Ich habe mir gedacht, heute erzähle ich mal wieder ein bisschen von mir selbst, bevor ich euch weiter auf meiner Reise mitnehme. Falls ihr meinen aller ersten Beitrag gelesen habt, kennt ihr ja schon ungefähr den Grund, wieso ich die Möglichkeit bekommen habe, ein Jahr in Südamerika zu verbringen. Vielleicht möchte es der ein oder andere aber etwas konkreter wissen. Wie genau bin ich hier gelandet und wie sieht mein Studium sonst so aus? Und wer redet denn nicht gerne Mal über sich selbst 😉
Ein Einzig Großes Fragezeichen
Wer gedacht hätte, dass ich schon von Klein auf geplant hatte, dass ich einmal Tourismus in Chile studieren und für sechs Monate Praktikum in Costa Rica machen würde, der hat sich getäuscht. Tatsächlich wusste ich sehr lange nicht, wo es mich hin verschlagen wird. Also ich spreche hier nicht von meiner Wahl, wo ich mein Auslandssemester beziehungsweise -jahr verbringen werde. Sondern von der Frage, was ich allgemein mit meinem Leben anstellen soll.
Der Grundstein für meine Karriere im Tourismus wurde eigentlich schon nach der Hauptschule gelegt. Statt ein normales Gymnasium zu besuchen, habe ich mich nämlich für eine fünfjährige Hochschule mit wirtschaftlichem Schwerpunkt und Berufsbildung zum Koch und Kellner entschieden (für alle Österreicher: HLW). In fünf Jahren habe ich mir also ein Basiswissen in Betriebswirtschaft, Rechnungswesen, Financing sowie Gastronomie angeeignet. Nicht zu vergessen eine Ausbildung zum Jungsommelier.
Im Anschluss war mir jedoch nicht sofort klar, dass ich weiter in diese Richtung gehen möchte. Schon ab der vierten Klasse Oberstufe hat mich zunehmend die große Frage gequält: Was will ich in Zukunft machen? Ich hatte immer viele Träume, aber nie einen genauen Plan. Vor meinem Abschluss wusste ich dann jedenfalls, dass ich nach der Schule nicht gleich zu Studieren beginnen möchte. Erstmal musste eine kleine Auszeit her. Dann war da mein Wunsch nach Peru zu gehen, aber wer meine Beiträge verfolgt, weiß ja, dass daraus nie was geworden ist.
Stattdessen habe ich dann ein Jahr auf eine Zukunft hingearbeitet, die wahrscheinlich niemals eintreten wird. Diesen Teil meiner Vergangenheit habe ich bis heute nicht großartig geteilt, weil ich echt lange das Gefühl hatte, eine Versagerin zu sein. Aber heute weiß ich, dass alles im Leben irgendeinen Sinn hat und nichts wirklich umsonst ist.
Irgendwann zwischen fünf Jahren Oberstufe und damals noch zwölf Staffeln Grey’s Anatomy ist nämlich mein Traum entstanden, Chirurgin zu werden. Fans der Serie können das wahrscheinlich gut nachvollziehen. Meine Schulnoten waren immer ausgezeichnet und so sah ich nichts, was dagegensprechen könnte. Das eine Jahr sollte also doch nicht als Auszeit vom Lernen dienen, sondern mit noch mehr Lernstoff für den großen Aufnahmetest für das Medizinstudium in Österreich gefüllt werden. Nebenbei jobbte ich ein bisschen als Nachhilfelehrerin und kellnerte in einem Weinlokal. Schließlich musste ja auch irgendwie Geld reinkommen.
Aber natürlich brauchte ich auch noch eine Alternative, falls das mit dem MedAT nicht hinhauen sollte. Und so bereitete ich mich zeitgleich für die Prüfungen zur Zulassung für Physiotherapie vor. Meine Schwester ist Physiotherapeutin und es schien mir damals eine gute Option.
Ich war aber nie zu hundert Prozent überzeugt von meinem Plan. Das erste Mal ins Zweifeln kam ich, als ich Anfang September für einen Monat auf Interrail ging. Mein erster Solo-Trip brachte mich in die Schweiz, nach Frankreich, Spanien und Italien. In dieser Zeit habe ich meine Liebe zum Alleine-Reisen entdeckt. Das erste Mal hatte ich dieses Freiheitsgefühl, von dem ich bis heute nicht genug bekommen kann. Aber nach vier Wochen wurde ich dann auch schon wieder zurück in die Realität geschupst. Jetzt war schließlich Lernen und Geldverdienen angesagt.

Mit Ende Jänner wurde mir langsam immer bewusster, dass mich das alles nicht wirklich glücklich macht. Zwar fand ich die Themen alle sehr interessant (ich bin aber auch für so ziemlich alles zu begeistern), aber Lernen hat mir immer schon sehr viel Druck und Stress bereitet. Obwohl ich nie Probleme in der Schule hatte, sind mir die guten Noten auch nicht einfach so zugeflogen. Und natürlich fragte ich mich dann, wie das im Medizinstudium weitergehen sollte. Ist ja nicht unbedingt die leichteste Ausbildung von allen.
Die Zeit verging. April bin ich dann mit zwei sehr guten Freundinnen auf Urlaub gefahren. In den Osterferien haben wir uns ins Auto gesetzt und sind fünf Stunden Richtung Süden nach Triest gedüst. Das war mein erster Auslandsaufenthalt seit meiner Interrail Reise. Wie ich das vermisst hatte!

Und an diesem einen Abend bin ich im Schlafzimmer unseres AirBnB gelegen und wusste, dass mich das hier viel glücklicher macht als alles, was ich in den letzten Monaten gelernt hatte. Vielleicht denkt ihr euch jetzt: Ja, wer ist denn nicht gerne auf Urlaub. Aber es war mehr als das. Das Zusammenspiel aus Reisen, Essen, Kultur, Menschen, Essen, … (ich meine, wer liebt nicht die original italienische Küche).

Jedenfalls lag ich in dieser Nacht im Bett und habe mein jetziges Studium gegoogelt. Ich kannte den Studiengang, weil eine Schulkollegin aus der Oberstufe direkt nach dem Abschluss begann in Krems Tourismus zu studieren. Sie wusste es im Gegensatz zu mir gleich damals.
Ich habe die Kursbeschreibungen überflogen und mir gedacht: Hey, das hört sich nach mir an. Dann habe ich weiter nach unten gescrollt und meinte zu glauben, dass es vielleicht doch einfach nicht sein soll. Die Bewerbungsfrist würde nämlich in zwei Tagen ablaufen. Ich war gerade auf Urlaub in Italien, hatte die notwendigen Dokumente natürlich nicht bei der Hand und könnte unmöglich so schnell alle Bewerbungsfragen beantworten und einen Essay schreiben.
Jetzt fragt ihr euch wahrscheinlich, wie es dann doch noch dazu kam, dass ich im selben Jahr mein Studium beginnen würde. Nun ja, scheinbar standen die Sterne doch für mich. Die Anmeldefrist wurde nämlich bis August verlängert. Genügend Zeit, um meine Bewerbung abzuschicken und meinen Eltern und Freunden zu beichten, dass vor ihnen doch keine zukünftige Frau Doktor steht.
Im Endeffekt hat es natürlich keinen gestört, dass ich meine Wahl geändert hatte. Meiner Familie war es immer schon am wichtigsten, dass ich das tue, was mich glücklich macht. Mein Papa war nur etwas skeptisch, weil er nun mit Sicherheit wusste, dass ich ins Ausland gehen würde. Aber damit musste er jetzt leben. Trotzdem habe ich den meisten Personen, die ich erst später kennengelernt habe, nie davon erzählt. Vom Medizin- zum Tourismusstudium. Hört sich schon etwas blöd an.
Aber jetzt teile ich diese Geschichte, diesen Teil von mir, mit euch allen. Weil ich euch zeigen will, dass es nicht dumm ist. Es ist niemals dumm, das zu tun, von dem ihr gedenkt, dass es euch glücklich machen wird. Und oft findet man sich im Leben auf Wegen wieder, von denen man dachte, dass sie einen glücklich machen, aber plötzlich tun sie das einfach nicht mehr. Und dann ist es doch keine Schande einen anderen Weg einzuschlagen und das Alte hinter sich zu lassen.
So viel also zu meinem bisherigen Werdegang. Wer sich jetzt noch für mein Studium interessiert, kann gerne weiterlesen.
Tourismus Studieren
Ehrlichgesagt weiß ich nicht genau, was Leuten so in den Kopf schießt, wenn sie hören, dass ich Tourismus studiere. Im ersten Moment fragt man sich vielleicht, was man denn da studieren kann. Um in einem Hotel oder einem Reisebüro zu arbeiten, braucht man ja keinen Bachelor oder gar Master. Wenn ich dann von meinem Studium erzähle, sagen die meisten, dass sich das richtig cool anhört. Aber bildet euch doch einfach eure eigene Meinung.
Natürlich braucht man kein Studium, um in einem Restaurant zu kellnern oder an einer Hotelrezeption zu arbeiten. Aber vielleicht will man ja die Karriereleiter etwas weiter hinaufklettern. Irgendwann mal sein eigenes Hotel führen. Oder aber man ist mehr an den Hintergrundarbeiten interessiert, wie Marketing oder Personalabteilung.
Wie die unterschiedlichen Jobs in einem Hotel ist auch Tourismus extrem vielfältig. Und mit den drängenden Fragen der heutigen Zeit braucht es auch in diesem Bereich Experten, die fähig sind weiter zu denken, neue Ideen zu finden und diese umzusetzen. Tourismus existiert überall auf der Welt. Wer hätte es gedacht. Viele Länder sind sogar davon abhängig. Jeder möchte reisen. Aber unsere Umwelt leidet. Gar nicht so einfach zwischen all dem eine Balance zu finden.
Mit Fächern wie Nachhaltiger Tourismus und Geographie sollen wir darauf vorbereitet werden. Aber auch klassische wirtschaftliche Kurse, zum Beispiel Rechnungswesen, Finanzmathematik und Wirtschaftsrecht, sind Teil des Studiums. In Hospitality, Destination und Event Management bekommen wir mehr Einblicke ins Berufsleben. Prinzipiell handelt es sich bei dem Studiengang Tourism and Leisure Management am IMC Krems also um ein Business Studium mit Fokus auf Tourismus. Wenn euch ein normales BWL Studium also zu langweilig ist, könnte das vielleicht das Richtige sein.
Was mich an dem Studium in Krems von Beginn an begeistert hat, war die internationale Ausrichtung. Tatsächlich findet keiner unserer Kurse auf Deutsch statt. All in English. Anfangs war das natürlich noch eine kleine Herausforderung. Man gewöhnt sich aber extrem schnell daran und bald bekommt man gar nicht mehr bewusst mit, dass im Unterricht nicht die eigene Muttersprache gesprochen wird.
Der FH Campus richtet sich allgemein an eine sehr internationale Zielgruppe, mit zahlreichen englischen Studiengängen und vielen Studenten aus dem Ausland. Das schafft ein super vielfältiges und internationales Umfeld.




Auch die Lehrpersonen sind von überall her und haben die verschiedensten Hintergründe. Der Vorteil an einem Studium an der Fachhochschule ist natürlich, dass die Professoren immer aus der Berufswelt kommen und somit viel eigenes Praxis Wissen mitbringen. Beispielsweise hatten wir einen Professor, der Manager eines Best Western Hotels in Kanada ist. Unsere Marketing Professorin arbeitet im Marketing der ÖBB und unser Geographie Professor war Italiener (muss ich mehr sagen?😂).
Außerdem wird noch eine zweite Fremdsprache gelehrt. Da ich bereits in der Oberstufe Spanisch gelernt habe, wollte ich auf meinen Kenntnissen weiter aufbauen. Ihr könnt euch aber zum Beispiel auch für Französisch, Italienisch oder Chinesisch entscheiden. Für Sprachtalente oder -interessierte ist dieses Studium also optimal. Und natürlich ist es sinnvoll seine Sprachkenntnisse zu optimieren, wenn man eine Karriere im Tourismus anstrebt.
Außerdem bekommt man dann eben noch die Möglichkeit, ein Semester im Ausland zu studieren. Ihr könnt zwischen unterschiedlichen Partnerunis wählen, die auf der ganzen Welt verteilt sind. Das sechsmonatige Praktikum ist verpflichtend im Ausland zu absolvieren. Wer also nicht bereit dazu ist, ein halbes Jahr fern von Zuhause zu verbringen, für den ist dieses Studium vielleicht nicht die richtige Wahl.
Vor allem wer innerhalb der EU bleibt, erhält während dieser Zeit auch fianzielle Unterstützung durch Erasmus. Außereuropäisch ist das schon etwas schwieriger. Mit guten Noten und einem schlüssigen Bewerbungsschreiben hat man aber auch hier die Chance auf ein Stipendium. Anders hätte ich mir die sechs Monate in Costa Rica kaum selbst finanzieren können.

Ausflüge statt

weltweite Tourismus-Messe
Und was genau macht man nach dem Studium? Eventuell werden viele auf die Frage, warum sie Tourismus studieren, antworten: Weil sie gerne reisen. Irgendwie plausibel, wenn einem bereits im Studium ermöglicht wird, ein ganzes Jahr im Ausland zu verbringen. Und im Anschluss seid ihr mit einem Tourismusstudium natürlich weltweit gefragt. Ländergrenzen schränken euch hier nicht ein.

Auch in der Berufswahl seid ihr kaum eingegrenzt. Im Gegensatz zu einem Medizinstudium, wo ihr danach Arzt oder Ärztin seid, gibt es bei diesem Studium keine genaue Berufsbezeichnung. Außerdem bieten sich euch zahlreiche Masterstudiengänge an, oft berufsbegleitend.
Wenn ihr mich fragt, was ich danach weitermachen möchte, kann ich euch leider auch noch keine wirkliche Antwort geben. Immer noch viele Träume aber kein exakter Plan.
Und was sagt ihr zu meinem Studium? Schon cool oder nicht? Wenn man die Möglichkeit hat ein ganzes Jahr an einem beliebigen Ort auf der weiten Welt zu verbringen.
So, aber jetzt genug über mich selbst geredet. Vielleicht konnte ich ein paar von euch jetzt dazu anregen, eure Studienwahl zu überdenken. Oder ihr versteht jetzt besser, warum ich seit fast einem Jahr Südamerika unsicher mache.
Was ich noch sagen möchte
Vor allem aber wollte ich euch zeigen, dass es okay ist, nicht immer einen genauen Plan zu haben. Nicht immer zu wissen, wo man in Zukunft hinwill. Pfeift auf die Frage „Wo siehst du dich in fünf Jahren?“. Oder gar in zehn. Manchmal fühlt sich das Leben einfach wie ein endloses Labyrinth an. Das einzige was ihr dann tun könnt, ist es auf euer Bauchgefühl zu hören. Und oft kommen dabei richtig tolle Sachen heraus.
Habt zudem keine Angst davor, eure Familie und Freunde mit Plot Twists zu schockieren. Schließlich ist es ja euer Leben und niemand kann euch aufhalten euren Träumen zu folgen.
Wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass ich ein Jahr in Südamerika verbringen werde? Ich jedenfalls nicht. Und ich habe keinen Plan, wo ich in weiteren zwei Jahren stehen werde. Aber was ich weiß, ist, dass ich in den letzten Monaten sehr viel gelernt habe. Jede Erfahrung im Leben bringt uns im Endeffekt weiter. Und jeder Tag hält neue Türen offen. Also macht nicht den selben Fehler wie ich, und stresst euch mit der großen Zukunftsfrage. Manchmal ergeben sich die Dinge einfach ganz von allein.
In meinem nächsten Beitrag fadisiere ich euch nicht noch einmal mit Erzählungen über mich selbst und philosopischen Gedanken, sondern nehme euch weiter mit zu meiner nächsten Destination. Bis dahin,
Bussi Baba!


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