Aber das ist noch nicht alles. Denn hier leben tatsächlich um die zweihunderttausend Chilenen mit deutscher Abstammung. Um dem auf den Grund zu gehen, müssen wir auch heute wieder eine kleine Geschichtsstunde einlegen. Aber fangen wir mal bei der Anreise an.

Die Anreise

Luxus Reisen in Chile (Aufschrift auf dem ETM Bus)

Die Unterkunft

Im Islanet Hostel wird für ein reichhaltiges Frühstück gesorgt

Tag 1:

Nach meiner Ankunft bin ich also direkt zum Hostel maschiert, um mein Gepäck abzuladen. Da viel mir auch gleich auf, dass es hier im Süden doch um einiges kälter war als im immer noch frischen Viña. Haube und Schal sollten deshalb unbedingt Platz im Koffer oder Rucksack finden.

Haube und Schal nicht vergessen – trotz Sonnenschein ist es kalt
Puerto Montt ist ein süßes Hafenstädtchen – viel zu tun gibt es aber nicht

Zuvor musste aber noch etwas in meinen Magen. Am Terminal gibt es zum Glück zahlreiche Essensmöglichkeiten. Von einer Empanaderia im Erdgeschoss, die mittig in der Halle gelegen ist, habe ich mir eine vegetarische Teigtasche geholt. Den Standort schildere ich so genau, dass falls ihr irgendwann einmal selbst dort sein solltet, ihr diesen Stand findet und selbst eine probiert. Das würde nämlich meine zweit beste Empanada in Südamerika bleiben.

Anschließend bin ich also mit dem Bus nach Puerto Varas gefahren. Bevor ich euch von der Stadt erzähle, sollten wir nun aber ein bisschen in der Zeit zurückgehen.

Deutsche Einwanderer in Chile

Genau aus diesem Grund suchte die chilenische Regierung nach Siedlern, um den Mapuche das Land nicht allein zu überlassen. Die militärische Expertise in Deutschland hat die Chilenen schließlich überzeugt und so begannen sie gezielt Deutsche Staatsbürger anzuwerben, die in ihr Land kommen sollten. Und tatsächlich haben sich innerhalb von zwanzig Jahren ungefähr sechstausend Deutsche vor allem im Süden von Chile niedergelassen. Während dem zweiten Weltkrieg flohen weitere in das weit entfernte Land. Aber auch Schweizer und Österreicher sind dem Trend gefolgt.

Obwohl Chile am anderen Ende der Welt liegt, haben sich die neuen Bewohner bei dieser starken Ähnlichkeit in Landschaft und Klima bestimmt auch auf Anhieb wohl gefühlt. Die Infrastruktur mussten sie hingegen quasi komplett neu aufbauen.

Deshalb findet man heute in der Gegend um Puerto Montt auch zahlreiche Bauten im deutschen Stil, deutsche Schulen und deutsches Essen. Zudem befindet sich etwas westlich von Puerto Varas ein Dorf namens „Nueva Braunau“, was so viel heißt wie neues Braunau. Gegründet wurde es von österreichischen Siedlern, allerdings schon vor der Geburt von Hitler.

Nun haben wir also wieder etwas dazugelernt und können etwas besser verstehen, warum ich in Puerto Varas das Gefühl hatte, durch ein österreichisches Bergdorf zu spazieren. Das hat mich wirklich umgehauen. Zahlreiche Holzbauten, kleine Shops, die Wanderausrüstung verkaufen und süße Cafés und Restaurants. Diese haben übrigens teilweise auch deutsche Namen, wie zum Beispiel das Café Haussmann, und bieten deutsche Speisen und Getränke an.

Deutsches Essen findet ihr im Café Haussmann
oder im Deutschen Club
Vom Cassis Café könnt ihr einen schönen Blick auf den See genießen

Um den zweit größten See von Chile findet ihr mehrere dieser kleinen süßen Dörfer. Das bekannteste ist Puerto Varas, aber auch Frutillar soll sehr sehenswert sein.

Abgesehen von meinem kleinen Stadtspaziergang bin ich noch zum Mirador Licarayen gewandert, ein kleiner Hügel, von dem aus man ebenfalls einen schönen Ausblick auf den See genießen kann.

Der Ausblick vom Mirador Licarayen

Sehenswert sind auch die Kirche, sowie einige Villen im deutschen Baustil, die besonders gut erhalten geblieben sind.

Schöne Kirchen
und die Villa „Casa Kuschel“ 🙂
Jap, da stecken ein Schiff und ein Auto im Haus

Am späten Nachmittag fuhr ich mit dem Bus wieder zurück nach Puerto Montt, wo ich mir im Einkaufszentrum gleich in der Nähe vom Hostel noch eine Wanderhose zulegte. Am nächsten Tag würde ich mich nämlich warm anziehen müssen.

Tag 2:

Nach einem reichhaltigen Frühstück in der Unterkunft ging ich erneut in Richtung Terminal. Dieses Mal aber nicht, um einen Bus zu nehmen, sondern weil dort der Treffpunkt für meinen heutigen Tagestrip war. Vor dem Ibis Hotel, das gleich neben dem Busbahnhof liegt, wartete schon ein kleiner Reisebus. Anschließend holten wir noch weitere Leute von ihren Unterkünften in Puerto Montt und Puerto Varas ab, bevor die Tour richtig losgehen konnte.

Die Insel Loreley auf der Lagnue La Poza
Die Laguna Verde
mit Tierbesuch

Kleine Bemerkung am Rande: Straßenhunde gibt es auch in Chile viele. Normalerweise sind diese friedlich. In Viña wurde ich sogar mal von einem bis zur Wohnungstür begleitet, als ich spät abends alleine nach Hause ging (nicht, dass das oft vorgekommen wäre). Trotzdem ist natürlich immer Vorsicht geboten.

All zu lange blieben wir aber auch nicht, schließlich war es ja eisig kalt da oben und mit vier Kleidungsschichten war ich eindeutig nicht warm genug angezogen.

Beim letzten Stopp gab es endlich ein wohl verdientes Mittagessen. In einem Restaurant am Wegrand machten wir Halt und bestellten dort auf Empfehlung unseres Guides ein Mittagsmenü, das aus kalter Vorspeise, Suppe und Hauptspeise bestand. Für mich gab es frischen Fisch aus der Gegend. Die Kellnerin, die gleich ganz interessiert nach meiner Herkunft gefragt hat, hat dann sogar ein paar deutsche Begriffe ausgepackt und mir das Menü auf deutsch erklärt (so gut es halt ging).

Anschließend ging es auch schon wieder zurück nach Puerto Montt für eine weitere Nacht im Islanet Hostel.

Mein Fazit

Die Tour hatte also einige beeindruckende Höhepunkte zu bieten. Mit unseren Trip durch die Atacama-Wüste konnte die natürlich nicht mithalten. Allerdings ist es auch schwierig zwei komplett unterschiedliche Erlebnisse zu vergleichen.

Obwohl ich eigentlich kein großer Kälte-Fan bin, Sommer-Mensch durch und durch, war es trotzdem mal wieder schön etwas anderes zu sehen als Meer, Küste oder Wüste. Schließlich braucht man ja immer ein bisschen Abwechslung. Und der Süden von Chile machte mich dann tatsächlich etwas nostalgisch.

Da ich es während meinen vier Monaten in Chile nicht mehr weiter hinunter in den Süden schaffen würde, war ich froh, zumindest das gesehen zu haben. Es ist schon extrem interessant auch hier die starken europäischen Einflüsse zu beobachten.

Meine Reise durch den Süden von Chile war hiermit aber noch nicht ganz zu Ende. Für mich ging es noch etwas weiter. Mehr Regen, mehr Kühe und mehr Kirchen. Dazu aber mehr in meinem nächsten Beitrag. Bis dahin,

Bussi Baba!



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