In meinem letzten Bericht über meine Reisen in den Süden von Chile habe ich ja bereits angedeutet, dass mit meinem Tagesausflug zum Vulkan Osorno und den Petrohué Wasserfällen meine Reise noch nicht zu Ende war.
Nachdem mich Schnee, Kälte sowie deutsche Bauten und Essen zurück in meine Heimat versetzt hatten, fehlten natürlich noch Regen, Kühe und Streuselkuchen, um mich wieder ganz wie Zuhause zu fühlen. Deshalb ging es für mich an Tag drei meiner Reise noch etwas weiter in den Südwesten, und zwar auf die Insel Chiloé.
Tag 1:
Nach einem weiteren leckeren Frühstück in meinem Hostel in Puerto Montt startete ich ein letztes Mal meinen Fußmarsch zum Busterminal. Dieses Mal aber mit all meinem Gepäck. Am Morgen nahm ich nämlich den Bus, um auf die Insel Chiloé zu gelangen. Die Fahrt dauerte ungefähr drei Stunden und umfasst einen kurzen Transfer mit der Fähre.
Die Busfahrt nutzte ich um ein Buch meiner Gasteltern zu studieren, dass von indigenen Mythen berichtete. Geistig bereitete ich mich also schonmal auf unheimliche Meereswesen, Vampire, Hexen und Einhörner vor.

Außerdem habe ich aber auch den Blick aus dem Fenster auf die schöne Umgebung genossen. Dadurch dass es in Chiloé das ganze Jahr über viel regnet, seht ihr Grün auf Grün, und zwischendurch eben auch immer mal ein paar Kühe grasen. Zwar gibt es in Österreich im Normalfall gar nicht so viel Regen. Die Gegend hat mich aber trotzdem sehr an unsere Gebirgsregion mit saftigen Almwiesen erinnert.
Am frühen Nachmittag kam ich dann in der Insel-Hauptstadt Castro an, ein süßes Dorf, das direkt am Wasser gelegen ist. Vom Terminal bin ich auch gleich zur Unterkunft spaziert.

Das La Minga Hostel liegt sehr zentral, Castro ist aber auch wirklich nicht groß. Auch hier kam ich wieder in einem kalten Mehrbettzimmer unter. Nur leider ohne leckerem Frühstück. Ich würde aber auch nur einen Nacht hier verbringen. Die Rezeptionisten war dafür auch wieder sehr nett und hat mir ein paar Tipps gegeben, was ich mit meiner wenigen Zeit, die ich hatte, am besten anstellen sollte. Außerdem konnte man sich den ganzen Tag über an gratis Tee bedienen.
Auf ihre Empfehlung habe ich mir erstmal ein Eis geholt. In anderen Beiträgen habe ich es bereits erwähnt: In Chile kann man halt einfach immer und überall Eiscreme genießen. Und sie ist immer super lecker. Während ich mit meiner Eistüte von der Picaflor Heladeria atesanal in der Hand entlang der Straßen von Castro spaziert bin, hat es tatsächlich zum Regnen begonnen. Auf den herrlichen Genuss meiner Eiscreme hatte das jetzt aber auch keinen Einfluss.

Nachdem ich mich mit Castro etwas bekannt gemacht habe, bin ich mit dem Bus in das weiter nördlich gelegene Dalcahue gefahren. Dalcahue ist ein kleines Fischerdörfchen, noch kleiner als Castro. Eigentlich gibt es hier nicht viel zu tun. Trotzdem ist es schön anzusehen. Ihr findet einen kleinen Markt und Läden mit süßen Souvenirs und Kunsthandwerk und eine der schönen Kirchen, die typisch für diese Region sind.



Die Jesuitenkirchen wurden im 18. und 19. Jahrhundert erbaut, einzigartige Holzbauten, die ebenfalls wieder an einen europäischen Baustil erinnern.

Der kulinarische Schwerpunkt der Insel liegt vor allem auf Fisch und Meeresfrüchten und natürlich Rind. Bekannt ist die Region aber auch für seine reiche Sortenvielfalt an Kartoffeln (Entschuldige: Erdäpfel) und gilt neben Peru sogar als mögliche Urheimat des Nachtschattengewächses. Kartoffeln/Erdäpfel bekommt ihr hier in den unterschiedlichsten Formen und Farben.
Nachdem ich auch von Dalcahue genug gesehen hatte, ging es mit dem Bus wieder zurück nach Castro. Dort besuchte ich noch die eigentliche Hauptattraktion des Städtchens: Die Palafitos. Bunte Stelzenhäuser, die über dem Wasser gebaut wurden.

Zum Abendessen gab es heute Pasta mit Tomatensauce, ganz klassisches Studentenfutter oder eben Essen von Low-Budget Reisenden in einem teuren Land wie Chile. Da habe ich dann auch herausgefunden, dass in dem Hostel noch drei weitere Austauschstudenten waren, die momentan in Viña del Mar studierten. Was für ein Zufall.
Tag 2:
Mein zweiter Tag auf der Insel war sehr exakt durchgetimed. Zeit war nämlich das einzige, das mir auf dieser Reise fehlte. Und vielleicht etwas mehr Sonnenschein.
Jedenfalls habe ich am frühen Morgen den ersten Bus von Castro zum Nationalpark Chiloé genommen. Castro liegt an der östlichen Küste, der Nationalpark genau auf der anderen Seite, am westlichen Ufer. Bei solch schönen Ausblicken aus dem Fenster vergeht so eine Fahrt aber recht schnell. Im Parque Nacional gibt es dann verschieden lange Wanderwege. Ich habe mich für den längsten entschieden, den ich in der geringen Zeit zurücklegen konnte.
Obwohl ich solo unterwegs war, blieb ich auch hier nicht lange unbegleitet. Ein Chilene, der ebenfalls aus der Gegend um Viña kam und noch begeisterterer Wanderer war als ich, hatte sich auf den selben Pfad begeben und schnell haben wir uns dazu entschlossen einfach gemeinsam zu gehen. Macht ja auch mehr Spaß. Vor allem wenn es regnet, der Weg komplett gatschig ist und man bei jedem Schritt aufpassen muss, nicht in eine fette Wasser- oder Schlammlache zu treten. Mit meinen Schuhen wollte ich danach eigentlich gar nicht mehr in den Bus steigen.


Trotz kleiner Wetterkomplikationen war die Wanderung über Felder und durch Wälder extrem schön. Bei dieser Menge an Regen kein Wunder. Da blüht halt wirklich alles grün auf. Am Schluss kamen wir außerdem noch bei einem atemberaubenden See vorbei. Richtig mystisch. 😉



Cool war außerdem, dass wir die einzigen zwei auf diesem Wanderweg waren. Allgemein konnte man die Leute in diesem Teil des Nationalparks wahrscheinlich an einer Hand abzählen. Ob das wohl am Wetter lag, oder ob hier allgemein nicht so viele Touristen unterwegs sind. Auf alle Fälle hat die Gegend dadurch noch idyllischer gewirkt.
Nach unserer Wanderung, die eher ein Spaziergang war, musste ich mich auch schon wieder von meiner neuen Reisebekanntschaft verabschieden. Instagram Namen haben wir noch ausgetauscht, sodass ich auch heute noch seine coolen Wanderungen mitverfolge kann.
Ich musste dann den Bus zurück nach Castro erwischen, wo ich nur schnell meinen Reiserucksack aus dem Hostel holte, um anschließend wieder zurück nach Puerto Montt zu fahren. Dort fuhr nämlich noch am selben Tag mein Nachtbus zurück nach Viña ab.
Zum Glück hatte ich am Terminal in Puerto Montt aber noch etwas Zeit. Eine Sache fehlte nämlich noch. Streuselkuchen. Bei einem Backshop am Terminal kaufte ich mir ein Stück Beeren-Streuselkuchen, den ich dann in aller Ruhe genießen konnte. Und mit geschlossenen Augen hätt ich fast gedacht, dass ich Zuhause in Österreich am Küchentisch sitze mit einem Stück selbstgebackenem Blechkuchen von der Mama im Mund.

Für die lange Busfahrt brauchte ich auch noch einen Proviant und was würde sich hierfür besser eignen als die zweitbeste Empanada der Welt (die erste natürlich, aber die gibt’s halt nur in der Wüste).
Mit gefülltem Magen und neuen Erinnerungen ging es also zurück „nach Hause“.
The End
Das war nicht nur das Ende dieses Trips sondern auch schon meine letzte Reise während meinem Austauschsemester in Chile (Die letzte war eigentlich die nach Argentinien – verzeiht mir diesen kleinen chronologischen Fehler). Das macht mich nun fast etwas traurig. Das Schreiben meiner Beiträge hat mir die Möglichkeit gegeben, all diese schönen Momente nochmal zu durchleben und euch dieses Mal eben auch mitzunehmen. Und immer wieder habe ich mich gewundert, dass ich mich tatsächlich noch an so viele Details erinnern kann. Nur ab und zu musste ich etwas nachhelfen.
Vielleicht fällt mir irgendwann noch ein Thema passend zu meinem Austauschsemester ein, das ich dann noch aufgreifen werde, oder vielleicht habt ihr noch Fragen oder Wünsche. Aber sonst werde ich mit dieser Etappe heute abschließen.
Was möchte ich noch sagen?
Chile hat mich wirklich positiv überrascht. Wie ich am Anfang geschrieben habe, wusste ich vor meiner Ankunft ja nicht einmal so wirklich, was mich erwarten würde. Meine kaum vorhandenen Erwartungen wurden also auf alle Fälle übertroffen. Ich würde somit niemals bereuen, mein Auslands-Uni-Semester in Chile absolviert zu haben.
Im Endeffekt kommt es aber viel weniger auf das Land selbst an sondern viel mehr auf die Erfahrungen, die wir mit diesem Ort verbinden. Wenn ich etwas während meinem Auslandsjahr gelernt habe, dann das. Auch den aller schönsten Ort der Welt werdet ihr nur positiv in Erinnerung behalten, wenn ihr ihn mit positiven Erlebnissen in Verbindung bringt. Und das hängt meist sehr stark von den Menschen ab, mit denen wir dort sind oder die wir dort kennenlernen.
Chile wird immer mein zweites Zuhause bleiben. Nicht wegen der starken Ähnlichkeit des Südens zu Europa oder der deutschen Einflüsse etwa. Hier habe ich Freunde und Familie gefunden, die mir damals eine sehr starke Stütze waren und mit denen ich auch heute noch in Kontakt bin.
Wenn mich wer fragen würde, ob ich nochmal für längere Zeit nach Chile gehen würde, würde ich wahrscheinlich mit ja antworten. Zurückkehren werde ich auf alle Fälle. Schließlich muss ich ja noch den tiefen Süden erkunden und mal wieder meine zweite Familie besuchen.
Deshalb auch immer das „nach Hause“ in meinen letzten Beiträgen. Irgendwann hat man halt ohne nachzudenken gesagt „Ich fahr jetzt nach Hause“, weil es sich mit der Zeit wirklich wie ein Zuhause anfühlt. Zuhause kann man nicht nur eines haben.
Mit meinen Beiträgen kann ich euch leider nicht versichern, dass euch Chile auch gefallen wird. Im Endeffekt hängt das von eurer eigenen Erfahrung ab. Ich persönlich finde natürlich, dass es ein mega cooles Land ist. Auf alle Fälle sehenswert. Für so ein langes Land braucht ihr eventuell nur etwas mehr als drei Wochen Urlaub. Besonders günstig ist es leider auch nicht. Und ins Gepäck müssen sowohl Haube und Handschuhe als auch Sonnenhut und Bikini. Aber falls ihr noch spezifischere Tipps braucht, wisst ihr ja, wo ihr euch bei mir melden könnt.
Das war natürlich nicht mein letzter Beitrag. Jetzt geht der Spaß erst richtig los. Ich habe ja noch ganz viel von meiner zweimonatigen Reise durch Südamerika zu berichten und anschließend von meinem Auslandspraktikum in Zentralamerika. Aber bis dahin,
Bussi Baba!


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