Oxford Languages beschreibt Heimweh als „sehnsüchtiger Wunsch, zu Hause, in der Heimat zu sein“. Wer unter Heimweh leidet, vermisst meist den Ort, an dem man aufgewachsen ist oder lebt – mit allem, was wir damit in Verbindung bringen: Familie, Freunde, Haustiere, Essen, vertraute Routinen, Feste, Gerüche, Geräusche.
Für viele Reisende beschränkt sich die Bedeutung von „Zuhause“ aber nicht unbedingt auf diese Dinge. Wenn ich Zuhause als Gefühl beschreiben müsste, dann wäre es für mich ein Gefühl des Ankommens. Kennst du das, wenn du an bestimmten Orten oder mit bestimmten Personen einfach ganz du selbst sein kannst? Wenn du dich weder verstellen noch ein Blatt vor den Mund nehmen musst? Genau das bedeutet für mich Zuhause.
Während ich mir mit meiner Reise nach Südamerika einen großen Traum erfüllt habe, hat es doch gleichzeitig auch ziemlich wehgetan, meine Heimat hinter mir zu lassen.
Oft sagt man ja, dass man den Wert von etwas erst erkennt, wenn man es nicht mehr hat. Genau das wurde mir in den Tagen vor der Abreise sehr bewusst. Am tiefsten traf mich der Abschied von meinem Papa und meiner Schwester am Flughafen (meine Mama hat mich damals ja nach Chile begleitet). An diesem Nachmittag sind nicht nur bei mir die Tränen geflossen.
Nach dem Abschied folgte das Heimweh – in der klassischen Form, wie sie auch Oxford Languages beschreibt. Und dieses Heimweh hat mich immer mal wieder während meines Auslandsjahrs eingeholt. Aber selbst jetzt, wo ich längst wieder zurück in Österreich bin, kommt es manchmal wieder.
Es hat gedauert, bis ich das erste Mal so richtig in Südamerika angekommen bin. Circa drei Monate nach meiner Ankunft, nachdem ich den Abschiedsschmerz und den Liebeskummer nach einer beendeten Beziehung halbwegs überwunden hatte, hatte ich das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.
Das Heimweh war einer neuen Art von Traurigkeit gewichen: Dem Gedanken, dass das Semester in Chile bald vorbei sein würde. Während sich die ersten drei Monate wie Kaugummi gezogen hatten, verging der letzte Monat wie im Flug. In Chile habe ich viele neue Freundschaften geschlossen und in meiner Gastfamilie eine Art zweite Familie gefunden. Ein zweites Zuhause.
Vor allem während meiner Zeit in Costa Rica hatte ich deshalb oft Heimweh – nach Chile.
Nach meinem Austauschsemester in Chile bin ich für zwei Monate durch Südamerika gereist und war ziemlich „heimatlos“, während ich von einem Hostel zum nächste hüpfte. Dieses Freiheitsgefühl in mir war aber so stark, dass es sogar das Heimweh besiegt.
Als mich dann in Kolumbien meine Schwester besucht hat, kam mit ihr ein Stück Heimat zu mir zurück. Genauso schnell wie es kam, wurde es mir aber auch schon wieder genommen. Nach zwei gemeinsamen Wochen war der Abschied wieder genauso schwer wie damals am Flughafen in Wien.
In den ersten Wochen meines Aufenthalts in Costa Rica war das Heimweh – nach Österreich und Chile – wieder besonders präsent. Gerade wenn mal nicht alles glattläuft, wünscht man sich umso mehr ein Stück Zuhause herbei. Irgendwo, wo man ankommen und ganz man selbst sein kann. Obwohl meine Kolleginnen und Kollegen superlieb waren, hat mich das während meines Praktikums etwas Kraft gekostet.
Ungefähr zwei Monate später bin ich dann für ein paar Tage nach Nicaragua gefahren. Während eines Yoga Retreats in San Juan del Sur habe ich erstmals erlebt, dass es manchmal nur ein paar Stunden braucht, um an einem Ort ein Gefühl von Zuhause zu entwickeln.
Die anderen Gäste sowie die Yogalehrerinnen waren so herzlich und offen, dass ich mich sofort willkommen gefühlt habe und ankommen konnte. Am zweiten Abend konnte ich mich einer anderen Teilnehmerin sogar so weit öffnen, dass ich in ihren Armen geweint habe.
Ich habe das Retreat nur sehr ungerne verlassen. Es folgte erneut Heimweh. Gleichzeitig entwickelte sich eine Vorfreude auf die nächsten Reisen, in der Hoffnung, dort wieder ein Stückchen Heimat zu finden.
Und tatsächlich: Auch in den nächsten Destinationen, die ich meistens an meinen freien Wochenenden erkundete, traf ich auf Orte und Menschen, die sich ein bisschen nach Zuhause anfühlten – ob in einer Eco-Lodge, die von einer Österreicherin geführt wurde, oder bei einer herausfordernden Vulkanwanderung mit unglaublich sympathischen Leuten. In La Fortuna (Costa Rica) war ich zum Beispiel in einem so coolen Hostel mit so lieben Menschen, dass ich nach zwei Nächten am liebsten noch eine Woche drangehängt hätte.
Es kam mir vor, als würde ich – je länger ich von Österreich weg war und je mehr ich reiste – Menschen und Orte immer schneller in mein Herz schließen. Und mit jedem Mal fiel der Abschied etwas schwerer.
Etwa zwei Monate vor meiner Rückreise nach Österreich lernte ich dann eine junge Belgierin kennen, die am selben Ort wie ich ihr Praktikum machte. Wir haben uns auf Anhieb supergut verstanden.
An unserem ersten gemeinsamen Nachmittag saßen wir in San José (Costa Rica) mit französischem Käse und Glühwein. Wir haben richtig viel miteinander gelacht und ich hatte das Gefühl, endlich wieder richtig ankommen zu dürfen. Für diese zwei Monate war sie nicht nur eine gute Freundin, sondern auch der Inbegriff von Zuhause für mich. Mit meiner Heimreise musste ich dann aber auch von ihr Abschied nehmen.
Ich dachte immer, es sei Fernweh, mit dem ich vor allem in den ersten Wochen nach meiner Rückkehr zu kämpfen hatte. Heute weiß ich: Es war – und ist noch immer – vor allem Heimweh. Ein sehnsüchtiger Wunsch, an all den Orten und bei all den Menschen zu sein, bei denen ich ein Stück Zuhause gefunden habe.
Auch während den letzten Monaten in Österreich habe ich wieder Menschen kennengelernt und Freunde gefunden, die ich sehr schnell in mein Herz geschlossen habe, nur um mich wieder verabschieden zu müssen.
Manchmal ist es schwer zu akzeptieren, dass sich manche Wege eben nur kurz kreuzen. Man könnte das Gefühl im Anschluss Abschiedsschmerz oder Liebeskummer nennen. Aber ich mag den Begriff Heimweh lieber. Weil er beschreibt, dass wir in jemandem oder an einem Ort ein Stück Zuhause, ein Gefühl des Ankommens, des Ganz-man-selbst-Seins gefunden haben.
Deshalb ist das Reisen für mich ein Segen und ein Fluch zugleich. Denn ganz egal, wohin ich nun gehe – ob ich in Österreich bleibe oder wieder aufbreche: Das Heimweh wird mein ewiger Begleiter sein.
Heimweh fühlt sich wohl für jeden ein bisschen anders an. Für mich ist es der Wunsch, wieder bei Menschen oder an Orten zu sein, die mir das Gefühl geben, ganz ich selbst sein zu können.
Was bedeutet Heimweh für dich? Und was ist für dich „Zuhause“ – hast du es vielleicht auch schon mal auf einer Reise gefunden? Ich würde mich freuen, wenn ihr eure Gedanken und Erfahrungen mit mir teilt. 😊
Bussi Baba!


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