Ein paar Wochen. Dann ist mein Studium offiziell vorbei. Obwohl das manchmal noch sehr surreal wirkt, ist es gleichzeitig sehr präsent. Doch wie geht es mir in dieser Phase zwischen Abschied und Neuanfang? Spoiler Alert: Es ist ein Auf und Ab – aber das ist auch okay so.
Bussi Baba Winter
Der Winterschlaf ist zu Ende. So begibt sich auch Kälte-Muffel Nummer Eins wieder aus ihrer Höhle und genießt die ersten Sommertemperaturen. Die Haut nimmt langsam wieder Farbe an, wenn auch noch weit entfernt von dem Braun von vor einem Jahr (das in Lateinamerika übrigens immer noch als „weiß“ galt – dort bin ich angeblich sogar blond). Und die ersten warmen Sonnenstrahlen lassen zum Glück auch die halbjährliche Winterdepression abklingen.

Meine Studiengangsleitung würde sich freuen, wenn ich die neu gewonnene Energie in die Vorbereitung für das Abschlussexamen stecken würde – und nicht in persönliche Angelegenheiten. Aber mein Tatendrang reicht momentan aus, um gleichzeitig für Prüfungen zu lernen, Geld zu verdienen, meiner Website ein kleines Refresh zu verpassen und neue Beiträge zu schreiben. Zumindest diesen einen, an dem ich zugegeben ungefähr zwei Monate gearbeitet habe.
Das Einzige, was ab und zu ein bisschen zu kurz kommt, ist mein Sozialleben. Besonders in stressigen Zeiten ist mir meine Me-Time aber sehr heilig. Umso mehr Energie habe ich dann für gelegentliche Treffen mit Freunden und Familie – und das ein oder andere Date.
Zwischen Routine und Realitätscheck
Meine Freundinnen aus dem Studium sind oft verwundert, woher ich diese Energie eigentlich nehme. Neben Me-Time und warmem Wetter spielt da auch meine regelmäßige Routine eine große Rolle, die ich trotz eines eher unregelmäßigen Stundenplans irgendwie beibehalten konnte.
Meine derzeitig größte Priorität? Täglicher achtstündiger Schlaf. Während meine Studienkolleginnen nicht selten mal eine Nachtschicht einlegen, wünsche ich ihnen fast jede Nacht um Punkt zehn Uhr eine gute Nacht. Sollte ich dann doch mal länger auf oder aus sein, sind die drei gleich ganz verwundert – und ich am nächsten Tag möglicherweise schlecht gelaunt.

Richtig erstaunt war ich selbst erst, als ich vor ein paar Wochen mal wieder bei meinen Eltern war und mich auf die Waage stellte. Großer Fehler. Verzweifelt musste ich nämlich feststellen, dass die zu engen Hosen nicht gelogen haben. Ich habe scheinbar doch ein paar Kilo zugelegt, seit meine Ernährung wieder auf „österreichisch“ umgestellt wurde.
Vielleicht liegt es auch am Stress und der vielen Schokolade als Gegenmittel – oder es ist noch der gute alte Winterspeck. Schließlich musste ich mich ja irgendwie vor der eisigen Kälte schützen. Währenddessen haben sich all die Riesenportionen Reis mit Bohnen in Lateinamerika überhaupt nicht auf mein Gewicht ausgewirkt. Nach einem Jahr bin ich mit genau denselben Maßen zurückgekehrt, mit denen ich losgeflogen war. Auch irgendwie bewundernswert. Vielleicht lügen die Hosen ja doch. Und die Waage.
Vorsichtshalber habe ich aber trotzdem einmal „ausreichend Bewegung“ und „weniger Schoki“ auf meine To-Do Liste gesetzt. Das steht jetzt irgendwo zwischen „Stress reduzieren“ und „acht Stunden Schlaf“.


Ein Ende in Sicht
Weil jeder Stress aber auch einmal ein Ende nimmt, geht es nach der hoffentlich bestanden Bachelorprüfung im Juni dann endlich auf die wohlverdiente Bachelorreise. Mit meinen Mädels wird das bestimmt ein riesiger Spaß. Ausnahmsweise mal kein Solo-Trip. Sommer, Sonne, Meer – was will man mehr? Und das bringt mir dann auch die nötige Motivation zum Lernen für die Prüfung.
Um mein Reisebudget etwas aufzubessern – und dabei auch noch etwas Gutes zu tun – lasse ich mir nun einmal die Woche Blut abzapfen. Genau genommen spende ich Plasma. Mit jeder Spende bekommt man eine kleine Entschädigung und wird gleichzeitig zum Lebensretter. Also ab ins Plasmazentrum – zumindest für alle, die Blut und Spritzen sehen können.
So viel zu meinem derzeitigen superspannenden Leben. Eine augenöffnende Meditation hat mich übrigens nicht dazu gebracht, Spenderin zu werden oder etwa meinen Schlaf zu priorisieren, sondern hat geholfen, eine noch viel entscheidendere Frage zu beantworten.
Der Kopf voller Fragen und Zweifel
Seit meiner Rückkehr aus Lateinamerika Ende Juli 2024 hatte ich sehr viel Zeit zum Nachdenken. Eine Entscheidung wollte ich trotzdem lange nicht treffen. Ich habe mir wirklich alle möglichen Optionen offengelassen. Hätte man mich einmal pro Woche gefragt, was ich nach dem Studium machen möchte – ich hätte wahrscheinlich jedes Mal eine andere Antwort gegeben.
Ein Masterstudium? Oder doch Arbeiten und Geld verdienen? Nochmal verreisen – das stand natürlich auch ganz oben auf der Liste. Vielleicht auch eine Fortbildung machen, einen zweiten Bachelor beginnen oder doch im Ausland studieren oder arbeiten.
Ein halbes Jahr gab es kaum einen Moment, in dem ich einfach mal an nichts denken konnte. Wenn ich nicht mit täglichen Pflichten beschäftigt war oder mich irgendwie ablenkte, war mein Kopf voller Fragen und Zweifel.

Ein Meditationskurs und die große Erleuchtung
Was dann wohl dazu geführt hat, dass ich Anfang März einen Meditationskurs aufgesucht habe. Ein dreitägiger Intensivworkshop sollte Abhilfe schaffen. Der Organisator versprach uns gleich am ersten Tag nach erfolgreicher Absolvierung die Erleuchtung. Der Kurs war gratis, also hatte ich nichts zu verlieren.
Und tatsächlich habe ich mich am letzten Tag auf irgendeine spirituelle Art und Weise erleuchtet gefühlt – oder ich habe es mir zumindest eingeredet. Vielleicht wusste ich die Antwort auch schon längst und brauchte nur den letzten Schubs in die richtige Richtung. Jedenfalls habe ich gleich am nächsten Tag meinen Laptop gepackt, gesucht und gefunden – und gebucht.
„Du bist schwanger“
Am darauffolgenden Tag sollten meine Freundinnen aus dem Studium die Ersten sein, denen ich face to face von den Neuigkeiten erzählen würde. Ich habe bis zum Unterrichtsende gewartet und stand dann mit zitternden Knien vor ihnen, als ich gestand, dass ich ihnen noch etwas erzählen müsse.
„Du bist schwanger.“ – war tatsächlich die erste Reaktion. Tipp zwei: „Du hast einen Freund.“ Und Tipp drei dann doch: „Wo geht es hin?!“.
Als ich schließlich auch meinen Eltern, meiner Schwester und weiteren Freunden von der Entscheidung erzählt habe, habe ich schnell gemerkt, dass die Überraschung überraschend klein war. Ich hatte mit schockierten Gesichtern gerechnet, bin aber eher auf Mitgefühl und Vorfreude gestoßen – oder eben auf ein bisschen weniger Freude, dafür Angst, Sorge und Trauer, wie bei meinem Papa.
Aber während ich mich ein halbes Jahr davor gedrückt habe, diese Entscheidung endlich zu treffen, wussten es alle anderen scheinbar schon längst. Hätte mir die Entscheidung doch einfach einer von ihnen abnehmen können…
Planlos – aber nicht ziellos
Aber ich habe im Endeffekt auf meine Seele gehört und die Entscheidung ganz allein getroffen, als ich – ohne jemandem davon zu erzählen – nach langer Überlegung, aber dann doch recht spontan, ein Ticket nach Mexiko gebucht habe. One-Way.
Was dann dort mein Plan ist? Keinen Plan zu haben. Einfach mal mit etwas mehr Spontanität und ohne Zeitdruck in die nächste Reise starten.
Life starts where plans end.
Das ist das derzeitige Motto für diese Reise. Aber es geht erst Anfang Oktober los. Also noch genügend Zeit, um meine Entscheidung doch noch zu bereuen.
Die Kunst, Entscheidungen zu treffen
Seit meinem intensiven Mediationskurs und der endgültigen Entscheidung sind beinahe wieder zwei Monate um. Schon verrückt, wie schnell die Zeit vergeht. Und es gibt Tage, an denen ich immer noch die Alternativen abwäge.
Vielleicht wäre doch ein Masterstudium die bessere Wahl gewesen. In diesen Momenten bin ich umso froher, dass das Ticket schon gebucht ist. Kein zurück mehr. Es gibt keinen Tag, an dem ich meine Entscheidung bereue.

Das Leben ist im Endeffekt nicht mehr als eine Aneinanderreihung von Entscheidungen. Und abhängig davon, wie wir uns in der Vergangenheit entschieden haben – und wie wir uns heute entscheiden – wird unsere Zukunft etwas anders aussehen.
Deshalb gibt es auch keine „falschen“ Entscheidungen. Es gibt kein „vom Weg abkommen“. Denn es gibt nicht den einen Weg, sondern hunderttausend verschiedene Möglichkeiten, die vielleicht alle zu unterschiedlichen Resultaten führen, aber jede Menge wertvolle Erfahrungen mit sich bringen werden.
Also: Nimm dir Zeit. Triff deine Entscheidung. Aber lass dich nicht von der Angst aufhalten, die falsche zu treffen. Manchmal muss man auch einfach losgehen, um herauszufinden, ob der Weg passt. Und falls nicht? Dann ist das auch okay!
You are the author of your own life. Don’t let anyone else write your story.
Du darfst zweifeln. Und du darfst trotzdem losgehen.
Vielleicht geht es dir ähnlich? Vielleicht stehst du auch gerade vor Entscheidungen, bei denen du nicht weißt, ob sie richtig sind. Aber keine Angst: Du musst und kannst nicht alles wissen. Du darfst zweifeln. Und du darfst trotzdem losgehen.


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