Über achttausend Quadratkilometer umfasst die Gesamtfläche des Titicacasees. Die Lage auf etwa 3.800 Höhenmetern macht das Gewässer zudem zum höchsten schiffbaren See der Welt. Wenn man vom Ufer aus auf den riesigen Teich hinausblickt, wirkt er jedoch eher wie das Meer.

Der größte See Südamerikas liegt aber nicht nur auf Peruanischem Gebiet. Die Staatsgrenze teilt ihn in einen Peruanischen und Bolivianischen Teil. Ich durfte das Gewässer aber erst einmal auf Seiten Perus erkunden. Und so ging es für mich in die bekannte Touristendestination Puno.
Die Anreise
In dem Beitrag zu meinen Reisevorbereitungen habe ich bereits von der Busgesellschaft berichtet, die mich innerhalb von Peru und Bolivien von einer Destination zur nächsten gebracht hat. Mit Peru/Bolivia Hop ging es für mich nun weiter von Cusco nach Puno. Da die Fahrt ganze sieben Stunden dauert, fand sie über Nacht statt.
Die Strecke von Cusco nach Puno war die erste, die ich mit Peru Hop zurückgelegt habe. Als ich am Busbahnhof ankam, wusste ich also noch nicht so genau, was auf mich zukommen würde. Ehrlichgesagt hatte ich bis zu diesem Punkt noch etwas Zweifel, ob die Organisation überhaupt existiert. Online hörte sich das alles nämlich etwas zu gut an.
Am Terminal angekommen, fand ich aber tatsächlich gleich einen Vertreter vor, der mir alles erklärte. Außerdem bekam ich ein Stoffarmband und musste mich in eine Liste eintragen. Und dann ging es auch schon los.
Der Bus war sehr modern, mit neuen, verstellbaren Ledersitzen ausgestattet. Jeder bekam zusätzlich noch eine Decke und einen kleinen Polster, um eine entspannte Nachtruhe zu sichern. Wir waren zudem nicht besonders viele Leute, sodass fast jeder eine Reihe alleine belegen konnte.
Meine erste Erfahrung mit Peru Hop war also sehr gut, auch wenn ich trotz Komfort nicht besonders gut schlafen konnte. Ist halt doch ein Bus und kein Bett. Jedenfalls verlief aber alles problemlos und am frühen Morgen, um fünf Uhr herum, kamen wir auch schon an unserer Destination an.
Die Unterkunft
Zum Glück haben die meisten Hostel eine 24-Stunden-Rezeption, sodass man in der Morgendämmerung nicht alleine durch die Straßen geistern muss. Nur mit dem Check-in muss man eventuell etwas warten.
Der Bus hat mich direkt zum Inka’s Rest Hostel gebracht. Ein bisschen musste ich an der Rezeption warten, bis mein Bett fertig war. Die Zeit nutzte ich gleich um mich frisch zu machen und meine Schmutzwäsche zusammenzusammeln. Das Hostel bietet erfreulicherweise einen Wäscheservice an. Tatsächlich musste ich während meiner zweimonatigen Reise nie selbst Kleidung waschen. In Südamerika ist es üblich, dass die Wäsche entweder vom Personal selbst gemacht oder von ihnen in eine Wäscherei gebracht wird. Das nenne ich Luxus 😉
Das Personal im Inka’s Rest war super nett und so konnte ich schon vor der offiziellen Check-in Zeit in mein Zimmer. Da die Leute in meinem Dorm allerdings alle noch schliefen, stellte ich nur schnell meine Sachen ab, bevor ich in den Tag startete.
An der Rezeption des Inka’s Rest Hostel findet ihr außerdem zahlreiche Angebote für Touren und das Personal hilft euch gerne bei der Organisation eures Aufenthaltes in Puno.
Tag 1:
Meinen ersten Tag in Puno nutzte ich vor allem um die Stadt selbst etwas zu erkunden. Da ich nachts jedoch nicht all zu viel geschlafen hatte und ich auch noch erschöpft von den Wanderungen der letzten Tage war (Machu Picchu & Rainbow Mountains), ging ich es heute einmal langsam an. Oder das war zumindest der Plan.
Nachdem ich das Hostel wieder verlassen hatte, war es immer noch ziemlich früh. Zuerst ging ich in Richtung Hafen. Schließlich wollte ich natürlich erstmal den Titicacasee sehen. Deswegen war ich ja eigentlich hergekommen.

An der Puerto Muelle Puno findet ihr nicht nur zahlreiche Boote und einen kleinen Leuchtturm, sondern auch einige Restaurants. Langsam begann mein Magen nämlich auch schon zu knurren. Außerdem spürte ich von oben die ersten Regentropfen, weshalb ich schnell in einem der Lokale Unterschlupf fand. Dort frühstückte ich dann ausgiebig mit frischem Obstsaft und einem Avocado Brot.
Erst als es wieder aufgehört hatte zu regnen, hab ich mich wieder hinausgetraut. Auf der Avenida Costanera bin ich weiter entlang des Ufers bis zur nächsten Hafenmole spaziert. Dort befindet sich auch das Puno-Sign. Anschließend ging es weiter Stadteinwärts. Die Avenida El Sol ist die Haupt-Handelsstraße von Puno. Hier findet ihr viele Läden, die unterschiedlichste Gebrauchsgegenständen anbieten, kleine Gastronomiebetriebe sowie viel Straßenverkauf.
Zurück Richtung Zentrum befindet sich gleich in der Nähe des Inka’s Rest der Mercado Central. Mit der Zentralen Markthalle in Cusco war dieser nicht zu vergleichen. Trotzdem fand man auch hier eine große Auswahl an Obst und Gemüse vor. Außerdem gibt es auch in Puno wieder die klassischen Parks mit hübschen Springbrunnen und umrundet von antiken Gebäuden. Der größte ist der Plaza Mayor mit der Kathedrale. Hier laden einige Eisdielen dazu ein, eine der zahlreichen leckeren Eissorten zu probieren, wie zum Beispiel bei Helados Vizzio.

Nachdem ich das Stadtinnere ausreichend erkundet hatte, wollte ich mir die Umgebung auch noch von oben ansehen. Zum Glück gibt es in Puno einige Miradores, also Aussichtspunkte, von denen ihr einen tollen Blick über die Stadt und den See genießen könnt.
Zielstrebig wie ich bin, wollte ich natürlich gleichmal einen der höchsten ansteuern. So viel zu „heute geh ich’s mal langsam an“. Der Mirador del Puma liegt am nördlichen Ende der Stadt. Nachdem ich ein Stück zurückgelegt hatte, hab ich mich aber schnell dazu entschieden, doch besser umzukehren. Erstens waren in diesem Stadtteil kaum noch Leute unterwegs und ich wusste nicht, wie sicher diese Gegend war. Außerdem war es mit meinem Muskelkater, mein Andenken an die Wanderungen der letzten Tage, gar nicht so einfach die doch ziemlich steilen Straßen hinaufzulaufen. Man darf zudem nicht vergessen, dass Puno mit 3.800 Meter über dem Meeresspiegel, sogar noch höher gelegen ist als Cusco. Auch hier geht einem bei etwas Anstrengung also schnell mal die Puste aus.
Und so machte ich mich auf den Weg zum Mirador Manco Capac am Cerrito Huajsapata. Das Hügelchen (Cerrito) erhebt sich mitten im Stadtzentrum, nahe des Hauptplatzes. Auch von hier habt ihr eine tollen Ausblick über die Stadt und das gesamte Ufer. Einen Aussichtspunkt solltet ihr auf alle Fälle besuchen, um die Ausmaße des Titicacasees besser ins Auge fassen zu können.

Nach meinem doch etwas anstrengenden Stadtrundgang gab es dann endlich Mittagessen im Loving Hut Vegan. Wie der Name schon verratet werden hier vegane Speisen angeboten. Von solchen Lokalen gibt es in Südamerika nicht viele, aber es gibt sie eben doch. Im Loving Hut Vegan ist die Speisekarte nicht nur ausschließlich vegan, sondern es werden vor allem auch traditionelle Peruanische Gerichte zubereitet, nur ohne Fleisch halt. Für wenig Geld bekommt ihr ein Mittagsmenü mit Suppe, Salat vom Buffet, Hauptspeise und ein kleines Dessert, sowie einem Getränk. Zum Hauptgang gab es für mich Lomo Saltado, ein typisches Gericht, das normalerweise mit Rindfleisch, hier mit Sojafleisch, zubereitet wird. Ist natürlich nicht ganz das selbe, für experimentierfreudige Veganer jedoch eine gute Option.

Nach dem Essen konnte ich nur noch an mein Bett denken. Ihr müsst euch in mich hineinversetzen: Übernächtigt, noch erschöpft von den letzten Tagen, den ganzen Vormittag auf den Beinen und den Magen gefüllt mit leckerem Essen. Reisen kann eben auch super anstrengend sein. Deshalb ging ich im Anschluss auch gleich zurück zum Hostel um mir meinen wohl verdienten Schlaf zu holen.
Am Abend habe ich dann noch meinen Bett-Nachbarn kennengelernt. Ein netter Deutscher, der selbst gerade erst seine Reise begonnen hatte. Zudem war er momentan auf einer ähnlichen Route wie ich unterwegs und so würden wir uns auch an unseren nächsten zwei Destinationen wieder über den Weg laufen.
Tag 2:
An meinem zweiten Tag in Puno musste ich erneut früh aus dem Bett. Nach einem tollen Frühstück im Hostel mit Joghurt, Brot und Pancakes wurde ich nämlich auch schon vom Shuttle Service abgeholt und zum Hafen gebracht. Dort startete meine Tages-Tour zu den schwimmenden Inseln am Titicacasee.
Die Tour habe ich direkt über Peru Hop gebucht. Ihr könnt sie aber auch vor Ort, zum Beispiel im Hostel organisieren. Für ungefähr dreißig Dollar seid ihr den ganzen Tag mit einem Guide unterwegs, besucht mehrere Inseln und habt auch noch ein leckeres Mittagessen inkludiert.
Hier habe ich dann auch festgestellt, dass scheinbar viele Reisende auf ähnlichen Routen unterwegs sind. Am Hafen traf ich nämlich drei deutsche Mädels wieder, denen wir schon auf unserer Wanderung zu Machu Picchu über den Weg gelaufen waren. Man sieht sich immer zwei Mal, heißt es ja. In Zukunft würde es auch noch öfters passieren, dass ich Leute ein zweites oder drittes Mal antraf.
Unser erster Stopp waren die schwimmenden Uros Inseln. Diese Inseln sind nicht auf natürlichen Wege entstanden, sondern wurden von den Ureinwohnern des Sees, den Aymara, selbst gebaut. Auf aus Totora-Schilf gefertigten Landflächen wurden ganze Dörfer erbaut.
Ursprünglich lebten die Aymara vor allem vom Fischfang. Am Land wurde die Ausbeute schließlich gegen andere Lebensmittel und Produkte getauscht. Heute profitiert die Gesellschaft aber sehr stark vom Tourismus. Und das merkt man. Schon als wir auf der ersten Insel ankamen, wurden wir von drei Frauen begrüßt, die für uns sangen. Auf den Inseln bekamen wir dann eine kurze Einführung in das Leben auf den Inseln und anschließend wurden wir in die Häuser der Bewohner eingeladen. Kleine Hütten aus Stroh, in die nicht mehr als ein kleines Bett passte. Sogar deren Kleider durften wir anprobieren um Fotos damit zu machen. Zudem waren einige Souvenir-Stände aufgebaut und uns wurde erzählt, dass sie vor kurzem erst mit den ersten Schwarz-Weiß-Fernsehern ausgestattet wurden. Später sangen auch noch drei kleine Jungen für uns ein Lied. Das kam mir schon alles etwas suspekt vor.


Abends im Hostel haben wir gegoogelt, wie viel von den Geschichten tatsächlich wahr ist. Dort fanden wir eine Quelle, laut der heute eigentlich niemand mehr auf den Inseln lebt und sie nur noch als touristische Attraktion gelten. Allerdings habe ich mittlerweile auch schon Dokumentationen gesehen, in denen es so aussieht, als wären die Inseln tatsächlich noch bewohnt. Sogar eine eigene Schule, in der noch die Aymara-Sprache gelehrt wird, soll es hier geben.
Sicher ist, dass die Inseln durch Menschenhand erbaut wurden. Fern von jeglicher Zivilisation fanden die Aymara Schutz am großen Titicacasee. Die zwei Inseln, die wir als nächstes ansteuerten, wurden aufgrund ihrer abgelegenen Lage sogar als Hochsicherheitsgefängnisse während der spanischen Kolonialzeit verwendet.
Die Bootsfahrt selbst war übrigens auch schon ein Highlight in sich. Am Deck hab ich es mir mit einem Peruaner bequem gemacht und das angenehme Wetter sowie den Blick auf die schöne Landschaft genossen.



Auf der Inseln Llachon angekommen, ging es über einen kurzen Weg den Hügel hinauf zu einem kleinen Restaurant mit tollem Ausblick auf den See. Dort wurden wir mit leckerem Fisch verköstigt.

Nach dem Mittagessen hatten wir etwas Zeit zum verdauen. Damit während der Bootsfahrt das Essen auch im Magen bleibt. Der ein oder andere hat die Zeit genutzt, um eine kleine Runde im See zu schwimmen. Die Temperatur ist jedoch nicht zu überschätzen.

Anschließend ging es für uns wieder zurück an Board und in Richtung der Insel Amantani, wo wir einen kleinen Spaziergang machten und weitere Fakten über das Leben auf den Inseln erfahren haben. Einige der Tour-Teilnehmer sind auf dieser Insel zurückgeblieben. Es gibt nämlich auch die Möglichkeit seinen Aufenthalt zu verlängern und eine oder zwei Nächte bei einer indigenen Familie unterzukommen. Während diesem Home-Stay könnt ihr noch tiefer in die Kultur eintauchen und für kurze Zeit Teil der Familie werden.

Für mich ging es jedoch wieder zurück. Am frühen Abend kamen wir wieder in Puno an.

Kurzer Fakt zwischendurch: „Titi“ heißt übersetzt aus der Aymara-Sprache große Katze oder Puma. „Kaka“ ist der Fels. „Titicaca“ heißt somit so viel wie „der Felsen des Pumas“ und ist auf die Form des Sees zurückzuführen, die einem Puma ähnelt, der ein Kaninchen jagt.
Zurück im Hostel habe ich wieder meinen Deutschen Zimmerkollegen getroffen, der an diesem Tag die selbe Tour nur mit einem anderen Anbieter gemacht hat. Außerdem traf ich die Britin, die ich auf der Wanderung zu den Rainbow Mountains kennengelernt habe. Sie kam zufälligerweise im selben Zimmer wie ich unter. (Man sieht sich immer zwei Mal 😉 ).
Gemeinsam gingen wir noch etwas Abendessen. Zuvor machten wir uns aber noch frisch. Da bekam ich dann auch das erste Mal mit, dass es in Peru und Bolivien nicht unüblich ist, an einer Lebensmittelvergiftung zu erkranken. Die Wände zwischen den Badezimmern waren sehr dünn und so hörte ich, als sich im Raum neben mir ein Mädel die Seele aus dem Leib kotzte. Nun würde ich etwas vorsichtiger sein, was Essen angeht.
Wir haben uns im Endeffekt für Pizza entschieden. Da kann ja nicht allzu viel schiefgehen. Im Restaurant Pizza Andina bekommt ihr zwar keine authentische neapolitanische Pizza, das Essen ist aber ganz gut und wird von peruanischer Panflötenmusik begleitet. Vor allem aber bekommt ihr zu jeder Bestellung einen kleinen gratis Pisco Sour. Wenn euch das noch nicht gereicht hat, könnt ihr im Anschluss noch auf einen Sprung in die Peru Bar Puno schauen. Dort erhält ihr einen super leckeren dreifachen Tequila für den Preis eines einfachen.

All zu lang wurde die Nacht aber nicht. Nach zwei Pisco Sour und einem dreifachen Tequila Shot ging es also ab ins Bett. Am nächsten Morgen würde es schon wieder weiter an die nächste Destination gehen.
Mein Fazit
Wenn man in Peru ist und genügend Zeit zur Verfügung hat, sollte man auf alle Fälle den Titicacasee besuchen. Schließlich ist es schon extrem faszinierend auf solch einer Höhe ein so riesiges Gewässer zu finden.
Von Puno selbst hätte ich mir mehr erwartet. Nach meinem Aufenthalt in Cusco wirkte die Stadt eher sehr heruntergekommen und ich fühlte mich um einiges weniger sicher. Im Inka’s Rest Hostel war ich aber zum Glück gut aufgehoben.
Es war auch interessant mehr über die Ureinwohner und das Leben auf den Inseln zu erfahren. Jedoch habe ich mich während der Tour oft gefragt, wie viel hiervon wirklich echt war und welche Erzählungen und Fakten der Wahrheit entsprachen.
Im Endeffekt habe ich auf alle Fälle wieder viel neues gelernt. Und wenn man am Titicacasee ist, sollte man jedenfalls eine Bootstour machen. Ich habe auch von vielen positiven Erfahrungen mit Home-Stays auf den Inseln gehört. Dadurch wird die Erfahrung vielleicht etwas authentischer.
Zwei Nächte in Puno waren aber ausreichend und so ging es für mich weiter entlang des Ufers zur nächsten Destination am Titicacasee. An einen Ort, von dem viele zuvor sicher noch nicht gehört haben. Wo es mich hin verschlagen hat, erfährt ihr in meinem nächsten Beitrag. Bis dahin,
Bussi Baba!


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