Die Anreise

Die Fahrt von Cusco zu den Rainbow Mountains dauert normalerweise ungefähr dreieinhalb Stunden. Aufgrund von Straßensperren waren wir an diesem Tag aber knappe fünf Stunden unterwegs, pro Strecke.

Auf dem Hinweg machten wir zum Glück einen kurzen Halt zum Frühstücken. In einem kleinen Lokal wurde ein Buffet mit reichlich Essen für die ganze Gruppe vorbereitet. Während wir uns also für die bevorstehende Wanderung stärkten, konnte man den einen oder anderen auch schon etwas besser kennenlernen. Mir gegenüber saß eine nette Britin. Außerdem bekam ich auch auf diesem Trip in Cusco wieder Gesellschaft von Zuhause. Zum zweiten Mal innerhalb meiner ersten Reisewoche traf ich auf eine Wienerin. So klein ist die Welt.

Anschließend wurde die Fahrt fortgesetzt. Unser Guide stellte uns vor die Wahl, ob wir direkt zu den Rainbow Mountains fahren und nur ein Stück zu der Aussichtsplattform hinaufwandern wollen oder zuerst einen kleinen Trek durch das Tal, in dem sich die bunten Berge befinden, machen möchten. Wir entschieden uns für die Wanderung durch das Red Valley.

Wandern durch das Red Valley

Gleich zu Beginn stellten wir fest, dass dieser Trek nicht zu unterschätzen war. Obwohl wir keine extremen Steigungen passieren mussten, war eine Wanderung in solch einer Höhenlage sehr anstrengend. Zum ersten Mal merkte auch ich, wie sich diese extreme Höhe auf den Körper auswirken kann. Abgesehen von den Kopfschmerzen wurde mir etwas übel und schwummrig vor Augen.

Auf über 5.000 Meter wird einem schon etwas weiß um die Nase

Also falls ihr zuvor noch nie von Höhenkrankheit gehört habt, dann werdet ihr es spätestens auf viertausend bis fünftausend Metern am eigenen Leib erleben. Wie der eigene Körper reagiert, ist natürlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich und auch sehr tagesabhängig. Jedenfalls solltet ihr stets auf euren Körper hören, weil eine Wanderung entlang steiler Abhängen sonst schnell gefährlich werden kann.

Aber auch wenn dieser Trek extrem kräftezährend ist, zahlt es sich auf alle Fälle aus, diesen zirka einstündigen Umweg zu nehmen. Selten fand ich eine Landschaft so faszinierenden wie diese. Meine Augen konnten sich gar nicht satt sehen an dem rötlichen Gebirge mit strahlend grünen Grasfleckchen zwischendrin. Im Nachhinein würde ich sogar behaupten, dass die Wanderung durch das Red Valley beeindruckender war, als die Rainbow Mountains selbst.

Coca in Peru

Bereits die Inka haben dieses traditionelle Heilmittel regelmäßig konsumiert. Großteile des Reichs wurden in den Anden aufgebaut. Somit war ein Mittel gegen Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel in diesen Höhen sehr hilfreich. Dafür schluckt man die Blätter nicht hinunter, sondern nimmt sie in den Mund und kaut darauf herum. Auf vielen alten Abbildungen sieht man deshalb Personen mit einer aufgeblasenen Backe, die von dem Kauen der Coca Blätter kommt.

Die in den Blättern enthaltenen Alkaloide, das bekannteste darunter das Kokain, werden während dem Kauen in geringen Mengen freigesetzt. Einerseits bewirkt das eine Verengung der Blutgefäße, was wiederum die Sauerstoffversorgung des Körpers fördert. Andererseits liefert es Energie und vermindert so die von der Höhe ebenfalls ausgelöste Müdigkeit sowie Kopfschmerzen.

Besonders gut schmecken die getrockneten Blätter nicht. Das erste Mal pur probiert habe ich sie in Bolivien. Seit meiner Ankunft in Cusco habe ich zur Vorbeugung schon regelmäßig Coca-Tee getrunken, der eigentlich gar nicht so schlecht ist. Auf unseren Wanderungen gab es außerdem oft Zuckerl, die halt hauptsächlich nach Zucker schmecken.

Auf unserem Weg durch das Red Valley hatte ein Niederländer jedoch Coca Blätter mit Maracuja-Geschmack dabei. Vor allem in Bolivien werden die Blätter nämlich in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen verkauft. Wir durften sie probieren und die waren tatsächlich richtig lecker. Und vielleicht halfen sie auch ein wenig gegen die Übelkeit.

Die Rainbow Mountains

Das letzte Stück zum Aussichtspunkt vor den berühmten Bergen in Regenbogenfarben, auch als „Montañas de Siete Colores“ (Berge in sieben Farben) bezeichnet, war wohl das mitunter am anstrengenste. Nur über einen extrem steilen Weg mit Geländer zum Anhalten, konnte man diesen ersten Peak erreichen.

Von oben hatte man dann den klassischen Blick auf die Berge, und ganz viele andere Touristen. Obwohl die Sehenswürdigkeit gerade erst vor wenigen Jahrn entdeckt wurde, weil sie zuvor noch mit Schnee bedeckt war, lockt sie seitdem tagtäglich hunderte von Touristen an. Demensprechend gut ist auch die Infrastruktur. Auf der schmalen Erhöhung findet ihr alles was das Herz begehrt: Essen, Bier, Sounvenirs und Lamas mit Sonnenbrille zum Fotos schießen. Achtung: Für diese Tier-Selfies wird normalerweise immer Geld verlangt.

Hier versammeln sich zahlreiche Touristen
und beschmückte Lamas

Wem der erste Aufstieg noch nicht genug war, kann noch bis zum höchsten Punkt hinaufwandern, der auf etwas über 5.000 Höhenmetern liegt.

Mit vielen kleinen Verschnaufpausen habe ich tatsächlich auch diesen Berg noch irgendwie bezwungen. Es hat sich aber definitiv gelohnt. Dort schoss meine neue Wiener Freundin nämlich ein so perfektes Foto von mir, auf dem es so wirkt, als wären wir ganz alleine da oben gewesen. Die anderen Touristen wie spurlos verschwunden.

Als wären wir ganz alleine dort gewesen

Aber nun mal zu den dem Gebirge selbst. Vielleicht habt ihr euch schon gefragt, wie es überhaupt zu dieser bunten Verfärbung kam. Die Farbschichten resultieren aus einer Mischung aus Sedimentgestein, das Mineralien wie Eisenoxid (rot) und Kupfersulfat (grün) enthält. Durch Ablagerungen, Witterungen und Oxidation  sind die insgesamt vierzehn Farben so über die Jahre entstanden.

Die Wetterbedingungen

So wie alle Teile Perus empfiehlt sich natürlich auch der Besuch dieser Attraktion am ehesten in der Trockenzeit zwischen März und November. In den restlichen Monaten kann das Wetter oft sehr wechselhaft sein und von Sonnenschein im einen Moment zu Regen und Schneefall im nächsten schwanken. Nachts können die Temperaturen auf unter null Grad sinken.

Die Empfehlungen, was man auf diese Exkursion mitnehmen sollte, enthalten deshalb meist Haube, Schal und dicke Jacke. Wir brauchten davon tatsächlich nichts. Personen die aber ein paar Tage früher oder später am selben Ort waren, benötigten hingegen drei Kleidungsschichten, Winterjacke inklusive. Unterschätzt die Kälte also nicht.

Die Schneeberge in unmittelbarer Nähe

Obwohl an unserem Reisetag die Wetterverhältnisse nahezu perfekt waren, so waren wir trotzdem etwas beunruhigt. Schon während der Hinfahrt, haben ein paar Leute aus der Gruppe erzählt, dass angeblich erst am Vortag ein starkes Unwetter die Berge heimgesucht haben soll. Untertags begann es plötzlich wie aus dem nichts häftig zu gewittern und zu hageln. Und den Erzählungen zufolge, soll sogar eine Person vom Blitz getroffen worden seien.

Natürlich gingen dann auch wir mit einem etwas flauen Gefühl im Magen den Berg hoch. Viele, die bereits vor Abfahrt davon erfahren hatten, haben ihre Buchungen gleich ganz storniert. Für mich und viele andere der Gruppe kamen die Nachrichten überraschend und somit gab es auch kein Zurück mehr.

Aus diesem Grund haben wir uns aber auch nicht all zu lang auf der Aussichtsplattform aufgehalten. Schließlich mussten wir den ganzen Weg durchs Red Valley wieder zurücklaufen. Während dem Rückweg sahen wir dann auch langsam Gewitterwolken aufziehen. Während sich manche kaum Sorgen machten, sind wir zwei Österreicherinnen, die doch etwas an ihrem Leben hängen, ganz vorne voraus gesprintet, um möglichst schnell beim Auto zu sein.

Im Endeffekt ist aber alles gut gegangen. Nur der Niederländer, der eigentlich mit der Wienerin unterwegs war, war etwas eifersüchtig. Schließlich hatte sie die ganze Tour über fast nur Augen für mich. Ist halt auch immer wieder schön ein Stück Heimat auf der anderen Seite der Welt zu finden und sich auf Deutsch unterhalten zu können.

Während der Rückfahrt hat es dann doch noch zum Regnen begonnen und wenn ich mich richtig erinnere, hat es auch kurz etwas gehagelt. Ausmaße wie am Vortag nahm das Gewitter jedoch nicht an. Gott sei Dank.

Am Weg blieben wir wieder bei dem selben Lokal wie beim Frühstück stehen. Und erneut war ein Buffet aufgebaut. Dieses Mal aber mit warmen Speisen zum Mittagessen. Hunger hatten wir schließlich alle schon. Das Essen war auch extrem lecker. Leider ist aber eine weitere Nebenwirkung der Höhenkrankheit ein vermindertes Hungergefühl.

Zum Abendessen in Cusco holte ich mir heute nur einen kleinen Street Food Snack. Papas Rellenas ähneln unseren Kroketten, nur dass sie gefüllt werden. Meist mit Ei und Gemüse oder Fleisch. Meine vegetarische gefüllte Kartoffel (übersetzt „Papas Rellenas“) kam mit einem gebratenen Gemüse Reis. Günstig und super lecker zugleich. Personen mit empfindlichen Magen sollten bei Street Food vielleicht nur etwas aufpassen. Ich hatte in Peru nie Probleme, allerdings kann man auch hier eine Lebensmittelvergiftung niemals komplett ausschließen.

Mein Fazit

Wenn ihr in Cusco etwas mehr Zeit eingeplant habt, würde ich euch eine Tour zu den Rainbow Mountains auf alle Fälle empfehlen. Versichert euch nur, dass eine kleine Wanderung durch das Red Valley inkludiert ist. Wie ich bereits weiter oben erwähnt habe, hat mich persönlich dieser Teil der Exkursion nämlich fast mehr fasziniert als die Montañas de Siete Colores selbst.

Das Red Valley hat mir den Atem geraubt

Als ich dann selbst davor stand, war ich ehrlichgesagt nämlich etwas enttäuscht. Nach den strahlenden Farben im Red Valley, wirkten die Berge fast etwas grau. Ich muss zugeben, dass ich selbst bei einigen Bildern mit Filtern nachhelfen musste.

Ohne Filter wirken die Berge fast etwas grau

Außerdem ist der Ort überlaufen von Touristen, im Gegensatz zu dem Trail durch das Red Valley, bei dem unsere Gruppe komplett alleine war. Für ein tolles Foto muss man sich also hinten anstellen. Trotzdem sind die Rainbow Mountains sehr schön und es ist vor allem interessant zu erfahren, wie diese entstanden sind.

Bussi Baba!



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