Long time no seen. Wann habe ich meinen letzten Beitrag veröffentlicht? Vor knapp einem halben Jahr? Naja, manchmal spielt einem das Leben einfach nicht ganz in die Karten, und Aktivitäten, denen man eigentlich gerne nachgeht, werden plötzlich vernachlässigt. Vielleicht habe ich es auch unterbewusst vermieden zu schreiben. Manchmal fällt es mir gar nicht so leicht, die alten Erinnerungen wieder aufleben zu lassen. Dann wird mir erst wieder richtig bewusst, dass diese Reise längst zu Ende ist. Vor ein paar Tagen hatte ich jedoch den Gedanken, dass sie das ja eigentlich gar nicht ist.
Denn wo fängt die Reise eigentlich an? Und wo hört sie auf? Warum glauben wir, dass wir nach einem Urlaub in die „Realität“ zurückkehren müssen? Ist die Reise nicht Teil des echten Lebens? Im Endeffekt ist das Leben doch eine Reise in sich. Oder nicht?
Ich dachte es wäre mal wieder an der Zeit, meine philosophische Seite etwas ausleben zu lassen. Deshalb möchte ich euch heute auf eine kleine Gedankenreise mitnehmen.
Wo geht die Reise hin?
Die ersten Fragen, die man sich bei der Planung einer Reise stellt, sind wahrscheinlich: Was ist die Destination? Wo möchte ich hin? Oder auch: Wo möchte ich definitiv nicht hin?
Vor meinem Auslandsjahr war mir klar, dass ich unbedingt nach Südamerika will. Dafür gab es einige Beweggründe, wie das Üben der Sprache, eine Faszination für die Kultur und mein Interesse an dem Lebensstil. Allerdings war es auch einfach ein Bauchgefühl, das mir sagte, dass Lateinamerika meine nächste Destination sein soll.
Nicht immer sind wir uns so sicher mit unserem nächsten Reiseziel. Schließlich gibt es so viele Orte auf der Welt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und manchmal kann man sich einfach nicht entscheiden. Weil man keine rationale Begründung finden kann oder nicht genau weiß, was das Bauchgefühl einem sagen möchte. Oder man hat ein Wunschziel, das momentan jedoch nicht erreichbar scheint.
Genauso ist es ja auch oft im Leben (zumindest in meinem). Während meiner Zeit in Südamerika habe ich mir geschworen, dass ich einfach mal den gegenwärtigen Moment genießen werde. Nun bin ich aber wieder zurück in Österreich und in meinem letzten Studienjahr, und die große Zukunftsfrage ist präsenter denn je. Im Moment zu bleiben, ist da gar nicht so einfach. Als wären die Prüfungen, Uni-Projekte und soziale Events nicht schon genug. Dann stressen einen noch zusätzlich die Gedanken über die Zukunft. Wo soll meine Reise hingehen?
Mit wem verreise ich?
Dann ist natürlich auch wichtig abzuklären, wen man mitnimmt. Verreist man mit seiner Familie, Freunden, dem Partner oder der Partnerin oder aber doch allein? Die Frage ist nicht nur, wen man selbst mit dabeihaben möchte, sondern auch wer von sich aus mitkommen will.
Wenn man gemeinsam mit anderen verreist, ist es oft gar nicht so einfach auf denselben Nenner zu kommen. Es ist wichtig Kompromisse eingehen zu können und auch mal Abstriche zu machen. Eine Person, die man vielleicht sehr gerne hat, kann oftmals ganz andere Destinationen anstreben und Interessen vertreten. Und dann muss man sich fragen, ob das die richtige Person für Meine Reise ist. Schließlich darf man nicht vergessen, dass man selbst die Wahl hat, wen man mitnimmt, und wen nicht.
Dann gibt es auch noch Weg-Bekanntschaften. Dieses Jahr hat mir sehr viele schöne neue Begegnungen geschenkt. Oft waren es nur kurze Reisebekanntschaften, die mir innerhalb von wenigen Tagen oder gar Stunden sehr ans Herz gewachsen sind (ich trauere immer noch ein bisschen meiner großen Hostel-Liebe-auf-den-ersten-Blick nach :(). Manchmal waren es aber auch längere Wegbegleiter. Leider musste ich vielen bald wieder Lebewohl sagen, was mir gar nicht immer so leichtgefallen ist. Und trotzdem bin dankbar, dass ich diese Menschen kennenlernen durfte. Abschiede müssen nicht nur mit negativen Gefühlen verbunden sein. Vergiss nicht, was du mit dieser Person alles erleben durftest.
Im Laufe des Lebens werden sich die Wege zweier Menschen kreuzen und wieder trennen. Am Ende wird die Zeit zeigen, welche Menschen bleiben und welche nicht. Denn natürlich werden ausgewählte Personen noch mehr Zeit an deiner Seite verbringen.
Verreist man alleine, wird man sich hingegen auch oft mal einsam fühlen. Aber dafür bekommt man die Möglichkeit sich sehr gut selbst kennenzulernen.
Was will ich machen?
Alleine zu reisen hat den Vorteil, dass man seine Destinationen und auch Aktivitäten komplett frei selbst wählen kann.
Natürlich lassen wir uns aber trotzdem noch oft von anderen leiten. Ich will gar nicht daran denken, wie viele mich damals gefragt haben, ob es nicht gefährlich wäre, alleine als Frau durch Südamerika zu reisen. Meine Pläne hab ich deshalb trotzdem nicht verworfen.
Aber im Leben lassen wir uns leider oftmals viel zu leicht von den Meinungen anderer beeinflussen. Wie wollen mich andere haben? Wenn man es jedoch schafft, sich von diesen Erwartungshaltungen zu lösen, steht einem beim Anstreben seiner persönlichen Ziele kaum noch was im Weg.
Oft erkennt man seine eigenen Interessen deshalb erst so richtig, wenn man eine Zeit lang allein unterwegs war. Weil es dann wirklich mal nur darum geht, was man selbst möchte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Leute bestimmt überfordert wären, wenn man sie mal fragt: Wer bist du eigentlich? In unserem schnelllebigen Alltag vergessen wir oft, auf unsere eigenen Bedürfnisse zu hören. Dabei kann man seine eigene Reise, geschweige denn sein eigenes Leben, kaum planen, wenn man nicht weiß, wer man ist oder wer man gerne sein möchte.
Wer übernimmt die Planung?
Was mich zu der nächsten Frage bringt: Wer wird die Reise planen? Planst du deine Reise selbst oder überlässt du lieber anderen das Ruder?
Natürlich muss man nicht alles alleine planen. Und manchmal muss man auch gar nicht erst alles vorausplanen. Die besten Erlebnisse entstehen oft, wenn man die Zügel mal fallen lässt und die Dinge einfach dem Zufall überlässt. Oder einfach ausgedrückt: Life starts where plans end. Manchmal reicht es eben auch aus, eine ungefähre Destination im Kopf zu haben um dann einfach abzuwarten, was passiert. Nicht immer, aber doch hin und wieder ergeben sich die Dinge dann ganz von selbst.
Was ist mir auf meiner Reise wichtig?
Wenn wir also uns selbst und unsere Interessen gut kennen, können wir weiter überlegen, was auf unserer Reise essenziell ist. Für die einen ist das Sicherheit, für andere vielleicht eher Unabhängigkeit oder Spontanität. Jeder hat sein eigenes Wertesystem.
Vielleicht sollte das eigentlich die aller erste Frage sein, die wir uns stellen. Denn solange wir nicht wissen, was für uns im Leben wirklich zählt, können wir uns auch nur schwer für eine Destination oder unsere Wegbegleiter entscheiden. Das war auch eines meiner Ziele in diesem Jahr, nämlich für mich selbst herauszufinden, was meine Werte sind. Was macht das Leben für mich aus?
Die Antwort auf diese Frage wird sich im Laufe des Lebens wahrscheinlich immer wieder mal verändern. Schließlich werden unsere Werte nicht nur von unserer Persönlichkeit, sondern auch von unserem Umfeld stark beeinflusst. Es ist ein fortlaufender Lernprozess sich selbst besser kennenzulernen und Entscheidungen basierend auf den eigenen Werten zu treffen.
Werde ich jeden Moment genießen?
Mit dieser Frage war ich mir etwas unsicher. Im Urlaub kann es einem schnell mal leicht fallen, jeden Augenblick zu genießen, insofern alles halbwegs glatt rennt (ungeplante positive Ereignisse inklusive). Aufs echte Leben lässt sich das vielleicht nur schwer ummünzen. Schließlich werden wir auch Erlebnisse machen, die uns zumindest für den Moment, die Lebensfreude nehmen. Aber auch das gehört nun einmal dazu.
Seit ich aus Südamerika zurückgekehrt bin, habe ich das Gefühl, dass ich nur positive Menschen und schöne Erlebnisse in mein Leben ziehe. Dabei sind dieses Jahr auch Dinge passiert, die vielleicht nicht ganz so gut gelaufen sind. Oft kommt es einfach auf den Blickwinkel an. Auch aus negativen Erfahrungen können wir oft viel lernen oder gehen stärker daraus hervor.
Das ist jetzt vielleicht ein sehr banales Beispiel, aber Anfang Oktober bin ich stark umgeknickt und habe mir dabei wahrscheinlich ein Band gerissen. Manchmal habe ich jetzt noch Schmerzen. Im ersten Augenblick habe ich die Situation natürlich nicht genossen (weil es wirklich höllisch wehtat – kleiner Tipp: beim Treppensteigen nicht aufs Handy schauen). Rückblickend habe ich mich jedoch sehr glücklich schätzen können, weil erstens nichts Schlimmeres passiert ist und ich sofort von allen Seiten Unterstützung bekommen habe. Zu meinem Glück hat eine tollpatschige Person wie ich eine Schwester, die Physiotherapeutin ist (und idealerweise habe ich zu dem Zeitpunkt auch noch einen hilfsbereiten Med-Studenten gedated 😉 ).
Also nein, wahrscheinlich kann man sowohl beim Reisen als auch im Leben nicht jeden einzelnen Augenblick voll und ganz genießen. Aber man kann zumindest aus jedem Moment etwas Positives ziehen.
Mein Fazit
Zu Jahresende nehme ich mir gerne etwas Zeit um das vergangene Jahr zu reflektieren. Dann schreibe ich einen Brief an mich selbst, den ich dann frühestens in einem Jahr wieder lese. So sieht man, in welchem Bereichen man dieses Jahr erfolgreich war und wo man vielleicht noch etwas ändern möchte. Vielleicht findet ihr auch noch etwas Zeit um euer Jahr Revue passieren zu lassen, und eventuell geben euch meine Worte ein paar Gedankenanstöße hierfür.
Vielleicht basiert dieser Beitrag nur auf einer Metapher. Aber wenn man genauer hinsieht, sind sich das Leben und das Reisen doch sehr ähnlich. Was meint ihr? Ist euer Leben auch eine Reise (oder die Reise euer Leben)? Es würde mich interessieren, welche weiteren Fragen ihr euch bei der Planung eurer Reise so stellt. See you again next year,
Bussi Baba


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