Keinen Plan zu haben, bedeutete für mich früher puren Stress. Planlos durch die Gegend zu stapfen fühlte sich an, als hätte man mir den Boden unter den Füßen weggezogen – unsicher und instabil. Erst wenn ich wieder etwas Festes in der Hand hielt oder zumindest eine klare Idee vor Augen hatte, konnte ich richtig durchatmen.
Zum Beispiel hat es mich extrem gestresst, als ich nach meinem Schulabschluss noch nicht genau wusste, in welche Richtung es weitergehen sollte. Genauso ging es mir auch jetzt wieder, während meines letzten Studienjahres. Dabei hat mich das Reisen eigentlich gelehrt, dass es manchmal besser ist, keinen Plan zu haben.
Ein Gefühl von Sicherheit
Als ich damals in Chile ankam, hatte ich noch keine genaue Vorstellung davon, wie ich mein Auslandssemester verbringen würde. Ich hatte mir vorher ein paar Tipps von einer Freundin geholt, aber der Reiseführer lag noch unangetastet auf dem Nachttisch. Nach den ersten Wochen des Ankommens begann ich aber schon, die ersten Listen zu schreiben: Orte, die ich besuchen wollte, Tage, an denen ich reisen wollte, Essen, das ich probieren musste, und vieles mehr.
Als sehr routinierter Mensch liebe ich es, Pläne zu schmieden und Listen zu schreiben. Genauso war es auch vor meiner zweimonatigen Südamerika-Reise. Ich erstellte mir eine Route, kaufte Flug- und Bustickets und buchte die ersten Unterkünfte und Touren. Das gab mir ein gewisses Gefühl von Sicherheit. Auch meine Eltern, die zuhause im fernen Österreich auf meine Rückkehr warteten, waren natürlich froh, dass sie zumindest ein bisschen mitverfolgen konnten, wo ich mich gerade aufhielt, und dass ich nicht ganz planlos in Südamerika herumschwirrte.
Es war bestimmt auch keine schlechte Idee, sich als einundzwanzigjähriges Mädchen allein in Südamerika vorher ein paar Infos einzuholen. So wusste ich zumindest meist im Vorhinein, welche Orte sich gut fürs Solo-Reisen eigneten und wo man lieber nicht hinsollte.
Wenn spontane Momente zu den schönsten werden
Im Nachhinein habe ich es trotzdem ein bisschen bereut, dass meine Reisen so durchgetaktet waren. Für Spontanität bleibt dann nur begrenzt Platz.
Aber gerade diese spontanen Momente sind oft die, aus denen die schönsten Erinnerungen entstehen.
Während meines Praktikums in Costa Rica verbrachte ich ein Wochenende in La Fortuna, beim Arenal-Vulkan. Es gibt viele Wanderungen zum Vulkan, allerdings keine auf die Spitze – das ist nämlich seit längerer Zeit nicht mehr legal möglich. Abenteuerlustige Wanderer wagen es dennoch manchmal, den Vulkan über Nacht zu besteigen, um von oben den Sonnenaufgang zu genießen.
In meinem Hostel lernte ich damals einen etwas älteren Reisenden kennen, der mir von seinem Plan erzählte, am nächsten Abend den Vulkan zu besteigen. Leider hatte ich aber bereits mein Rückreiseticket nach San José gebucht. Außerdem musste ich am nächsten Tag wieder arbeiten.
Hätte ich ein bisschen mehr Zeit und Spontanität mitgebracht, wäre ich sofort dabei gewesen. Rein rechtlich gesehen war es natürlich besser, dass ich leider nicht mitkommen konnte 😉

Andersherum habe ich in Ecuador eine sehr positive Erfahrung gemacht. Als ich damals von Lima nach Quito flog, der Hauptstadt Ecuadors, wusste ich nur, dass ich ungefähr eine Woche Zeit hatte, um die Stadt beziehungsweise das Land zu erkunden. Ich buchte die ersten Nächte in einem Hostel in Quito und ließ den Rest auf mich zukommen.
Als ich am 24. Dezember dort ankam, entdeckte ich in der Unterkunft einen Flyer mit Touren in den ecuadorianischen Amazonas. Da ich sowieso unbedingt in den Regenwald wollte, überlegte ich nicht lange. Ich buchte am 25. Dezember meinen Platz – und am selben Tag ging es auch schon los. Vier Tage Amazonas, ohne Internetverbindung, fern von jeglicher Zivilisation.
Manchmal kann kein Plan eben auch ein guter Plan sein.

Flexibilität ist manchmal notwendig
Manchmal ist es also gut, sich seine Optionen offenzuhalten. Außerdem merkt man irgendwann: Man kann sowieso nie alles vorausplanen. Als ich damals auf meiner Busreise von La Paz zurück nach Arequipa (Peru) krank wurde, musste ich spontan umplanen und einen Tag lang im Bett verbringen. Manchmal ist es also sogar notwendig, flexibel zu bleiben.
Wenn mich heute jemand fragt, was mein Plan ist oder was ich in Mexiko machen werde, ist es mir oft unangenehm zu sagen: „Ich habe noch keinen wirklichen Plan.“ Die Reaktionen sind meistens sehr verwundert. „Du musst doch irgendeinen Plan haben?“
Dann erzähle ich, dass ich nach Mexico City fliege, dort ein paar Tage verbringe und danach einen Freund besuchen werde. Damit sind die meisten dann zumindest halbwegs zufriedengestellt.
Spontanität kann man lernen
Aber ich kann es niemandem übelnehmen – früher hätte ich wahrscheinlich genauso reagiert. Die meisten Menschen bevorzugen einen klaren Plan. Keinen Plan zu haben bedeutet für viele Zukunfts- oder Existenzängste, Unsicherheit oder Kontrollverlust.
Aber: Ich bin der lebende Beweis, dass sich Spontanität erlernen lässt.
Und wenn wir ganz ehrlich sind: Man kann sowieso nie alles im Leben vorausplanen. Was, wenn du morgen zufällig ein Angebot für deinen Traumjob auf Hawaii bekommst? Was, wenn du übermorgen im Lotto gewinnst? Was, wenn du dich nächste Woche im Urlaub Hals über Kopf verliebst? Was, wenn du plötzlich krank wirst – oder das Schicksal dich anderweitig herausfordert?
Das sind alles Dinge, die wir nicht wissen oder kontrollieren können. Manchmal nimmt das Leben einfach seinen eigenen Lauf. Und was bringt es dann noch, dagegen anzukämpfen? Manchmal sollten wir es einfach annehmen.
Das Leben passiert jetzt
Das Reisen hat mich gelehrt: Man muss nicht immer alles wissen.
Manchmal ist es genau das Ungewisse, das uns wachsen lässt oder uns die einzigartigsten Erlebnisse beschert.
Wenn wir immer alles durchplanen, laufen wir Gefahr, das eigentliche Leben zu verpassen.
Erst wenn wir unser Schicksal akzeptieren, können wir das Reisen – und unser Leben – in vollen Zügen genießen.
Keine Sorge, ich will dir nicht sagen, dass du jetzt alle deine Pläne über Bord werfen sollst. Pläne können gut und wichtig sein, vor allem, wenn du auf ein konkretes Ziel hinarbeitest. Aber vergiss dabei nicht, die Dinge zu genießen, die ganz spontan und unerwartet passieren.
Wie ist das bei dir – planst du lieber alles im Voraus oder lässt du dich gerne treiben? Schreib’s mir in die Kommentare!
Bussi Baba!
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