Meine Reisegeschichten von Lateinamerika habe ich immer noch nicht ganz fertig erzählt. Wobei „noch nicht ganz“ eigentlich stark untertrieben ist, schließlich fehlt noch über die Hälfte. Vor ein paar Wochen habe ich euch bereits von meinem Abenteuer auf der Death Road berichtet. Nach meinem kurzen Abstecher nach Bolivien ging es für mich aber wieder zurück nach Peru. Mit Stopps in Arequipa, Huacachina und Paracas fuhr ich mit dem Bus die Küste hinauf bis nach Lima.

Die letzten Tage vor Weihnachten verbrachte ich also in der peruanischen Hauptstadt. Ich war schon sehr aufgeregt. Nicht nur, weil ich gespannt war, endlich die Stadt kennenzulernen, von der mir bereits andere Reisende erzählt hatten, sondern vor allem auch, weil mich dort mein persönlicher Guide erwartete.

Ich würde behaupten, dass Social Media ein Fluch und ein Segen zugleich ist – besonders auf Reisen. Instagram & Co erschweren es manchmal, einfach im Moment präsent zu sein, weil wir alles durch unsere Handykamera festhalten und mit anderen teilen wollen. Gleichzeitig wären manche Begegnungen ohne Social Media nie zustande gekommen.

So auch in diesem Fall. Als ich damals die ersten Tage in Peru unterwegs war, bekam ich eine Nachricht von einer Bekannten, die meine Instagram-Stories verfolgt hatte. Sie hatte vor ein paar Jahren ihr Auslandssemester in Lima gemacht und konnte mir nicht nur ein paar tolle Tipps geben, sondern leitete mir auch gleich den Kontakt zu Carlos weiter – einem Freund aus ihrer damaligen Zeit in Lima. Keine zwei Tage später schrieb er mir: „Wenn du in Lima bist, zeige ich dir die Stadt.“

Insta-Blind-Date Und Das Beste Essen Lateinamerikas

Am Abend des 21. Dezembers kam ich im The Secret Garden Hostel in Lima an, wo ich insgesamt drei Nächte blieb. Am nächsten Morgen erkundete ich zunächst alleine die Umgebung, bevor ich mich mittags im Parque Kenedy mit Carlos verabredete. Ich fühlte mich ein bisschen wie bei einem Blind Date. Wir hatten zwar geschrieben, aber ich wusste nicht genau, was mich erwartet. Meine Nervosität legte sich allerdings schnell, als ein sympathisch-wirkender, junger Peruaner auf mich zukam.

Ein schöner Park in Lima (Parque Kenedy) mit bunten Blumenbeeten in rot und weiß, wo einige Menschen spazieren gehen und die grüne Umgebung genießen.
Mein Blind Date traf ich im Parque Kenedy

Die Offenheit und Herzlichkeit von Latinos hat mich schon immer beeindruckt – und Carlos war da keine Ausnahme. Wir kamen sofort ins Gespräch und ich konnte endlich mal wieder mein Spanisch üben. In den letzten Wochen hatte ich mit anderen Reisenden viel Englisch oder Deutsch gesprochen.

Übrigens: Während man in Südamerika eher auf Straßenhunde trifft, dominieren in Lima die Straßenkatzen. Vor allem im Parque Kenedy werdet ihr mit Sicherheit einige entdecken.

Carlos und ich gingen gemeinsam Mittagessen, in ein Restaurant, in dem ich vermutlich das beste Essen meiner gesamten Mittel- und Südamerikareise gegessen habe: die Cevichería Barra Maretazo. Dort aß ich zum zweiten Mal in meinem Leben Ceviche und zum ersten Mal Causa – eine Art Törtchen aus Kartoffeln, Avocado und in unserem Fall Thunfisch. Außerdem: Arroz con Mariscos (Reis mit Meeresfrüchten) und Chicharrón de Camarón (frittierte Garnelen). Der Vorteil am gemeinsamen Reisen? Man kann viel mehr Essen bestellen und sich durchprobieren. Auf Empfehlung von Carlos genoss ich dazu meinen ersten frischen Maracujasaft, und fragte mich, warum ich den nicht schon viel früher probiert hatte.

Ein Teller mit verschiedenen peruanischen Gerichten, darunter Ceviche, Reis mit Meeresfrüchten, frittierte Garnelen, und ein Kartoffeltörtchen, serviert auf stilvollen Tellern.
Mein mit Abstand bestes Restaurant-Erlebnis in Lateinamerika

Das Essen hätte locker für vier gereicht, aber mein Fazit war klar: Ich war Hals über Kopf verliebt – in die peruanische Küche.

Mein Hostel lag in Miraflores – einem der sichereren Viertel Limas, in dem man auch bei Dunkelheit gut rausgehen kann. Wenn ihr eine Reise nach Lima plant, sucht euch am besten dort eine Unterkunft. Andere Stadtteile lassen sich gut mit dem Bus oder zu Fuß erreichen.

Blick auf die Küste von Lima mit einem Leuchtturm und einer Straße am Meer, umgeben von klippenartigen Felsen.
Miraflores liegt zudem direkt an der Küste

Wünsche auf der Seufzerbrücke

Auch Barranco, ein weiteres Viertel an der Küste, südlich von Miraflores, gilt als relativ sicher. Am zweiten Abend spazierten Carlos und ich dorthin. Barranco ist das Künstlerviertel Limas – mit einem schönen Hauptplatz, beeindruckender Architektur und der berühmten Puente de los Suspiros, der Seufzerbrücke. Der Legende nach darf man sich etwas wünschen, wenn man die Brücke beim ersten Besuch überquert, ohne zu atmen. Natürlich probierte ich es, und war erfolgreich – und ja, mein Wunsch ging natürlich in Erfüllung 😉

Nachtaufnahme des Küstenbereichs von Lima, Peru, mit beleuchteten Stadtlichtern und dem Meer im Vordergrund.
Entlang der Küste nach Barranco
Nachtaufnahme der Puente de los Suspiros in Barranco, Lima, mit dekorativem weihnachtlichem Lichterkranz und Passanten auf der Brücke.
Und zur Puente de los Deseos

Wir haben das Zentrum von Barranco zu Fuß erkundet und aßen in einem charmanten Café eine Kleinigkeit zu Abend. In diesem Stadtteil befinden sich zudem einige Bars und Clubs, wo das Nachtleben von Lima stattfindet.

Für uns ging es aber mit dem Bus zurück nach Miraflores, um uns auszuruhen. Am nächsten Tag stand auch schon mein persönliches Lima-Highlight an.

Mit Pisco im Blut durchs Centro Histórico

Mein Frühstück holte ich mir im Mercado Municipal Nro 1, einem typischen Markt in Miraflores. Später traf ich Carlos wieder und gemeinsam fuhren wir mit dem Bus ins Stadtzentrum.

Zu den klassischsten Sehenswürdigkeiten im Centro Histórico, dem Zentrum von Lima, zählen der Plaza de Armas de Lima, der Hauptplatz, und die Basílica y Convento de San Francisco, eine römisch-katholische Kirche und ein Kloster im Barockstil. Bevor wir uns aber so richtig ins Stadtleben stürzten, legten wir einen Stopp im Gran Hotel Bolívar ein. Laut Carlos gibt es dort nämlich den besten Pisco Sour der Stadt.

Blick auf den Plaza de Armas in Lima mit Palmen und historischen Gebäuden im Hintergrund.
Blick auf den Plaza de Armas

Pisco ist ein Weinbrand, der nur in bestimmten Regionen Perus und Chiles hergestellt werden darf. Es ist wie mit Champagner, der darf nur in der Champagne hergestellt werden. In beiden Ländern ist der Pisco zweifelslos extrem beliebt – ob als Piscola mit Cola oder klassisch als Pisco Sour mit Limettensaft, Zuckersirup, Eis und Eiweiß. Letzterer wird meist als Aperitif serviert.

Wir ignorierten die Uhrzeit (halb zwölf vormittags) und bestellten zwei Pisco Sour. Blöd nur: Unsere Mägen waren leer – und die Küche öffnete erst um zwölf. Als wir unsere Gläser zur Hälfte geleert hatten und die Gespräche langsam immer lustiger wurden, bestellten wir uns Tequeños – frittierte Käsesticks. Doch es war zu spät. Wir verließen das Hotel ungefähr um ein Uhr – leicht beschwipst und bestens gelaunt.

Zwei Gläser Pisco Sour auf einem Tisch in einem stilvollen Restaurant. Die Gläser sind elegant und enthalten einen schaumigen Cocktail, während im Hintergrund ein heller Raum mit Fenstern zu sehen ist.
Der beste Pisco Sour Limas
Ein Teller mit frittierten Tequeños, serviert mit einer cremigen Avocadosauce, und einem Glas Pisco Sour im Hintergrund, auf einem Tisch.
Und unsere Rettung

Was folgte, war die wohl lustigste Sightseeing-Tour meines Lebens. Mein Tipp: Falls euch Stadtbesichtigungen gelegentlich langweilen – ein Pisco Sour vor dem Mittagessen kann Wunder wirken 😉

Wir kicherten uns durch die Altstadt, tranken in einem Schokoladenladen noch einen Schokolikör hinterher und besuchten das Literaturmuseum Casa de la Literatura Peruana. Danach gönnten wir uns bei Churros Virgen Del Carmen laut Carlos die besten Churros der Welt (Spanien bleibt trotzdem ungeschlagen).

Eine Person steht in einem Raum mit grauen Pendelleuchten über dem Kopf. Im Hintergrund sind Schriftzüge und eine künstlerische Darstellung an der Wand zu sehen.
Ein lustiger Museumsbesuch
Eine Person steht in einem Museumsraum unter hängenden Lampen, die wie Hüte wirken, und hat eine amüsierte Miene.
Im Casa de la Literatura Peruana

Zum Abschluss schlenderten wir durch das lebendige Barrio Chino – Limas Chinatown. Hier findet man wirklich alles: Krimskrams, Straßenverkäufer die Welpen anbieten, asiatisches Street Food. Alleine hätte ich mich in dem Trubel vielleicht etwas unwohl gefühlt. Zum Glück hatte ich aber meinen einheimischen Guide zur Seite.

Ein Weihnachtsgeschenk an Mich Selbst

Nach dieser chaotisch-schönen Erkundung der Innenstadt machten wir uns wieder auf den Rückweg. Ich hatte nämlich noch ein Date mit dem Christkind. Da ich Weihnachten nicht Zuhause verbringen würde, schenkte ich mir selbst etwas: einen Termin im Tattoostudio. (Dass man davor und danach keinen Alkohol trinken sollte, habe ich an diesem Tag gepflegt ignoriert.)

Eine Person sitzt in einem großen, roten und weißen Weihnachtsstuhl vor einer festlich dekorierten Kulisse mit Weihnachtsbäumen, Geschenkspäckchen und Lichtern im Viertel Barranco in Lima, Peru.
Das Christkind brachte mir in diesem Jahr ein neues Tattoo

Pizza, Noch Mehr Pisco und Ein Letzter Tanz

Zum Abendessen gab es Pizza – angeblich die beste in ganz Lima: bei Slice Pizzeria. Carlos versprach viel (mit neapolitanischer Pizza jedoch nicht ganz zu vergleichen 😉).

Eine frisch gebackene Pizza belegt mit Tomaten, Oliven und Basilikum auf einem Holzbrett serviert.
Die angeblich beste Pizza in Lima

Und um meine letzte Nacht in Peru gebührend zu feiern, machten wir uns noch auf in eine Salsa-Bar. Salsa tanzen hatte ich bereits in Chile gelernt. Aber gegen Carlos, den Salsa-Profi, kam ich kaum an. Ich brauchte zuerst einen weiteren Pisco Sour, um mich dann doch noch auf die Tanzfläche zu wagen.

Eine lebhafte Tanzveranstaltung mit mehreren Paaren, die in einem Park tanzen, während eine Gruppe von Zuschauern auf Bänken sitzt und zuschaut.
Auch im Park wird Salsa getanzt

So lustig wie der Tag begonnen hatte, ging er auch zu Ende. Leider hieß es dann Abschied nehmen – obwohl ich gerne noch mehr Zeit mit Carlos in Lima verbracht hätte. Aber am nächsten Morgen ging es schon weiter: Hallo, Ecuador!

Diese Geschichte zeigt mir einmal mehr, warum ich Orte ungern miteinander vergleiche. Oft werde ich gefragt, wo es mir denn am besten gefallen hat. Aber darauf gibt es keine einfache Antwort. Jede Destination hinterlässt andere Eindrücke – abhängig von dem, was man erlebt und mit wem man es erlebt. Während jemand Lima vielleicht als laut, chaotisch oder unsicher erlebt, hatte ich dort eine wunderschöne Zeit (vor allem dank Carlos und dem ausgezeichneten Essen 😊).

Für mich steht fest: Wer nach Peru reist, sollte sich die Hauptstadt nicht entgehen lassen. Und wer weiß, vielleicht habt ihr ja auch das Glück, euren eigenen privaten Stadtführer zu finden 😉

Bussi Baba!

Schau dir auch meinen Insta-Beitrag zu Lima an:

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