommen. Aber ich sage euch: Bitte, zieht keine Schlüsse über ein Land, bevor ihr nicht selbst dort wart.

Einige Klischees, die ich selbst über Süd- und Zentralamerika hatte, haben sich auch so bestätigt, während andere auf den Kopf gestellt wurden. In Kolumbien traf ich die herzlichsten und offensten Menschen überhaupt. In Chile isst man nicht erst um zehn Uhr zu Abend, sondern schon um sechs. Und nein, in ganz Südamerika ist es nicht immer sonnig und warm. Aber Lebensfreude? Die ist definitiv Teil der DNA der Latinos!

Lernen, wie es kein Schulbuch je könnte

Reisen bildet – und zwar ganz anders, als wenn man irgendein Schulbuch aufschlägt. Wenn dir ein Einheimischer die Geschichte der Inka erzählt, während du gerade Machu Picchu erkundest, bleibt definitiv mehr hängen als im Geschichtsunterricht. Das echte Leben ist und bleibt der beste Lehrer.

Beim Reisen lernt man fürs Leben. Dabei sind es nicht nur all die Fakten und Zahlen, Traditionen und Bräuche, die ich von meinen Reisen mitnehme. Das Reisen ist ein riesengroßer Lernprozess in sich. Vor allem wenn man alleine unterwegs ist, wird man eigentlich ständig vor neue Herausforderungen gestellt. Es beginnt bereits bei der Reisevorbereitung, wenn man sich um Dokumente, Versicherungen, Visum etc. kümmern muss. Und auch im Ausland werden immer wieder unerwartete Situationen aufkommen, in denen man schnell eine Lösung finden muss. Zum Beispiel weil man ohne Geld und Internet an einem Flughafen ohne Bankomaten und WiFi ankommt. Tag für Tag wird man gezwungen seine Komfortzone verlassen. Ob beim ersten Solo-Restaurantbesuch oder bei einer Vulkanwanderung, die einen an die körperlichen Grenzen bringt.

Aber keine Sorge: Ich will hier niemandem die Lust aufs Reisen beziehungsweise Alleinreisen nehmen. Ich will nur zeigen, was für ein riesiges Abenteuer euch erwartet. Denn eines ist sicher: Langweilig wird es bestimmt nicht.

Und eines hat mir das Reisen auch noch gelehrt: Es braucht nicht viel um glücklich zu sein.

Wer bin ich eigentlich?

Was ich am Reisen und vor allem Alleinreisen noch so schätze? Dass ich mal alles hinter mir lassen kann. In einem komplett neuen Umfeld bin ich frei von Erwartungen anderer und frei, Entscheidungen allein zu treffen.

Im gewohnten Umfeld spielen wir bestimmte Rollen: die gute Tochter, die hilfsbereite Nachbarin, die fleißige Studentin. Ich will damit nicht sagen, dass ich die österreichische Romi nicht mag. Trotzdem lässt mich oft das Gefühl nicht los, dass ich gewisse Erwartungen zu erfüllen habe. In derselben Atmosphäre kann es schwer fallen alte Gewohnheiten abzulegen und Veränderung einzuleiten.

Stellt euch vor: Ihr seid in einer komplett neuen Umgebung, in einem anderen Land oder sogar auf einem anderen Kontinent. Niemand kennt euch. Niemand weiß, wer oder wie ihr seid. Nun kann man sich fragen: Wer will ich denn eigentlich sein? Heute will ich mal die laute, lustige Romi sein, morgen lieber ruhig, gelassen. Beim Herumreisen kann man sich rein theoretisch an jeder Destination neu erfinden.

Meine Reise durch Lateinamerika hat mir die Möglichkeit gegeben, mich selbst nochmal neu kennenzulernen. Seiten an mir zu entdecken, die ich zuvor selbst noch nicht kannte. Mich zu fragen: Wer bin ich denn eigentlich?

Und ja, das kann auch Angst machen. Vor meiner Rückkehr wusste ich nicht so genau, ob ich noch die alte Romi war und wie andere reagieren würden, falls nicht. Aber wer dich liebt, nimmt dich auch wieder zurück, egal wie du dich verändert hast.

Vor allem aber habe ich auch sehr viel Selbstbewusstsein dazugewonnen. Früher habe ich sehr viel Wert daraufgelegt, was andere über mich denken oder von mir halten könnten. Eigene Fehler zu akzeptieren und über mich selbst zu lachen, fiel mir schwer. Erst durch meine Reisen fand ich überhaupt den Mut meine Reels auf Instagram zu posten und einen eigenen Blog zu starten.

Also was bedeutet Reisen jetzt für mich?

Darüber könnte ich wahrscheinlich ein ganzes Buch schreiben. Es kann nämlich ganz schön viel bedeuten. Aber kurz gesagt:

Reisen heißt für mich frei sein. Frei, die Welt mit eigenen Augen zu sehen. Frei, mich selbst neu zu entdecken. Frei, alte Muster loszulassen und neue Wege zu gehen.

Und jetzt zu dir: Was bedeutet Reisen für dich? Was zieht dich hinaus in die Welt?

Hör außerdem gern in meine Podcastfolge mit Anja rein, wenn du mehr über meine Reise durch Lateinamerika erfahren willst. Außerdem findet in ihrem Podcast Onewards ganz viele interessante Gespräche übers (Solo-)Reisen 😊

Links zum Podcast:

Bussi Baba!

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