Copacabana ist eine kleine Stadt in Bolivien am Ufer des Titicacasees. Gelegen zwischen Küste und Bergen entzückt das religiöse Zentrum vor allem mit seiner schönen Landschaft. Bei Touristen beliebt sind auch die Bootsfahrten auf die umliegenden Inseln. Einige davon haben auch eine besondere kulturelle Bedeutung. Und eine durfte ich selbst besuchen.

Trotzdem ist der Ort eher sehr unbekannt. Ich selbst wusste zuvor nicht, dass Copacabana nicht nur in Brasilien existiert. Ähnlich war auch die Reaktion, wenn ich anderen von der Stadt erzählte. Die meisten dachten tatsächlich, dass es nach Peru für mich weiter nach Rio ging. In diesem Beitrag erfährt ihr also, ob das bolivianische Copacabana ebenso sehenswert ist.

Die Anreise

Entlang der Küstenlinie des Titicacasees fuhren wir in Richtung der nächsten Destination. Zuvor mussten wir aber noch die Grenze überqueren, was eine recht aufregende Erfahrung war. Einfach rüberfahren kann man hier nämlich nicht.

Auf peruanischer Seite mussten wir den Bus verlassen, um uns in einem kleinen Büro den Ausreisestempel zu holen. Da konnten wir dann auch gleich etwas Geld wechseln. In Bolivien zahlt man mit Bolivianos. Ein Euro entspricht dabei ungefähr sieben Bolivianos.

Eine der schönsten Währungen auf meinem Trip

Anschließend mussten wir zu Fuß die Grenze überqueren. Für einen kurzen Moment befanden wir uns somit also in zwei Staaten zur selben Zeit.

In einer Millisekunde von Peru nach Bolivien und zurück

Dann brauchten wir nur noch den Einreisestempel. Auf bolivianischem Staatsgebiet wartete dann auch schon der nächste Bus auf uns. Da in Peru und Bolivien unterschiedliche Fahrzeug-Vorschriften gelten, konnten wir die Grenze nicht einfach mit unserem Fahrzeug passieren. Der Bus in Bolivien war um einiges kleiner, kaum Beinfreiheit also, und allgemein etwas weniger luxuriös.

Zum Glück hat aber alle geklappt und niemand musste zurückbleiben. Auf dieser spannenden Grenzüberquerung habe ich wieder einmal festgestellt, wie privilegiert wir als Mitglieder der EU eigentlich sind. Während andere Reisende aus den Staaten oder asiatischen Ländern mit zahlreichen Dokumenten reisen müssen und sich der Aus- und Einreiseprozess an der Grenze weitaus zeitaufwendiger gestaltet, musste ich nur meinen Reisepass vorlegen und konnte ganz einfach rüber spazieren.

Nachdem es aber alle auf die andere Seite geschafft haben, ging es für uns weiter entlang des Sees, nun auf bolivianischer Seite. Um die Mittagszeit kamen wir dann auch schon in Copacabana an.

Tag 1:

Mein großes Gepäck wurde gut im Bus verstaut. Bevor es zu meiner Unterkunft für diese Nacht ging, stand nämlich noch ein kleiner Ausflug an. Für ungefähr zehn Dollar exklusive Eintrittsgebühr könnt ihr mit Bolivia Hop eine Bootstour auf die Isla Del Sol (Insel der Sonne) genießen. Gemeinsam mit einigen anderen Leuten vom Bus begaben wir uns auf eine zirka eineinhalb stündige, wackelige Bootsfahrt. Bei Tendenz zu Seekrankheit empfehle ich unbedingt einen Sitzplatz am Deck. Dort kann es zwar etwas frisch werden, trotzdem die Intensität der Sonne niemals unterschätzen. Schließlich befinden wir uns auch hier immer noch auf über 3.800 Metern über dem Meeresspiegel.

Während der Fahrt habe ich eine nette Niederländerin kennengelernt, von der ich lernte, dass in Südamerika so viele Holländer unterwegs sind, dass es sogar eine eigene WhatsApp Gruppe gibt. Nur für Leute aus den Niederlanden, die durch Südamerika reisen eben. Gäbe es so einen Gruppen-Chat für Österreicher, hätte er wahrscheinlich nicht besonders viele Teilnehmer. Außerdem habe ich ein Schottisches Pärchen getroffen, denen ich auch in meiner nächsten Destination nochmal begegnen würde.

Vom Anlegeplatz führte ein kurzer Weg zu einem kleinen Tempel, den wir erstmal besichtigt haben. Nachdem wir dann an ein paar Einheimische unseren Eintritt für die Insel bezahlt hatten (keine Ahnung wie viel das genau war), sind wir ein Stück entlang der Küste gewandert und haben dabei einige schöne Aussichtspunkte passiert. Sonst war die Tour aber eher uninteressant. Unser Guide hat uns nicht besonders viel zur Insel erklärt.

Die Isla Del Sol soll nämlich angeblich die Heimat des wichtigsten Gottes der Inka, dem Sonnengott, gewesen sein. Der Legende nach hat er dort die ersten zwei Inkas erschaffen, die in weiterer Folge die Stadt Cusco und somit das Inka Imperium gründeten. Für die indigene Bevölkerung hat dieser Ort also eine besondere Bedeutung.

Da wir während unserer Tour aber nicht wirklich viel zu dieser Geschichte erfahren haben, würde ich empfehlen, die Insel auf eigene Faust zu erkunden. Dafür nehmt ihr einfach eines der vielen Boote zur Insel und folgt einem der Wanderwege, während ihr die schöne Landschaft genießen könt.

Für uns ging es nach unserem zirka einstündigen Spaziergang an einer anderen Anlegestelle wieder an Board und zurück Richtung Festland.

Die Unterkunft

Nachdem ich in den letzten zwei Destinationen in Mehrbettzimmern untergekommen war, habe ich mir zur Abwechslung mal ein Einzelzimmer gegönnt. Allerdings auch nur, weil der preisliche Unterschied nicht besonders groß war. Wirklich glücklich war ich mit der Unterkunft aber trotzdem nicht. Obwohl das Zimmer eigentlich ganz nett war, natürlich kein Luxus, fühlte ich mich alles andere als wohl. Es hat nämlich extrem nach irgendeinem chemischen Reinigungsmittel gestunken. Geschlafen habe ich somit nicht besonders gut.

Noch schlimmer war jedoch die Dusche. Zum Einstellen der Temperatur gab es nämlich nur zwei Stufen. Entweder kalt oder heiß, aber dann richtig heiß. Nachdem ich ein sehr verfrorener Mensch bin und die Temperaturen in Copacabana eher durchschnittlich waren, entschied ich mich also für das brennende Wasser. Als ich zum Schluss den Hahn wieder abdrehen wollte, begann der Duschkopf aber plötzlich Dampf von sich zu geben. Ich bin natürlich gleich aus der Dusche und dem Badezimmer raus, aus Angst, dass gleich irgendetwas abbrennt. Zum Glück hat es aber nach zirka einer Minute aufgehört. Die Dusche habe ich trotzdem nicht mehr angegriffen.

Der einzige Luxus in meiner Unterkunft war ein eigener Fernseher mit Netflix. Das musste ich natürlich ausnutzen. Und nachdem schon in wenigen Tagen Weihnachten sein würde, schaute ich einen Weihnachtsfilm. Bis ans Ende kam ich aber gar nicht mehr, weil ich mal wieder viel zu müde war.

Tag 2:

Das Frühstück im Hostel war ganz okay, aber ebenso nicht besonders aufregend. Auch für meine Unterkunft kann ich also keine wirkliche Empfehlung abgeben.

Da ich noch bis zum Nachmittag Zeit hatte, bis es mit dem Bus zur nächsten Destination weitergehen würde, nutzte ich den Vormittag zum Wandern. Der ein oder andere hat vielleicht schon bemerkt, dass ich mir meine Reiseziele auch immer gerne von oben ansehe.

Wandern mit tierischer Begleitung – könnt ihr ihn entdecken?

Als Mittagssnack habe ich mir im Jardin Bolivia eine Art Palatschinke bestellt habe. Nur war diese sehr viel dicker als eine normale und mit reichlich Schokosauce getoppt. Währenddessen habe ich die verbleibende Zeit genutzt, um mit einer guten Freundin zu telefoniert.

Am Markt habe ich mir dann noch eine richtige Semmel gekauft, ein Luxus nach dem eher gewöhnungsbedürftigen Brot in Peru, sowie eine halbe Avocado. Die Avocados sind hier fast so groß wie mein Kopf, da war eine halbe also völlig ausreichend. Außerdem schmecken sie um einiges besser als bei uns. Das würde jedenfalls mein Snack für die Fahrt werden.

Passt gerade noch in meine Hand

Am Nachmittag nahm ich nämlich schon wieder den Bus zu meiner nächsten Destination.

Mein Fazit

Es grenzt an ein Wunder, dass mir überhaupt so viel zu meinem Aufenthalt in Copacabana eingefallen ist. Besonders spannend ist diese Destination nämlich nicht, wenn ich ehrlich bin. Die Hauptattraktion, die Isla del Sol, hat mich nach meinem Besuch der schwimmenden Urus Inseln auch nicht mehr wirklich umgehauen. Das Angebot an Aktivitäten am Festland selbst ist nicht besonders groß. Entspannen am Ufer oder ein bisschen Wandern in den Hügeln sind eigentlich die einzigen zwei Optionen. Entlang der Hauptstraße findet ihr dann noch ein paar Lokale, in denen ihr bolivianische Gerichte aber auch internationale Küche genießen könnt.

Das war es aber auch schon. Mein kleiner Wandertag mit felliger Begleitung hat meinen Aufenthalt wahrscheinlich noch etwas gerettet. Außerdem war es vielleicht auch ganz gut zwischendurch einmal eine kleine Pause von all den touristischen Touren einzulegen. Immerhin hatte ich mal wieder etwas Ruhe und Zeit für mich.

Als ich am ersten Abend am Ufer des Titicacasees saß, kam tatsächlich ein junger Mann zu mir und hat mich um ein kurzes Interview gebeten. Der Tourismusstudent erforschte in seiner Abschlussarbeit, wie man Copacabana für Touristen attraktiver machen könnte. Wenn ihr in ein paar Jahren dort seid, erwartet euch also vielleicht schon ein ganz anderes Copacabana.

Mehr als eine Nacht würde ich hier jedenfalls nicht verbringen. Und mit dem brasilianischen Copacabana ist die Stadt wohl eher nicht zu vergleichen. Vor der Ankunft in meiner nächsten Destination war diese Möglichkeit zum Entspannen aber wahrscheinlich gar nicht so schlecht. Im kommenden Beitrag kann ich wieder von ein paar aufregenderen Erlebnissen berichten. Bis dahin,

Bussi Baba!



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