Was soll ich sagen? Ich war jung und dumm? Nein. Wohl eher todtraurig und blind vor Liebeskummer. Tatsächlich wurde mir ein paar Tage vor dem Abflug das Herz gebrochen. Herzschmerz-Bewältigungsstrategie Nummer 1 einer Reiseenthusiastin ist es natürlich das nächste Ticket in ein fremdes Land zu buchen. Aber da ich mich ja bereits am anderen Ende der Welt befand, blieb es bei mir bei einer Reise in den Norden von Chile.

Ohne viel darüber nachzudenken oder mich zuvor zu informieren, hab ich also einfach das günstigste Regionalflugticket, das ich finden konnte, gebucht. Und in einer Woche würde es auch schon losgehen. Und zwar nach Antofagasta.

Meine Internet-Recherchen versprochen mir immerhin warmes Klima, im Gegensatz zum kalten Viña, eine interessante Steinsformation im Meer und eine Hand in der Wüste, die man aber nur nach längerer Fahrt erreichen würde.

Nach dieser Reise würde mich mein Uni-Professor das ganze Semester über aufziehen, damit dass meine erste Reise in Chile nach Antofagasta ging. Denn nach Antofagast reist man einfach nicht. Seid ihr bereit für einen spektakulären Reisebericht?

Tag 1:

Nach einer langen schlaflosen Nacht am Flughafen Santiago ging es früh morgens mit dem Flieger nach Antofagasta. Als ich auf dem etwas außerhalb gelegenen Flughafen ankam, ging gerade erst langsam die Sonne auf. Ich wartete also erstmal das Tageslicht ab, um sicher in den Morgen starten zu können. Zuvor gab es noch ein kleines Frühstück und einen dringend nötigen Kaffee. Anschließend hab ich mir einen Uber bestellt.

Zuerst musste mal Frühstück und ein Kaffee her
La Portada, eine Steinsformation, die wie ein Tor im Meer aussieht

Meine erste Solo-Travel-Horror-Experience

Irgendwann fuhren wir also von der Autobahn ab, auf eine sehr wenig befahrene Straße. Später bogen wir nach links auf einen Schotterweg ab, weil sich dort auf Vermutung des Fahrers das Naturspektakel befinden sollte. Als wir stehen blieben, war weit und breit keine Menschenseele. Auch war nirgends ein Wegweiser zu finden. Etwas unsicher stieg ich aus, bedankte mich bei meinem Chaffeur und ging in Richtung der Steilhänge, wo ich hoffentlich La Portada finden würde.

Doch da war genau nichts. Und als ich mich umdrehte, um zurückzugehen, sah ich, dass mein Uber-Fahrer ebenfalls ausgestiegen war und in meine Richtung kam. Ich, weiße Frau in Chile, mit all meinen Sachen und Wertgegenständen, mutterseelenallein. Das war das erste Mal während meinen Solo-Trips, dass ich wirklich kurz Angst um mein Leben bekam. Weil ich mal wieder etwas zu naiv war.

Als ich mich nochmal zu dem jungen Mann umdrehte, sah ich aber, dass er nicht mehr strikt in meine Richtung ging, sondern etwas abgebogen war und selbst die Klippen ansteuerte. Mein Herz beruhigte sich etwas. Vielleicht wollte er sich die Sehenswürdigkeit einfach nur selbst ansehen. Er hat mir ja erzählt, dass er noch nie hier gewesen war. Ich drehte also schnell um, und ging den Weg zurück bis zu der Wegkreuzung von der wir gekommen sind. Irgendwann hat mich der Uber wieder eingeholt und nachfragte, ob er mich mitnehmen soll, aber ich habe dankend abgelehnt. Später habe ich La Portada dann wirklich noch entdeckt. Wir waren einfach nur zu früh abgebogen.

Nachdem ich mir den Stein also gut angeschaut hab, eine sehr schöne und auch faszinierende Attraktion, machte ich mich langsam auf den Weg zur Stadt. Mein Navi zeigte mir vier Stunden zu Fuß zu meiner Unterkunft und mein innerer Forest Gump war bereit diesen Weg auf sich zu nehmen. Ohne Rucksack am Rücken und der beisenden Hitze hätte ich das bestimmt auch ganz gut hinbekommen. Nach ungefähr dreißig Minuten hat mich aber zum Glück eine Micro (Bus in Chile) am Straßenrand aufgegabelt.

Den restlichen Tag verbrachte ich mit ein paar Snacks vom Markt am Meer. Immerhin hatte es in Antofagasta das perfekte Strandwetter. Später bin ich zu meiner Unterkunft hinaufgewandert. Das war leider wirklich kein Spaziergang. Mein Airbnb lag irgendwo in den Hügeln der Stadt. Da hatte ich mal wieder die günstigste Option gewählt ohne mich wirklich ausreichend zu informieren. Nicht immer lernt man aus seinen Fehlern.

Den restlichen Tag gab es Sonne und Snacks am Strand

Und jetzt gebe ich euch einen guten Tipp: Entweder ihr holt euch im voraus Informationen ein oder gar nicht. Macht es nicht wie ich, die am späten Nachmittag in ihrem Zimmer lag und „Antofagasta“ googelte. Und dann zufälligerweise aufgrund von einigen Quellen zu der Schlussfolgerung kam, dass Antofagasta, eine wichtige Hafenstadt, zu einer der gefährlichsten Städte Chiles zählt (man muss anmerken, dass Chile verglichen zu anderen Ländern Südamerikas natürlich um einiges sicherer ist). Vor allem die Gegend in den Hügeln, wo meine Unterkunft lag, sollte man lieber meiden. Zwar konnte ich nun die passenden Maßnahmen ergreifen, um wieder in einem ganzen Stück nach Hause zurückzukehren, aber ohne diesem neuen Wissen hätte ich meinen Trip vielleicht mehr genießen können.

Bevor die Sonne unterging, machte ich mich aber dann trotzdem nochmal auf den Weg in die Innenstadt. Dort hatte ich nämlich einen Termin. Liebeskummer-Bewältigungsstrategie Nummer 2: Tattoos. Tattoos in Südamerika sind um einiges günstiger als in manchen Österreichischen Studios. Sogar in Chile, wo die Preise sonst ähnlich den unseren sind. Meine Eltern haben erst später davon erfahren.

Tag 2:

Mein zweiter Tag begann eher unspektakulär mit einem Frühstück in der Unterkunft. Anschließend machte ich mich wieder auf den Weg in die Stadt. Und auch wenn Antofagasta vielleicht nicht die attraktivste Touristen-Destination ist, hat der Ort doch auch ein paar echt schöne Ecken zu bieten.

In vielen Städten Südamerikas findet man Japanische Gärten
Bei den Ruinas de Huanchaca erfährt ihr mehr über die Minenarbeit in Chile
„Blumenwiese“ vor der Ruine
Leckere chilenische Eiscreme

In meiner Unterkunft, machte ich dann noch eine sehr schöne Erfahrung, die für mich persönlich meine Reise nach Antofagasta ausgemacht hat. In dem Airbnb, in dem ich unterkam, lebten auch noch weitere Personen. Es war wie eine Art WG, bei der jeder sein eigenes Zimmer hatte und man sich nur Badezimmer und Küche teilte. Darunter auch eine Frau mit ihrer Tochter, die vor Kurzem aus Bolivien hergezogen war, und jetzt in dem Wohnkomplex als Haushälterin arbeitete.

Als ich an dem Tag von meinem Ausflug zurückkehrte, bekam ich zuerst einmal eine Kostprobe von einem bolivianischen Dessert. Mit Essen kann man mich immer für sich gewinnen. Während ich auf der Dachterasse meine Buñuelos genoss, hat sich irgendwann die Tochter zu mir gesellt, ein kleines Mädchen im Volksschulalter. Wir begannen zu plaudern, was am Anfang noch etwas schwierig war, weil mein Spanisch noch etwas Übung brauchte. Also lies ich die meiste Zeit einfach sie reden.

Frische bolivianische Buñuelos
Neue Reise-Freundschaften

Sie hat mir erzählt, dass sie vor ungefähr einem Jahr nach Chile gekommen sind, weil die Chancen auf ein besseres Leben hier größer sind. Ihre 18-jährige Schwester sowie der Großteil ihrer Familie sind jedoch in Bolivien zurückgeblieben. Aber sie hat trotzdem so viel Lebensfreude ausgestrahlt. Sie war glücklich, jetzt am Meer zu leben und hat mir dann sogar ihre kleine Muschelsammlung gezeigt. Und sie hat mir erklärt, dass sie einmal Tierärztin wird. Später hat sie mich noch mit in ihr kleines Zimmer genommen, dass sie sich mit ihrer Mama teilt und dort mit mir ein paar YouTube-Videos angeschaut.

Tag 3:

Nach zwei Nächten ging es auch schon wieder zurück „nach Hause“. Die Rückreise verlief leider nicht ganz ohne Komplikationen. Zuerst hatte mein Flug ganze vier Stunden Verspätung. Das einzig Gute war, dass wir einen Voucher für Essen und ein Getränk am Flughafen bekamen. Allerdings wusste ich nicht, ob ich den letzten Bus am selben Abend von Santiago zurück nach Viña erwischen würde.

Die Flugverspätung hatte auch ihre guten Seiten: Essen, Trinken und ein wunderschöner Sonnenuntergang

Am Flughafen konnte ich den Uber nicht finden, musste deswegen ein Taxi nehmen und bin zum Glück noch genau rechtzeitig vor der Abfahrt des letzten Busses am Terminal angekommen. Zurück in der Wohnung haben meine Gasteltern, die ich die ganze Zeit über am Laufenden gehalten hatte, natürlich schon geschlafen. In meinem Zimmer fand ich aber ein Sandwich, dass mir meine Gastmama noch mit ganz viel Liebe vorbereitet hat, falls ich noch Hunger haben sollte nach dieser langen Reise.

Mit ganz viel Liebe zubereitet

Mein Fazit

Ein sehr turbulenter Kurztrip und trotzdem hatte ich das Gefühl, dass ich einiges für mich selbst mitnehmen konnte. Lieber mal zuvor informieren, aber auch nicht die Nerven verlieren, wenn mal nicht alles nach Plan läuft. Nicht nur das Wissen, dass Antofagasta keine Destination für Touristen ist. Aber Tipp an euch: Investiert vielleicht doch lieber etwas mehr in eure Flüge und besucht San Pedro de Atacama oder Patagonien anstatt von Antofagasta. Mein gebrochenes Herz konnte ich dennoch fast ganz vergessen.

Mein persönliches Highlight der Reise war es aber mal wieder diese kindliche Lebensfreude und Begeisterung in jemandem zu sehen, trotz aller Umstände, die einem manchmal in den Weg gestellt werden. Während meiner Zeit im Ausland würde ich noch oft Erfahrungen machen, die mir zeigen, dass man oft in den kleinen Dingen am meisten Glück findet. Außerdem würde ich auch meine eigene kindliche Lebensfreude wiederentdecken. Davon werdet ihr aber in den nächsten Beiträgen noch mehr lesen. Bis dahin,

Bussi, Baba!


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