Wahrscheinlich zerbreche ich mir hier mal wieder nur viel zu sehr den Kopf über ein weiteres belangloses Thema. Trotzdem wollte ich diesen Diskussionspunkt aufgreife, vor allem, um allen Reise-Grünlingen unter euch aufzuzeigen, dass ich nicht zwei Monate lang auf den Malediven gechillt habe.
Eigentlich habe ich mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht, was andere denken könnten, wenn ich für zwei Monate in ganz Südamerika umherziehe. Bis zu einem Telefonat mit meinen Eltern am 1. 1. 2024. Beziehungsweise war es bei mir noch ein paar Stunden vor Mitternacht. Während ich mich also gerade erst für die Silvester Feierlichkeiten vorbereitet habe, habe ich meine Eltern und zwei ihrer Freunde mit einem Video-Call bei einem Trinkspiel gestört. Jedenfalls habe ich ihnen im Laufe des Gesprächs erzählt, dass ich nicht vorhätte, die Nacht durchzufeiern. Schließlich war ich gerade erst auf den Galápagos Inseln gelandet und ich mir würde hier nur ein paar wenige Tage zur Verfügung stehen, um dieses Naturwunder zu erkunden. Deshalb wollte ich am nächsten Morgen nicht unbedingt müde und verkatert aufwachen.
Die Freundin meiner Mama hat daraufhin gemeint: „Aber du bist doch auf Urlaub“. War ich das? Konnte man noch „Urlaub“ sagen, wenn man seit über einem Monat durch Südamerika reist? Ehrlichgesagt habe ich mich sogar etwas angegriffen gefühlt. Ich wollte nicht, dass man glaubt, dass ich zwei Monate oder gar ein Jahr im Ausland „Urlaub mache“. Als würde ich acht Wochen irgendwo am Strand chillen und nichts tun.

Um das ganze mal aus wissenschaftlicher Sicht zu betrachten, hab ich mir gedacht, ich schlage das mal im Wörterbuch nach. Der deutsche Duden sagt: Urlaub ist eine „dienst-, arbeitsfreie Zeit, die jemand [zum Zwecke der Erholung] erhält“, während eine Reise als „Fortbewegung über eine größere Entfernung“ definiert wird. Die zweite Definition wäre „traumhafter Zustand des Gelöstseins nach der Einnahme von Rauschgift; Rausch“, aber auf diese Art von Trip will ich in diesem Beitrag nicht genauer eingehen.
Klar können beide Begriffe grundsätzlich als Synonym verwendet werden. Und trotzdem ist es nicht ganz dasselbe. Deshalb frage ich ganz gerne auch andere Reisende, wie die das sehen. Während meinem Aufenthalt am Lake Atitlán in Guatemala habe ich tatsächlich eine sehr lange Diskussion mit einer Reisebekanntschaft aus New York begonnen. Sie selbst war nur für zwei Wochen unterwegs und war der Meinung, dass „traveling“, „holidays“ und „vacation“ eh alles dasselbe ist.
Also ich persönlich assoziiere Urlaub noch am ehesten mit den Wochentrips in irgendein Österreichisches Wandergebiet mit meinen Eltern, als wir noch Kinder waren. In den Sommerferien haben sich meine beiden Eltern immer ein paar Tage frei genommen und wir sind zu viert in die Berge gefahren. Da gab es dann meist ein flexibles Programm, dass vor allem aus Wandern, bisschen Sightseeing aber vor allem Entspannung bestand. Untergekommen sind wir nämlich meistens in richtig coolen Hotels mit Frühstücksbuffet, 4-Gänge Abendmenü und einem richtig nicen Spa-Bereich. Für meine Eltern war das natürlich perfekt, um mal den Arbeitsalltag hinter sich zu lassen. Aber auch ich und meine Schwester haben die Familienurlaube immer genossen.
Beziehungsweise tue ich das immer noch. Der Part mit „als wir noch Kinder waren“ war nämlich bisschen gelogen, weil der nächste Sommerurlaub mit meinen Eltern bereits geplant ist. 3 Tage dem Alltag entfliehen, ohne selbst einen Cent auszugeben. Wer würde da nicht ja sagen?
Und was verstehe ich nun unter „Reisen“? Den ganzen Tag mit dem vollgepackten Rucksack herumrennen, Rückenschmerzen, gestresst weil jeden Tag irgendwelche neuen Pläne anstehen, nebenbei noch coole Instagram Stories posten (die nur die halbe Realität eines Reisenden zeigen, wobei ich immer versuche sehr ehrlich mit euch zu sein) und am Ende des Tages verschwitzt und stinkig in die Unterkunft einkehren, die alles andere als Luxus verspricht. Ihr glaubt ich übertreibe?


Natürlich habe ich jetzt nur die negativen Seiten des „Reisens“ aufgezählt, die leider existieren, neben all den wunderschönen Vorteilen. Regelmäßig an einem anderen Ort munter werden, zahlreiche neue Länder entdecken, viele tolle Leute kennenlernen, in die unterschiedlichsten Kulturen eintauchen und auf das tolle Essen darf man natürlich nicht vergessen. Das hört sich schon eher nach dem Traum vom Reisen an.
Urlaub und Reisen sind beide eine Art Flucht aus dem Alltag, klar. Beim Urlauben will man aber vor allem Energie durch Entspannung auftanken. Während dem Reisen wollen wir hingegen unser Topf an Erfahrungen füllen und auch mal unsere Komfortzone verlassen.
Seit meinem Praktikum in Costa Rica habe ich aber selbst gemerkt, dass Urlaub und Reisen auch co-existieren können. Meine Zeit in Guatemala würde ich beispielsweise als Urlaub bezeichnen, weil ich mir von der Arbeit freigenommen habe. Ich wollte etwas relaxen, bevor es wieder zurück zur Arbeit geht. Gleichzeitig wollte ich aber auch ein weiteres Land erkunden, und so stand jeden Tag ein neues Programm an. Also Urlaub und Reisen in einem.
Tatsächlich kann Reisen nämlich mit viel Stress und Druck in Verbindung stehen. Das wollte ich euch mit diesem Beitrag zu Verstehen geben. Während ich zwei Monate durch zahlreiche Länder Südamerikas gereist bin, gab es nur selten mal einen ganzen Tag Pause. Ich wollte in kürzester Zeit möglichst viel sehen. Zwei Monate hört sich vielleicht viel an, ist es aber nicht, wenn man bedenkt dass ein Land in Südamerika fast so groß wie ganz Europa sein kann. Am Programm standen also verschiedene Wanderungen, Sightseeing-Touren, Mountainbiken, Wildlife-Watching, Museums-Besuche und vieles mehr. Und tatsächlich habe ich meine freie Zeit dann meist dafür verwendet um Content für Instagram zu erstellen oder Pläne für die nächsten Tage zu machen. Schließlich muss man sich ja auch immer schon um die nächste Unterkunft kümmern. Davon werdet ihr aber in meinen zukünftigen Beiträgen sowieso noch mehr lesen. 😉

Ich will jetzt natürlich kein Mitleid hervorrufen. Weil auch wenn es vielleicht ab und zu mal stressig und anstrengend war, war es gleichzeitig auch eine der geilsten Zeiten in meinem Leben. Es gibt nichts cooleres als jeden zweiten Tag an einem neuen Ort aufzuwachen, aufgeregt auf das was einem heute bevorsteht. Jeden Tag warten neue Erfahrungen und Erlebnisse auf einen. Langeweile existiert quasi nicht.
Nun würde mich aber auch eure Meinung interessieren. Seht ihr einen Unterschied zwischen „Urlaub“ und „Reisen“? Konntet ihr schon mit beidem Erfahrungen machen?
In meinem nächsten Beitrag werde ich euch wieder von einer weiteren „Reise“ erzählen. Bis dahin,
Bussi Baba!


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